Auf dem Sprung

30.06.2014 12:02 Uhr

Auf dem Sprung

Wandelbarer Riese | Sechs Motoren, acht Karosserievarianten und vier Längen definieren den neuen Citroën Jumper, der zur Probefahrt bittet.

— Der dritte neue Sevel-Bruder, der Citroën Jumper, hat ein sprunghaftes Gemüt. Auf der kurzen Testfahrt von 84 Kilometern zeigte sich der unbeladene Franzose mit langem Radstand und Hochdach quicklebendig, aber nicht ohne Schwächen.

Zunächst der Einstieg: Hoch thront man am Steuer des Franzosen, der zwischen acht und 17 Kubikmeter mitführen kann. Die sehr steile Frontscheibe und der ebenso steil abfallende Armaturenträger geben dem Fahrer ein Gefühl von Höhe – ganz wie auf einem Hochstand. Mit den zweigeteilten, großen Außenspiegeln bleibt die Umgebung stets gut im Blickfeld, zumal einem die optionale Rückfahrkamera (samt Einparkhilfe für 800 Euro Aufpreis) auf dem fünf Zoll großen Touchscreen den Rücken freihält. So pirscht man vom zweitstärksten Motor angetrieben von dannen (150 PS, daneben gibt es die 110-,130- und 180-PS-Version).

Leicht zu öffnen | Das Einlegen der sechs Schaltstufen (eine Automatikversion wird es nicht geben) erfolgt ein wenig rustikal und die zahlreichen Bodenwellen auf der Überland-Passage bringen den leeren Riesen permanent zum Wippen – als ob der Hochstand im Wind stehen würde. Mit Ladung wirkt er sicherlich ruhiger. Diese wäre heckseitig schnell verpackt, denn die Türen schwenken problemlos weit aus – um 180 Grad dank versenkbarer Streben und optional um bis zu 270 Grad, dann von einer praktischen Gliederkette arretiert.

Kleinteilig | Zurück ins Cockpit, und zwar auf den Fahrersitz, der dank der wählbaren Dämpfung (bis 130 Kilogramm) freudig den Schlängelkurs durch die nun engen Kleinstadtgassen mitverfolgt. Angenehm arbeitet die Lordosenstütze dem entgegen. Zeit, den Blick kurz schweifen zu lassen. Das kleinteilige Arrangement der Schalter auf dem Armaturenbrett setzt sich im Design der Türen fort. Deren Fächer sind zwar tief, verstauen große PET-Flaschen aber nur in der Waagerechten. Zudem spart Citroën an den Türübergängen zum Armaturenträger die Seitenführungen aus, was einen Spalt zurücklässt, der etwas unfertig wirkt.

Bis zu zehn Ablageflächen klingt zunächst üppig, aber außer der Überkopfablage mit 22 Litern Stauvolumen sind diese oft zu kleinteilig. Etwas zu großzügig gibt sich indes die Lenkung. Das Lenkspiel könnte durchaus kleiner ausfallen und die Volantbewegung damit direkter. Sobald der Fronttriebler Fährte aufgenommen hat, wobei der Tempomat, der etwas tief sitzt und anfänglich ungewollt mit dem Blinker konkurriert, tadellos Hilfe leistet, zieht der Jumper zuverlässig seine Kreise. Und gibt sich durchaus genügsam auf der Autobahnpassage – bei Tempo 120 liegen 2.500 Umdrehungen an.

Euro 6 erst 2015 | Am Ende der Testfahrt sind es laut Bordcomputer exakt 10 Liter pro 100 Kilometer Verbrauch, wie gesagt im unbeladenen Zustand. Die Vokabel „neu“ geht im preissensiblen Transportersegment nur selten mit dem Versprechen nach „Euro 6“ einher. So auch bei Citroën.

Die im Autobereich etablierte SCR-Lösung soll erst ab September 2015 in die Kombi-Version wandern und im März 2016 den Transporterkäufern vorliegen. Hier zeigt sich der Jumper noch nicht auf dem Sprung.

| Rocco Swantusch

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