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Fahrbericht Cadillac XT4

Außenseiter aus Amerika

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Der Cadillac XT4 taugt durchaus als amerikanische Alternative zu den immer gleichen SUV aus dem deutschen Süden.
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Auch Cadillac will ein Stück vom großen Kuchen der nicht-ganz-so-großen SUV abhaben und schickt deshalb gegen die kompakten Kraxler aus Deutschland den neuen XT4 ins Rennen.

Von Benjamin Bessinger/SP-X

Felix Weller hat ein Problem: Seine Marke kennt fast jeder, doch seine Autos kauft kaum einer: Gerade einmal 944 Neuzulassungen kann der Europa-Chef von Cadillac deshalb fürs letzte Jahr vermelden. Zu exotisch sind Limousinen wie der CT6 und zu groß Geländewagen wie der Escalade, als dass sich damit Europa Masse machen ließe. Doch wenn Weller ein Jahr weiter blickt, geht ein Lächeln über sein Gesicht. Denn ab Ende 2019 nimmt er zu Netto-Preisen ab etwa 30.000 Euro Bestellungen für ein Auto entgegen, das für Cadillac eher untypisch ist, dafür aber umso besser ins Straßenbild passt: Den XT4. Mit 4,60 Metern fast schon kompakt und ausgesprochen vernünftig motorisiert, zielt er auf das boomende Segment der handlichen Luxus-SUV und will ein wenig vom großen Kuchen knabbern, den sich bei uns vor allem Audi Q3 und Q5, BMW X1 und X3 sowie Mercedes GLA und GLC teilen.

Dafür setzen die Amerikaner wie immer auf ein markantes Design, das mit seinen auffälligen Front- und Rückleuchten und dem betont kantigen Schnitt angenehm heraussticht aus dem europäischen Einerlei. Es gibt viel Platz auf allen Plätzen und im Fond mehr Beinfreiheit als bei der Konkurrenz, die Aussicht ist auch für die Hinterbänkler endlich mal wieder ganz angenehm und bei der Ausstattung wird nicht gespart: Sitzklimatisierung, Abstandsregelung und Spurführung, Head-Up-Display, eine kabellose Ladeschale fürs Smartphone und vorne wie hinten Steckdosen für USB-A und erstmals auch für USB-C. Da steht der XT4 Mercedes & Co in nichts nach.

Außen erfrischend neu, innen altbacken

Für Cadillac ist der XT4 in jeder Hinsicht ein erfrischend neues Auto mit einer jung und dynamisch weiterentwickelten Designsprache und einem forschen Auftritt. Doch so attraktiv das Äußere geworden ist, so altbacken wirkt das Ambiente des Außenseiters aus Amerika: Wo alle Welt auf digitale Cockpits setzt und Cinemascope-Bildschirme einbaut, schraubt Cadillac noch zwei vergleichsweise schlichte Rundinstrumente hinters Lenkrad, der Touchscreen über der Mittelkonsole ist zu klein und nicht sonderlich schön ins Cockpit integriert, und das Cadillac die iDrive-Kopie auf dem Mitteltunnel als Innovation feiert, ist fast schon eine Ironie. Schließlich werden diese Systeme mit Dreh-Drück-Steller sonst gerade überall so langsam wieder ausgemustert.

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Das ist schade, denn ansonsten ist der XT4 ein stimmiges Auto, das durchaus als amerikanische Alternative zu den immer gleichen SUV aus dem deutschen Süden taugt. Zumal Cadillac auch unter dem Blech europäische Maßstäbe angelegt hat. Lenkung und Fahrwerk mögen zwar nicht so agil und ambitioniert sein wie bei BMW. Doch mit Audi und Mercedes ist der XT4 in Sachen Fahrdynamik gleichauf. Und mit einem 2,0 Liter großen Turbo-Benziner ist man bei uns auch besser bedient, als mit den üblichen Sechs- oder gar Achtzylindern, die sie sonst so gerne einbauen bei Cadillac. Erst recht, wenn der Vierzylinder bei Teillast noch zwei Töpfe abklemmt und nur noch auf zwei Flammen brennt. Das dürfte den Verbrauch auf deutlich unter acht Liter drücken.

Allerdings darf man von dem Motor nicht zu viel erwarten. Zumindest mit dem amerikanischen Setup der ersten Testwagen kommt das Triebwerk zwar auf knapp 240 PS und bis zu 350 Nm, bringt davon aber längst nicht alles auf die Straße. Irgendwo in der neunstufigen Automatik oder dem angehängten Allradantrieb gehen gefühlte 20 Prozent der Leistung verloren, so dass man dem XT4 nicht viel mehr als 200 km/h zutraut. Und der helle, heißere Klang macht die Sache nicht besser, wenn man aufs Gas tritt.

Zeit für Feintuning

Doch so sehr sich Europachef über die Geduldsprobe mit dem späten Start ärgern dürfte, hat die lange Wartezeit auch etwas Gutes. Sie lässt den Ingenieuren Luft für ein bisschen Feintuning, zumal sie in Sachen Otto-Partikelfilter ohnehin noch einmal Hand anlegen müssen an den Motor. Und wo sie gerade dabei sind, werden sie gleich auch noch einen knapp 200 PS starken 2,0-Liter-Diesel applizieren. Denn wenn Cadillac schon mal mit Tabus bricht, dann richtig. Und allen Unkenrufen über den Selbstzünder zum Trotz, sehen die Amerikaner dafür bei uns noch immer gute Chancen.

Ein bisschen anders als die anderen, vernünftig, 10.000 Euro billiger als das bislang günstigste Modell der Marke und ein Maß für die Masse: Selbst wenn es die Amerikaner auch mit dem XT4 bei uns nicht vollends aus der Nische schaffen werden, spricht vieles dafür, dass der kleinste Cadillac zum größten Erfolg der Amerikaner wird und sich der Bekanntheitsgrad der Marke endlich auch ein wenig in den Verkaufszahlen niederschlagen könnte. Zumal der XT4 nur der Anfang ist, wie Weller sagt: "Denn in den nächsten drei Jahren kommt alle sechs Monate ein neues Modell." Wäre doch gelacht, wenn das den Verkauf nicht ankurbeln würde.

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