Das neue hohe C
Schicke Alternative | Die neue C-Klasse ist immer noch das wichtigste Modell für Mercedes. Wie behauptet sie sich gegen Audi A4 und 3er BMW?
— Mitte März hat Daimler die C-Klasse komplett neu zu den Händlern gebracht und dabei optisch und haptisch zu einer kleinen S-Klasse gemacht. Tatsächlich umfängt sie einen wie ein geschmeidiger, gut sitzender Lederhandschuh mit zwei schicken Sitznischen und einer Armaturenlandschaft, die zu den gelungensten der letzten Jahre zählen darf: Geschwindigkeit und Drehzahl werden klassisch über Rundinstrumente angezeigt, alles andere spielt sich auf dem 8,4 Zoll respektive 21,3 Zentimeter großen „Flachbildschirm“ auf der Mittelkonsole ab.
Das „Fernsehprogramm“ können Dienstwagenfahrer über Taster und Schalter, das Command-Rändel, über das Daimler jetzt ein Touchpad gelegt hat (mit Fingergesten- und Handschrifterkennung), und die Linguatronic steuern.
Für Kurzweil ist also gesorgt auf der Mittelkonsole, zumal sich hier auch die Settings für Lenkung, Federung und Schaltung einzeln variieren lassen – zwei bis fünf Varianten von komfortabel bis sportlich stehen zur Wahl, wobei die C-Klasse selbst im AMG-Dress nie zum ganz harten Hund wird, der plötzlich alle Muskeln anspannt und verhärtet.
Selbst im Modus Sport+ bleibt noch ein Restkomfort erhalten. Allerdings reagiert das Fahrwerk eher lustlos-plump auf plötzliche Straßenunebenheiten und die 7G-Tronic verweigert das Hochschalten so lang als irgendmöglich, um die C-Klasse immer „angriffsbereit“ zu halten. Das Gegenteil ist beim Eco-Modus der Fall, wo die 7G-Tronic die Gänge so schnell wie möglich nach oben durchstuft, um immer ein möglichst niedriges Drehzahlniveau zu halten. Am harmonischsten federt und schaltet die C-Klasse also erwartungsgemäß im „Komfort“- und „einfachen Sport-Modus“.
Euro-6-konform | Zum Marktstart gibt es zwei Benziner (C 180, C 200) und den Diesel C 220 BlueTec. Im Herbst kommen noch zwei weitere kleine Diesel (C 180 BlueTec, C 200 BlueTec) dazu, unter deren Haube 1,6-Liter-Renault-dci-Motoren arbeiten. Außerdem ist noch ein C 250 BlueTec mit 204 PS angekündigt. Auf Benzinerseite ergänzen der C 250 und der C 400 im Herbst das Portfolio. Alle Motoren erfüllen Euro 6 und verfügen über ein Start-Stopp-System.
Die 1,6- und 2,1-Liter-Vierzylinder-Diesel werden die Hauptrolle spielen. Der C 200 BlueTec stellt 136 PS (300 Nm) bereit – auch wenn er zum Marktstart noch nicht zu haben sein wird, stand er für eine erste Probefahrt bereit: Zwar konnte die in allen Dimensionen gewachsene C-Klasse um bis zu 100 Kilo abspecken, trotzdem wollen je nach Ausstattung immer noch um die 1.500 Kilo Leergewicht bewegt werden – entsprechend sanft beschleunigt der Daimler-intern OM 626 genannte Diesel die C-Klasse.
Sanft bleibt aber auch das Verbrennungsgeräusch und sobald der Lader erstmal genug Druck aufgebaut hat, kann man den 200er flott bewegen – wer ständig Vortrieb braucht, muss ein höheres Drehzahlniveau bemühen, was aber auch den Verbrauch treibt. Der soll wegen der extrem günstigen Aerodynamik gegenüber dem Vorgänger um bis zu zwanzig Prozent gesunken sein – in der Realität kann man den C 200 BlueTec mit entspanntem Gasfuß schnell unter die Sechs-Liter-Marke bekommen und selbst im heftigsten innerstädtischen Stop-and-go-Alltag sollte noch eine Sieben vor dem Komma realisierbar sein.
