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Schnell, teuer, gut

Mercedes-Benz modernisiert den Dauerbrenner E-Klasse. Die Überarbeitung nach etwa der Hälfte der Zeit ist beim Kombi weniger sicht- dafür umso eher spürbar. Doch nicht alles fühlt sich gut an.


Datum:
01.10.2020
Autor:
mb
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Die Ära der E-Klasse fängt Mitte 1993 an, als der 124er (das Taxi) eine neue Nomenklatur erhielt. Millionenfach verkaufte sich auch dieser bereits als Kombi, Pardon: T-Modell. Auf knapp 4,77 Metern Länge passte einfach verdammt viel in den grundsoliden Benz. Taxler fuhren Diesel mit vier, fünf und gar sechs Zylindern. Die Businesskunden wählten vornehmlich sechs Zylinder in Reihe, die nach dem Ottoprinzip arbeiteten. Bis zu 320 PS machten ihn schnell, aber nicht zum Säufer. Bei der Leistung war der 500er mit den dicken Backen unter der Haube. Mehr Understatement gab es beim 400E, E400, E420 - ebenfalls mit acht Zylindern, der tatächlich drei Bezeichnungen für denselben Motor bekam.

Ab 1995 "empörte" das Vieraugengesicht (W210) die Vielfahrerfraktion, besonders gefragt in der sportlichen Avantgarde-Ausstattungslinie mit dunklem Vogelaugenahorn-Holz, schwarzen Kühlergrill-Lamellen und Xenonlicht. Bose Sound- und Navigationssystem standen bereits in der Extraliste. ESP kam 1999 in Serie. Darauf folgte 2002 der W211, anfangs mit der unsäglichen SBC-Bremse und 2009 der W212.

Synonym der oberen Mittelklasse

Die E-Klasse ist ein Synonym für das gehobene Mittelklasse-Segment. Es gibt fast nichts, was es nicht gibt. 2016 kam das aktuelle Modell, das jetzt modernisiert wurde. Avantgarde lautet fortan die Basis, der Stern auf der Haube fehlt. Darüber rangieren AMG-Line (ohne Stern) und Exclusive (mit Stern). Wer weiter aufstocken möchte, ist bei Mercedes herzlich willkommen. Bei 160 PS dieselt es los - den W124 gab es mit 72 PS - bei 612 AMG-PS ist Schluss. 612 PS!

Unser Tipp für User Chooser und Fuhrparkleitende: E300 de. Mit 306 PS immer noch sauschnell, soll er Brücken bauen. Die Brücke für Elektro-Schnüffler, die sich noch nicht trauen. Und die Brücke zu den Fuhrparkverantwortlichen, die keine Lust auf horrende Unterhaltskosten aufgrund überbordender Spritverbräuche der Benzin-Hybride haben; die Brücke, bis eventuell beim nächsten Modell komplett auf Elektromobilität umgeschwenkt wird. Der Staat macht es den Dienstwagenfahrenden einfach.

Steuerbonus greift

Die 0,5-Prozent-Versteuerung zieht fast immer. Da im Falle des Strom-nicht-Nutzens beim "de" Diesel in einem Zweiliter-Selbstzünder verbrannt wird, halten sich die Kraftstoffkosten im Rahmen. Mercedes geht hier einen Sonderweg. Denn wer lieber einen Benzin-Hybrid fährt, bekommt auch diesen als Plug-in mit ebenfalls 300-plus-PS. Keine schlechte Wahl. Denn der Antrieb ist extrem kräftig (194-Diesel-PS plus 122 elektrische), trotz vier Zylindern leise (vor allem mit Akustikglas) und vermeintlich auch auf der Langstrecke einigermaßen sparsam. Klar ist: Wer den Akku nach rund 40 Kilometern leergefahren hat, verbraucht mehr als mit einem reinen Diesel. Preislich stünde der E400 d mit samtigem Reihensechszylinder in der Warteschlange, allerdings ohne Versteuerungsbonus - somit purer Luxus.

Schenkt man dem "Spritmonitor" Glauben, einer Community, die ihre erfahrenen Kraftstoffverbräuche monitort, ist zwischen 2,3 und 8,2 Liter alles möglich. Im Schnitt sind es dort 5,3 Liter pro 100 km.

