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Ausgabe 09/2018

Kompaktklasse mal anders

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© AUTOFLOTTE

Der Citroën C4 Cactus soll den eingestellten konventionellen C4 ersetzen. Der Franzose bleibt aber auch nach dem Facelift ein Nonkonformist.

_ Wer an die Marke Citroën denkt, hat meistens sofort zwei legendäre Modelle im Kopf: DS und die Ente. Ganz im Geiste des 2CV, also der Ente, steht seit 2014 der C4 Cactus. Mit ihm stellte Citroën ein Auto auf die Räder, das kosteneffiziente Basismobilität mit pfiffigen Details verband. Details gefällig? Der Beifahrerairbag im Dach erlaubt ein weniger voluminöses Armaturenbrett und damit mehr Platz innen bei kompakten Außenmaßen, die - kontrovers diskutierten - großflächigen Airbumps an den Seitentüren verhinderten Parkrempler, einfache, aber doch stylische Schlaufen ersetzten die Türgriffe innen. Seit dem Facelift 2018 hat der Cactus aber etwas an seiner Sonderrolle eingebüßt: Die Airbumps sind weg, ein konventioneller Kühlergrill ziert die Front und auch das Heck lehnt sich deutlich stärker an verwandte Citroën-Modelle an. Ein Grund: Mit Auslaufen des konventionellen C4 soll der Cactus auch das wichtige Kompaktwagensegment bedienen. Welche Chancen er dort hat, klärt unser Test.

Das Testauto

In der Topvariante Shine kostet der einzige Diesel im C4 Cactus ab 19.403 Euro. Dieses Niveau bringt unter anderem bereits elektrisch anklappbare Außenspiegel, das Notrufsystem Citroën Connect Box, die Einparkhilfe hinten, einen automatisch abblendenden Innenspiegel, das Klima-Paket mit Klimaautomatik und Licht- und Regensensor, 16-Zoll-Leichtmetallfelgen und Navi mit. Aus der Version Feel gibt es zum Beispiel ein Lederlenkrad oder Nebelscheinwerfer. Im Feel fahren serienmäßig außerdem der Sieben-Zoll-Touchscreen, ein Audiosystem mit Lenkradfernbedienung, Bluetooth oder Tempomat mit.

Extras sind im Cactus größtenteils in Paketen zusammengefasst. Unser Testwagen hatte neben der Farbe Perlmuttweiß (609 Euro), der Sitzheizung vorn (252 Euro), 17-Zoll-Leichtmetallfelgen (420 Euro) und dem kostenfreien"Color-Paket Red" mit roter Umrandung der Nebelscheinwerfer und der ersten Airbump-Kapsel in der Seitentür

- das "Toter-Winkel-Assistent- & Full-City-Kamera-Paket" (Totwinkelassistent, Rückfahrkamera, Einparkhilfe vorn; 664 Euro)

- das Drive-Assist-Paket (aktiver Notbrems-, Spur-, Aufmerksamkeits- und Pausenassistent, Verkehrszeichenerkennung; 630 Euro) sowie

- Smart-Access-Paket (schlüsselloser Zugang, zweite Fernbedienung; 336 Euro) an Bord. Insgesamt kostete unser Testwagen so 22.314 Euro.

Karosserie

Wie gesagt, in einzelnen Details wurde der C4 Cactus durch das Facelift konventioneller. Aber: Die Grundstruktur der Karosserie blieb erhalten, der Cactus sticht also weiter aus der Masse der Kompakten heraus. Seine jetzt kleineren Airbumps dominieren die Seitentüren - obwohl nun deutlich tiefer angesetzt - im Vergleich zu den schmalen Schutzleisten der Wettbewerber immer noch, und allein die Doppelstockscheinwerfer mit den aus dem oberen Grill herauslaufenden LED-Tagfahrleuchten heben den Franzosen von der Masse ab. Dass die hinteren Seitenfenster weiterhin nicht versenkbar, sondern nur ausstellbar sind, ist allein der Kostenoptimierung geschuldet. Das Raumgefühl ist - auch dank des schmalen Armaturenbretts - luftig. Der Kofferraum ist mit mindestens 348 Litern Fassungsvermögen ausreichend groß, der Zugang allerdings beschwerlich: Die Ladekante ist hoch, und innen fällt der Kofferraum in eine tiefe Stufe ab.