Klare Empfehlung | Dass Daimlers eigener OM 651 – der C 220 BlueTec – praktisch nicht mehr verbraucht, unterstreicht einmal mehr dessen schwäbische Sparkompetenz. Mit 2,1 Liter Hubraum, 170 PS und 400 Newtonmetern stellt er in jeder Lebenslage fühlbar mehr Punch zur Verfügung und bietet damit viel mehr Kraft, als es der Zahlensprung am Kofferraumdeckel vermuten lässt. Das Verbrennungsgeräusch fällt etwas härter aus – der C 220 BlueTec ist immer vernehmlich am „Knuspern“ und verleugnet sein Selbstzündertum nie.
Kleiner fällt dann der Sprung zum C 250 BlueTec aus, der mit 204 PS und 500 Newtonmeter noch mal ordentlich Kraft und Leistung draufpackt, was sich im Alltag aber kaum herausfahren lässt. Allenfalls auf schnellen Autobahnpassagen oder fordernden Landstraßen kann der 250er seine Souveränität voll ausspielen: Innerorts geht der 220er im Vergleich dazu schon zu gut, zumal auch bei ihm die 7G-Tronic-Wandlerautomatik fast schon als Pflicht gilt (Aufpreis: 2.100 Euro). Basis ist ein exakt schaltbares, eigenentwickeltes Sechsganggetriebe. Auch die Basisbenziner C 180 (1,6 Liter, 156 PS) und C 200 (2,0 Liter, 184 PS) verfügen über die Sechsgangbox.
Sicherer | Nachgeschärft wurde bei den Assistenzsystemen, Stichwort teilautonomes Fahren. Das Fahrassistenzpaket plus (2.100 Euro), das leider an die 7G-Tronic gebunden ist, enthält alles, was die Arbeit erleichtert und Unfälle vermeiden oder abmildern soll (u. a. Abstandhalter Distronic plus samt Lenkassistent und Stop&go-Pilot, Pre-Safe-Plus mit Pre-Safe-Bremse, Totwinkel-, Bremsassistent Plus samt Kreuzungs-Assistent).
Der Radstand, der sich mit 2,84 Metern länger als bei der der Vorvorgängergeneration der aktuellen E-Klasse erstreckt, sorgt für ordentlichen, wenn auch nicht üppigen Beinraum im Fond, während die Kopffreiheit dort für Fahrgäste ab 1,90 Meter Körpergröße etwas zu zwicken beginnt.
Leider lassen sich wegen der rundlichen Formen weder Front noch Heck gut einschätzen. Dafür hält Daimler ein 360-Grad-Kamerasystem mit Parkpaket (1.350 Euro) bereit. Oberklasseflair verströmen auch die zahlreichen Ausstattungspakete (man kann jetzt Avantgarde-Exterieur mit Exklusive- Interieur kombinieren und umgekehrt) und edle Materialien. Auch auf Details wie die leicht zu bedienenden runden Lüftungsausströmer legte Daimler größten Wert.
Die geschlossene Optik spart natürlich prinzipbedingt mit großen Ablagen, aber es gibt ein Brillenfach am Dachhimmel und zwei Getränkehalter vor dem Schalthebel. Der große Handschuhfachdeckel gibt ein etwas kleineres Fach frei, in das DIN-A4-Formate gerade so hineinpassen. Die Türen bieten einen großen Öffnungswinkel, wenngleich die Feststeller etwas stärker eingreifen dürften: Die Portale fallen relativ leicht wieder zu.
