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BMW-Flottenchef Janssen-Timmen

"Deutlich gestiegene Nachfrage"

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Janssen-Timmen: "Mini ist ein Top-Angebot für Kunden, die die Fahrzeuge stark zur Mitarbeitermotivation nutzen."
© BMW

Andre Janssen-Timmen, neuer Flottenchef von BMW und Mini in Deutschland, möchte die Marke Mini verstärkt im Flottensegment etablieren und blickt optimistisch in die Elektro-Zukunft.

_ Herr Janssen-Timmen, seit April sind Sie verantwortlich für das Flottengeschäft für die Marken BMW und Mini in Deutschland. Was sind Ihre Ziele in der nächsten Zeit?

Andre Janssen-Timmen: Wenn ich mit der Marke Mini beginnen darf: Hier geht es weiterhin darum, die Marke im Segment zu etablieren. Mini soll natürlich auch im Großkundensegment keine Massenmarke werden. Aber Mini ist aus unserer Sicht ein Top-Angebot für Kunden, die die Fahrzeuge stark zur Mitarbeitermotivation nutzen. Mit einem Mini fällt man auf, und das passt auf positive Art und Weise sehr gut zum einen oder anderen Kunden. So wollen wir die Marke Mini auch im Flottenmarkt weiter ausbauen.

_ Wie erfolgreich sind Sie damit aktuell?

A. Janssen-Timmen: Wir kommen derzeit einen großen Schritt voran. Nach einer ruhigeren Phase wachsen die Auftragseingänge. Das hat natürlich stark mit dem neuen Clubman zu tun. Mit seinem neuen Fahrzeugkonzept als Kompaktauto eröffnet er uns völlig neue Märkte. Um das Auto bekannter zu machen, haben wir für den Clubman auch eine Initiative mit einem Schnupperangebot gestartet. Wir wollen deutlich darstellen, dass der Clubman jetzt eben doch in die Car Policies vieler Unternehmen passt.

_ Wen sprechen Sie mit Mini konkret an?

A. Janssen-Timmen: Entsprechend der Mini-Markenidentität sprechen wir vor allem kreative Zielgruppen an. Ein bisschen unkonventionellere Unternehmen, die vielleicht auch in Sachen Auto ein Stück wegmöchten vom Mainstream. Start-ups im urbanen Umfeld zum Beispiel. Da ist Mini ein tolles Angebot. Aber natürlich gilt auch hier: Das Paket muss stimmen.

_ Spielt auch der Countryman, der ja bald neu an den Start geht, eine Rolle für Sie?

A. Janssen-Timmen: Der Countryman hat tatsächlich aufgrund seiner Funktionalität einen wichtigen Anteil im Großkundengeschäft. Er ist neben dem neuen Clubman das Flottenauto für uns. Wann der Nachfolger kommt, möchten wir zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen. Nur so viel: Es wird einen neuen Countryman geben.

_ Mit rund acht Prozent plus hat sich Mini im ersten Halbjahr 2016 aber unter Markt entwickelt. Woran liegt das?

A. Janssen-Timmen: Das ist richtig. Aber wir sehen ja unsere Auftragseingänge und gehen daher stark davon aus, dass wir dieses Wachstum in nächster Zeit deutlich erhöhen.

_ Das Plus der Marke BMW lag mit über 13 Prozent, nach einer Schwächephase im letzten Jahr, aktuell deutlich über Markt. Wie kam es zu der Trendwende?

A. Janssen-Timmen: Das hat viel mit den Produkten zu tun. Neue BMW-Modelle wie der X1 oder der 2er Active Tourer oder Gran Tourer runden unsere Palette in den extrem wichtigen unteren Fahrzeugsegmenten erfolgreich ab. Parallel läuft der 3er in diesem Jahr mehr als gut, und mit dem neuen 7er verkaufen wir mehr Fahrzeuge als die beiden deutschen Wettbewerber es mit den Wettbewerbsprodukten zusammen tun.

_ Im Juli haben Sie in China eine 1er Limousine vorgestellt. Hätte der viertürige 1er auch Chancen in Europa?

A. Janssen-Timmen: Nein. Die 1er Limousine ist ein Auto ausschließlich für den chinesischen Markt.

_ Definitiv relevant für Sie wird aber gegen Ende des Jahres der neue 5er. Was kann er und wann kommt er zu den Kunden?

A. Janssen-Timmen: Da möchten wir Ihnen antworten wie beim Mini Countryman: Es wird definitiv einen neuen BMW 5er geben. Und auf den können sich unsere Kunden wirklich freuen. Schließlich gilt es für den neuen 5er, einen absoluten Spitzenrang zu verteidigen.

_ Kommen wir zur Marke BMW i: Hat sich die Kundennachfrage nach Einführung der E-Auto-Prämie erhöht?

