Und wieder ist Pioniergeist gefragt. Zum 125. Geburtstag des modernen Automobils steckt die Branche mitten in einem tiefgreifenden Umbruch - dem vielleicht größten ihrer Geschichte. Die beiden zentralen Herausforderungen: Der Start ins umweltfreundliche Elektrozeitalter und die Verlagerung der Absatzzentren - die Zukunft der weltweiten Autoindustrie liegt vor allem in Asien. "Das Wachstum ist 'Grün' und 'Gelb'", sagt Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer von der Uni Duisburg-Essen. Die Umwelt und Asien seien die ganz großen Aufgaben für die Branche. Christoph Stürmer vom Beratungsunternehmen IHS Global Insight spricht sogar von einer "doppelten Revolution", vor der die Branche stehe: "Einerseits verschieben sich Nachfrageschwerpunkte geografisch und machen damit neue Kapazitätsinvestitionen erforderlich." Zum anderen entstünden neue Technologien, die hohe Entwicklungsaufwendungen und Prozessinvestitionen benötigten. "Wir haben das Auto einmal erfunden, wir werden es wieder tun", beschwört Daimler-Chef Dieter Zetsche die Innovationskraft seiner Branche. Doch dabei müssen die Hersteller einen schwierigen Spagat bewältigen, mahnt Autoexperte Stefan Bratzel vom Center of Automotive Management (CAM) in Bergisch Gladbach. Denn die Entwicklung neuer Antriebstechnologien wie Elektromotor und Hybridantrieb, aber auch der Brennstoffzelle, ist teuer. Und aus Expertensicht dürfte es wegen ungelöster Fragen etwa bei der Batterietechnik oder der Reichweite von Elektroautos noch viele Jahre dauern, bis Verbrennungsmotoren nicht mehr dominant sind. Also müssen die Hersteller die konventionellen Motoren weiter optimieren - und gleichzeitig in alternative Antriebstechnologien investieren. Der Umbruch hat aber schon für neue Allianzen gesorgt, zudem wird die Rolle der Zulieferer als Komplettanbieter gestärkt - und dies alles vor dem Hintergrund von weltweiten Überkapazitäten und einer Phase der Branchenkonsolidierung.