Interieur

Der Cactus ist auch innen anders. Zwar spürt man, dass er ein preiseffizientes Auto sein soll, die pfiffige Farbgestaltung des Armaturenbretts hebt die Wirkung der manchmal billig wirkenden Materialien aber wieder auf. Knöpfe gibt es wenige, mit der digitalen Instrumenteneinheit und dem zentralen Touchscreen - beide quasi auf das Armaturenbrett aufgesteckt - dominieren zwei Bedien- und Ableseeinheiten das optische Geschehen. Auch die Klimatisierung wird digital gesteuert, was nicht immer ganz ablenkungsfrei klappt. Bei der Anwahl des Hauptmenüs würden wir uns über eine berührungsempfindlichere Bedienung freuen. Insgesamt wirkt das Cockpit reduziert-minimalistisch - uns gefällt´s.

Antrieb

Perfektionismus macht unattraktiv - eine Gleichung, die den Charme französischer Autos ausmacht und der Citroën auch in Sachen Antrieb nachgeht. Unser C4 Cactus war noch mit einem Fünfganggetriebe und 99 PS ausgestattet. Seit Juli erfüllen alle Motoren die Euro-6d-Temp-Norm, damit hielten auch ein sechster Gang und drei Mehr-PS Einzug in den Cactus HDi. Den haben wir auf der Autobahn sehnlichst vermisst - und vielleicht lässt sich das neue Getriebe ja auch ein bisschen präziser und verhilft dem Diesel zu ein wenig mehr Elastizität. Laufruhig war dagegen auch schon unser Test-Cactus - und sparsam: Trotz überwiegend schneller Autobahnetappen lagen wir im Mittel bei 6,5 Litern je 100 Kilometer. Ließen wir es geruhsamer angehen, lagen wir bei rund fünf Litern.

Fahrpraxis

Der C4 Cactus ist, wie ein Citroën sein sollte: komfortabel. Die Lenkung des nicht wie erwartet wendigen Kompakten ist extrem leichtgängig und damit ein wenig indirekt, aber nicht schwammig. Auch die Sitze sind sehr weich. Das an sich störte nicht, wäre der Seitenhalt nicht gleich null. Zusammen mit dem äußerst weichen und schon in der Grundausstattung serienmäßigen "Citroën Advanced Comfort Fahrwerk" resultiert das im vielzitierten Fahren wie Gott in Frankreich. Toll ist wieder das Tomtom-Navi: Es warnt zuverlässig vor noch so kleinen Staus und lotst zeitsparend um Hindernisse herum.

Autoflotte-Tipp

Der C4 Cactus ist ein alltagstaugliches Auto für Individualisten, und damit hat er seine Nische gefunden. An Golf, Astra oder auch 308 kommt er aber nicht heran. So füllt er die Lücke des verblichenen konventionellen C4 nicht ganz aus.

Aber welcher Cactus ist der richtige? Antriebsseitig sind die Kombinationsmöglichkeiten beschränkt. Den einzigen Diesel gibt es nur mit Handschaltung, und auch wer die stärkere Ausbaustufe des 1,2-Liter-Dreizylinder-Benziners mit 131 PS wählt, muss selbst schalten. Eine optionale Automatik gibt es nur für den 110 PS starken Einstiegsbenziner.

Kommen wir zur Ausstattung: Wir würden zur Topversion Shine greifen. Nicht nur, weil nützliche Dinge wie das Notrufsystem, die Einparkhilfe hinten, die Klimaautomatik oder Licht- und Regensensor schon serienmäßig an Bord sind. Sondern weil aus unserer Sicht praktische und wichtige Extras wie die Einparkhilfe vorn oder der Totwinkelassistent für die niedrigeren Niveaus gar nicht lieferbar sind. Als Extras wählen wir

- das Toter-Winkel-Assistent- & Full-City-Kamera-Paket (664 Euro mit Totwinkelassistent, Rückfahrkamera und Einparkhilfe vorn)

- das Drive-Assist-Paket (für 630 Euro) mit aktivem Notbremsassistenten, Spur- und Aufmerksamkeitsassistenten, Müdigkeitswarner, Verkehrszeichenerkennung

- die Dachreling (185 Euro)

- Metalliclack (441 Euro)

- die Sitzheizung vorn (252 Euro) sowie

- DAB-Radio (168 Euro).

Wer den 131-PS-Benziner wählt, zahlt dann insgesamt 21.239 Euro, für den Diesel beträgt der Listenpreis 21.743 Euro.

Details - Stärken & Schwächen

Stärken- Pfiffiger, individueller Auftritt- Komfortables Fahrwerk- Luftiges RaumgefühlSchwächen- Extras größtenteils nur in Paketen- Sitze mit wenig Seitenhalt- Für seine Größe wenig wendig

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