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VDA-Präsident Mattes

"Vernetzung bietet enorme Effizienzgewinne"

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Mattes: "Es gibt klügere Maßnahmen als Fahrverbote."
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Zum Start der IAA Nutzfahrzeuge in Hannover spricht VDA-Präsident Bernhard Mattes über die Zukunftsthemen der Branche und die Sorgen politischer Entwicklungen.

Von Dirk Schwarz/SP-X

Welche Lösungen für die Mobilität der Zukunft sind auf der IAA Nutzfahrzeuge (bis 27. September 2018) zu sehen, welche Rolle wird die Elektromobilität im Nutzfahrzeug-Bereich spielen und mit welchen Maßnahmen sollte die Politik unterstützen? VDA-Präsident Bernhard Mattes gibt Antworten.

Wenn man auf die Themen der IAA schaut, so sind diese ziemlich ähnlich mit denen einer Pkw-IAA. Welche besonderen Herausforderungen sieht sich die Nutzfahrzeugbranche ausgesetzt?

Bernhard Mattes: Ganz klar: Die Digitalisierung treibt die gesamte Branche voran, auch die Zulieferer und Trailerhersteller. Die Vernetzung bietet gerade im Transport- und Logistikbereich enorme Effizienzgewinne, der Kraftstoffverbrauch je transportierter Tonne sinkt – und damit auch die CO2-Emissionen. Und: Die Verkehrssicherheit wird durch die Digitalisierung weiter gesteigert. Außerdem werden die alternativen Antriebe in all ihren Varianten entwickelt und auf die Straße gebracht. All das kostet natürlich viel Geld, die Investitionen der Unternehmen dafür sind enorm – und gleichzeitig ein Zeichen für ihre Innovationskraft.

Täuscht der Eindruck, dass die Nutzfahrzeugbranche in Sachen Vernetzung und autonomes Fahren schon weiter ist als die Kollegen von den Pkw?

B. Mattes: Beide sind gut unterwegs, und die Nutzfahrzeugseite zeigt beispielhaft ihre Kompetenz auf, etwa beim Platooning. Die "truck2truck"-Kommunikation ist da schon im Praxistest – und bringt erhebliche Vorteile bei Verbrauch, Kosten und Sicherheit. Der nächste Schritt ist das markenübergreifende Platooning, das gibt die Voraussetzung, um diese kluge Innovation breit auszurollen. Gerade weil im Straßengüterverkehr mit spitzem Bleistift gerechnet wird, bieten Vernetzung und Digitalisierung enorme Chancen.

Smart Cities, Smart Logistics – schöne Begriffe für Ideen. Die Gegenwart ist eher staugeplagt. Wann werden wir denn erste ernsthafte Lösungen in der Praxis sehen?

B. Mattes: Diese IAA gibt wichtige Antworten auf Fragen der urbanen Mobilität und Logistik: Wie werden Waren künftig in immer größeren Städten effizient, klimafreundlich und termingerecht ausgeliefert? Zentral für den stetig wachsenden Online-Handel ist die "last mile", hierzu bieten die IAA-Aussteller pfiffige Lösungen an. Auf der IAA werden viele brandneue E-Transporter zu sehen sein, sie liefern die Waren mit lokaler Nullemission und leise bis an die Haustür. Das ist erst der Anfang – mit der Digitalisierung sind wir gut unterwegs zu "smart logistics".

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Welche Lösungen hat die Branche, wenn künftig nicht nur in deutschen Städten Fahrverbote für Diesel drohen? Die Grenzwerte werden ja nicht leichter erfüllbar sein.

B. Mattes: Der moderne Euro-VI-Diesel-Lkw ist nicht nur äußerst effizient im Verbrauch, sondern auch sauber. Ich gehe davon aus, dass in den kommenden Jahren der Anteil von E-Transportern deutlich zunehmen wird, da gibt es bereits deutliche Signale aus dem Markt. Die Luftqualität in den Städten war noch nie so gut wie heute – und sie wird immer besser. Ich bin davon überzeugt, dass es klügere Maßnahmen als Fahrverbote gibt, um die EU-Vorgaben einzuhalten: Grüne Welle, rasche Bestandserneuerung, Modernisierung von Busflotten und Kommunalfahrzeugen.

Erstmals plant die EU Verbrauchsgrenzwerte auch für schwere Lkw. Bislang galt: Der Verbrauch ist ein Kostenfaktor und die Branche achtet von alleine auf günstige Werte. Reicht das heute noch?

B. Mattes: Die CO2-Minderungsziele, die die EU-Kommission vorgelegt hat, sind nicht realistisch. Wir dürfen nicht vergessen, dass gerade schwere Lkw in Europa bereits echte Weltmeister im Spritsparen sind – und das ohne jegliche gesetzliche Vorgabe. Dafür sorgt der harte Wettbewerb. Bis jetzt gibt es noch nicht einmal zertifizierte Verbrauchswerte, zudem hat Europa noch keine praktische Erfahrung mit der CO2-Regulierung schwerer Lkw. Die Kommission sollte die Pkw-Ziele nicht schlicht 1:1 auf den Lkw übertragen, sondern vielmehr die Einführung von Low- und Zero-Emission-Fahrzeugen stärker fördern. Das hilft dem Klima und bringt Innovation.

Besonders in der Transportbranche hängt Wachstum von freiem Warenverkehr und offenen Grenzen ab. Beides scheint gerade etwas aus der Mode zu kommen. Wie schätzen sie die aus dieser Politik erwachsenden Risiken ein?

B. Mattes: Wachstum und Wohlstand brauchen fairen und freien Handel. Wer glaubt, sein Land mit protektionistischen Maßnahmen langfristig fit für die Zukunft machen zu können, der fährt in die Sackgasse. Wir sehen mit Sorge die Entwicklungen beim Brexit, auch die Zollbarrieren, die zwischen den USA und China errichtet werden, um nur einige Beispiele zu nennen. Wichtig ist, dass wir mit allen Beteiligten den konstruktiven Dialog führen und versuchen, mit guten Argumenten zu überzeugen. Die internationale Arbeitsteilung hat weltweit vielen Millionen Menschen gerade in den vergangenen zehn, 15 Jahren Wohlstand gebracht, das sollte nicht leichtfertig aufs Spiel gesetzt werden.

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