Dass Daimler den Tank auf nun 41 Liter geschrumpft hat, mag nicht jedem passen. Optional kann man gegen 50 Euro Aufpreis einen 66-Liter-Dieseltank ordern, der die Reichweite je nach Fahrweise auf weit über 1.000 Kilometer erhöht, was im Umkehrschluss zeigt, wie weit man auch mit den 41 Litern schon kommt. Die optionale Standheizung macht den 66-Liter Tank ohnehin zur Pflicht. Gegen weitere 50 Euro lässt sich auch ein größerer SCR-Tank ordern.
Extras | Die aktiv schließende Kühlerverkleidung für die Exklusive-Version mit dem Stern auf dem Grill sieht auch geschlossen gut aus und spart Sprit, kostet aber weitere 100 Euro und fordert einen Verzicht auf die Distronic Plus. Weitere 335 Euro würden für das Air-Balance-Paket fällig, das die Luft ionisiert, besser filtert und beduften kann.
Außerdem kann die C-Klasse via Navisystem Tunnel erkennen und automatisch auf Umluft schalten, was tatsächlich extrem angenehm ist, wie wir in einem langen französischen Innenstadttunnel erfahren durften: Eine kurzes Öffnen des Fensters im Tunnel genügte, um die Wirksamkeit dieser Lösung zu beweisen.
Fazit | Die Preise starten bei 28.200 Euro für den C-180-Basisbenziner, der aber noch mit den baumarktähnlichen Radabdeckungen und H7-Scheinwerfern daherkommt und auch im Interieur etwas simpler wirkt. Man sollte sich also ein bisschen was gönnen: Aluräder und -einleger oder gar Echtholzblenden und Leder sorgen ganz schnell dafür, dass der 3er BMW plötzlich etwas billig und der Audi A4 etwas angestaubt aussieht. | Gregor Soller
C 180 ab 28.200 Euro R4/1.595 cm3 | 115 kW/156 PS | 250 Nm/1.200 U/min 6-Gang | 8,2 s | 225 km/h | 5,0 S | 116 g/km
C 200 ab 30.600 Euro R4/1.991 cm3 | 135 kW/184 PS | 300 Nm/1.200 U/min 6-Gang | 7,5 s | 237 km/h | 5,3 S | 123 g/km
C 250 k.A. R4/1.991 cm3 | 155 kW/211 PS | 350 Nm/1.200 U/min 7G-Tronic Plus | 6,6 s | 250 km/h | 5,3 S | 123 g/km
C 220 BlueTec ab 32.500 Euro R4/2.143 cm3 | 125 kW/170 PS | 400 Nm/1.400 U/min 6-Gang | 7,7 s | 234 km/h | 4,0 D | 103 g/km
C 250 BlueTec k.A. R4/2.143 cm3 | 150 kW/204 PS | 500 Nm/1.600 U/min 7G-Tronic Plus | 6,6 s | 247 km/h | 4,3 D | 109 g/km
4.686 x 1.810 x 1.442 mm | 480 Liter
Wartung: alle 25.000 km oder jährlich
Ausstattungen: Basis | Avantgarde | Exclusive | AMG Line
Ausblick | Allrad, Hybrid, T-Modell
– Mercedes bietet auch die neue C-Klasse ab September wieder mit Allradantrieb an. Die „4Matic“ gibt es zunächst für C 220 BlueTec und C 250 BlueTec. Die Preise dürften bei knapp 36.600 sowie 38.700 Euro starten. Das entspricht einem Aufpreis von gut 850 Euro gegenüber den Modellen des Vorgängers. Den Preisanstieg verursacht u. a. die neue Abgasreinigungstechnik, dank der Euro 6 erfüllt wird. Zudem stellen die Stuttgarter neben dem T-Modell eine Diesel-Hybrid-Variante für den Herbst in Aussicht: Der C 300 BlueTec Hybrid soll nur 94 Gramm CO2 emittieren. Auf den Hybriden folgt dann noch eine C-Klasse mit Plug-in-Hybrid. Auch ein Flottenpaket haben die Stuttgarter für den Mittelklässler (C 180/C 200/C 220 BlueTec) geschnürt.