Die Kraft stellt der E300 de bereits von tief unten bereit, weshalb der Allradantrieb (plus 2.300 Euro) als sinnvoll erscheint. Die Neungang-Automatik schaltet stets unmerklich und legt bei 100 km/h die letzte Fahrstufe ein, was im Verbrennermodus für eine Motordrehzahl von gut 1.000 Touren führt. Wer sich nun in die geschmeidigen Ledersessel, die den Körper auf Wunsch aktiv gegen die Fliehkraft in Kurven abstützen, reingleiten lässt, fühlt sich wie in einer S-Klasse. Viel Unterschied gibt es vorne nicht. Auch die sicht- und spürbare Verarbeitungs- und Materialqualität sind über jeden Zweifel erhaben.

Bedienung mit Fragezeichen

Da wollen die beiden Widescreens - wie Daimler die diagonal mindestens 26 Zentimeter messenden Display nennt - nicht zurückstecken. Und wer möchte, wählt die nochmals "wideren" Widescreens. Dann ist - vor allem nachts - Disko angesagt. Glücklicherweise gibt es vier Anzeige-Grundeinstellungen: modern classic, sport und progressive heißen die "lauten". Dezent ist die vierte im Bunde und folgt dem Namen - reduziert und wenig irritierend. Denn ansonsten ist im Display immer etwas los und verleitet zum längeren Blicken oder Suchen.

Mit der Bedienung muss man sich sowieso anfreunden. Oder man belässt es bei der Werkseinstellung. Sich in den Menüs zurechtzufinden, erfordert in jedem Fall Geduld. Und während der Fahrt sollte man tunlichst vermeiden, irgendwas über die redundanten Eingabemöglichkeiten erledigen zu wollen. Zum Glück hat die E-Klasse die neueste Ausbaustufe von MBUX, so der Name des Infotainmentsystems, an Bord. "Hey, Mercedes" weckt die künstliche Intelligenz auf. Und diese stellt auf Ansage ziemlich viel ein, auch eine Hot-Stone-Massage, selbst wenn sie nicht verlangt wurde. Dass das alles länger dauert als mit einer Taste, liegt auf der Hand. Immerhin merkt sie sich, dass man um 8 Uhr am Montagmorgen meist den Nachrichtensender hört und um 8:15 Uhr den Kontrollanruf im Büro macht - das erledigt sie automatisch. Freundlicherweise gibt es ein paar Shortcuts zum Telefon, Navi und beispielsweise Radio sowie Temperatur. Auch eine Favoritentaste, auf der alles Mögliche abgelegt werden kann, ist vorhanden. Nur für den Fall, man ist zu alt für den zuvor genannten Firlefanz.

Wem das alles zu anstrengend ist, der kann einen Power-Nap machen und wird beim Kurzschlafen unterstützt - während des Aufladens beispielsweise, das zwischen 1,5 bis 5 Stunden dauert. Zum Aufwachen können sich Nutzer einer bestimmten Fitness-Uhr freuen, dass der Daimler die Fahrzeugstimmung an die eigene anpasst. Denn die Uhr sagt dem Auto, wie man sich fühlt. Wollen das Kunden wirklich?

Wir freuen uns eher über den soliden Fahrkomfort des Luftfederfahrwerks (Serie), den Platz auf der Rückbank, auf der nicht nur Kinder gerne durchs Panoramadach (Extra) ins Freie schauen und das gediegene Ambiente. Über den riesigen Kofferraum können wir uns nicht mehr freuen. Denn dieser schrumpft bei den Plug-in-Hybriden von 640 auf 480 Liter. Damit ist zumindest eine Domäne des 4,95 Meter langen T-Modells gestorben. Ach ja, wenn wir gerade am Meckern sind: Wer jetzt bestellt, bekommt den Plug-in-Hybrid wohl frühestens Anfang nächsten Jahres. Letzteres erfuhren wir aus Händlerkreisen. Und ums Außer-Haus-Laden müssen sich viele selbst kümmern - auch kein Spaß. Wie der Preis, der schnell bei 70.000 Euro landet. Zum Glück wird nur die Hälfte vesteuert.

Mercedes-Benz E300 de 4matic T-Modell

Preis ab: 51.970 EuroR4/1.950 | 225 kW/306 PS | 700 Nm | 6 s | 230 km/h | Reichweite: 45 km (WLTP) | Kapazität: 13,5 kWhLadezeit: Steckdose: ca. 5 StundenVerbrauch: 1,7 l S + 13,5 kWh (erste 100 km) | 44 g/km 4.945 x 1.852 x 1.482 mm | 480 - 1.660 lHK: 18 | TK: 24 | VK: 25Wartung: jährlich/25.000 kmGarantie: 2 JahreAlle Preise netto zzgl. Umsatzsteuer

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