PR-Panne im Krieg: US-Basen heißen "Exxon" und "Shell"

28.03.2003 13:54 Uhr

US-Militär benennt Camps nach Ölkonzernen

Mit Fingerspitzengefühl wird kein Krieg geführt, das ist nicht erst seit den vergangenen Bombennächten in Bagdad offensichtlich. Doch ein wenig mehr Gespür für Namensfindung hätte man selbst US-Marines und britischen Ledernacken zugetraut. Statt dessen hatten die ansonsten recht öffentlichkeitsscheuen Militärs offenbar keinerlei Hemmungen, der neugierigen Journaille ihre Absicht aufs Auge zu drücken: "Exxon" und "Shell" nannte die 101st Airborne Division kurzerhand nach Einmarsch ins Feindesland zwei ihrer Armee-Camps. Heimatgefühle in irakischem Wüstensand kommen auf. Wie die New York Times berichtet, versucht das Pentagon die Sache naturgemäß klein zu halten: "Diese Stützpunkte sind normalerweise zur Versorgung mit Treibstoff da – Tankstellen in der Wüste sozusagen", äußerte sich eine Sprecherin gegenüber dem Blatt, "und ich weiß nicht, ob wir jedem eine Vortrag darüber halten sollen, wie er seine Tankstellen benennt". Auf Anfrage erhält AUTOFLOTTE Online ähnliche Aussagen: Man habe erst durch den Artikel über die ganze Sache erfahren, so Gabriele Radke, Sprecherin von Exxon-Deutschland, "und außerdem haben wir als großes Unternehmen keine Einfluss auf die US-Regierung". Kreativität ist prima Nähere Auskünfte seien wenn, dann überhaupt über den direkten Kontakt zur Administration in Washington zu erhalten, rät man uns. Stimmt – schließlich ist und war die Öl- und Energiebranche eine der größten Wahlkampfspender der Bush-Administration. Doch wir verzichten und lauschen erstaunt den Worten des Exxon-Gesamtkonzernsprechers Tom Cirigliano, der sich ob der unerwarteten Ehrung durch das US-Militär ohnehin eher enthusiastisch denn pikiert zeigt: "Ich glaube, die 101st war recht kreativ und benennt Sachen nach Dingen, die sie an die Heimat erinnern", zitiert ihn das US-amerikanische Blatt. Er finde das prima. Die Royal Dutch Shell geht dabei etwas behutsamer vor, indem sie erstmal gar nichts sagt und von der zweifelhaften Namensgebung bisher nicht erfahren haben will. Wie dem auch sei: Eine Richtigstellung in Form einer öffentlichen Distanzierung täte not. Statt achselzuckender Wir-können-doch-eh-nichts-dagegen-ausrichten- Attitüde lohnt gerade in Zeiten, in denen das Militär den Alltag bestimmt, ein wenig Gegenwind. Das wär' schon was. (tc)

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