A. Janssen-Timmen: Ja, absolut. Seit der Entscheidung der Bundesregierung für die Förderung der Elektromobilität mittels Kaufunterstützung spüren wir im Handel signifikant mehr Interesse vor allem am BMW i3. Und wenn wir uns anschauen, für welche Modelle Förderanträge gestellt wurden, dann sind wir klar die Nummer eins.

_ Insgesamt hält sich das Interesse an der Förderung derzeit aber doch in Grenzen ...

A. Janssen-Timmen: Ja, aber Sie müssen die Förderung ja nicht bereits bei der Bestellung beantragen. Hier spielt also auch der Faktor Zeitverzögerung eine Rolle. Wir können aber sagen, dass sich der Auftragsbestand des BMW i3 in Deutschland seit Einführung der Prämie verdoppelt hat. Natürlich haben wir als Industrie noch lange nicht die 100.000en von Autos erreicht. Aber da wollen wir, die Industrie und das ganze Land, hin.

_ Sie profitieren aber auch mit Ihren Plugin-Hybriden von der Prämie ...

A. Janssen-Timmen: Richtig. Vor allem der 225xe Active Tourer besitzt eine große Anziehungskraft im Flottenmarkt. Aber generell sind wir mittlerweile in jedem Segment mit einem Plug-in-Hybrid vertreten. Und auch da sehen wir nach Einführung der E-Auto-Prämie eine deutlich gestiegene Nachfrage. Voraussetzung für einen nachhaltigen Erfolg in der Flotte ist aber natürlich, dass die Kunden entsprechende Regelungen in ihre Car Policies übernehmen beziehungsweise die Car Policies überhaupt für Elektroautos oder Plug-in-Hybride öffnen. Aber ich bin da optimistisch: Ich denke, dass wir in zwei Jahren von ganz anderen Zahlen reden als heute.

_ Wir sind uns aber einig, dass für Vielfahrer der Diesel erste Wahl bleibt?

A. Janssen-Timmen: Natürlich, die Sinnhaftigkeit des Plug-in-Hybrids oder des Elektroautos ergibt sich immer aus dem Einsatzzweck. Und wer viel auf Strecke fährt, für den sind die extrem effizienten Diesel oder mittlerweile auch Benziner weiterhin die erste Wahl.

_ Die Brennstoffzelle ist weiter ein Thema?

A. Janssen-Timmen: Wir arbeiten an allen Technologien. Zusammen mit unserem Partner Toyota auch am Thema Brennstoffzelle.

_ Kommen wir zum Diesel. Spüren Sie Auswirkungen der inzwischen ja branchenweiten Abgas-Affäre? BMW selbst hatte in Tests ja vergleichsweise gut abgeschnitten.

A. Janssen-Timmen: Für uns ist eines wichtig zu sagen: Wir sind mit unserer Dieseltechnologie sauber. Wir haben ja auch bereits während der IAA 2015 gesagt: Bei BMW wird nicht manipuliert. Und das haben eine Vielzahl von Tests und Kontrollen immer wieder bestätigt. Von daher hat sich auch der Anteil der Diesel-Modelle an unseren Verkäufen über die Modellreihen hinweg überhaupt nicht verringert.

_ Mit Intel und Mobileye wollen Sie in fünf Jahren ein komplett autonomes Auto auf den Markt bringen ...

A. Janssen-Timmen: Richtig. Generell schaut die BMW Group immer in die Zukunft. Das sehen Sie an Themen wie den Angeboten unter dem Dach BMW Connected Drive, aber eben auch an unseren Plänen zum autonomen Fahren. Wir haben ja bereits auf unserer Bilanzpressekonferenz bekannt gegeben, dass wir Anfang des nächsten Jahrzehnts im Rahmen der dann gültigen Gesetzgebung ein voll autonomes, voll vernetztes und voll elektrisches Fahrzeug auf den Markt bringen wollen. Dafür sind Intel und Mobileye entscheidende Technologie-Partner.

_ Wirft Sie die Diskussion um den Tesla- Autopiloten in diesem Ziel zurück?

A. Janssen-Timmen: In der Außenwahrnehmung hat das Thema autonomes Fahren möglicherweise erst einmal einen Dämpfer bekommen. Ob dieser Dämpfer langfristige Folgen haben wird? Um das zu beurteilen, ist es sicherlich noch zu früh. Unabhängig davon ist das autonome Fahren aber eine Schlüsseltechnologie der Zukunft, und deshalb besetzen wir dieses Feld natürlich.

_ Sind die Kunden aus Ihrer Sicht denn überhaupt bereit für derartige Technologien?

A. Janssen-Timmen: Ich glaube nicht, dass die Kunden immer und überall autonom fahren wollen. Das muss natürlich trotzdem funktionieren, aber in der Praxis wird autonomes Fahren vor allem dann nutzenstiftend, wenn der Fahrer die Zeit sinnvoller nutzen kann. Bestes Beispiel ist der Stau, aber auch das Parken kann ich mehr sehr gut autonom vorstellen. In Zukunft geben Sie das Auto vielleicht nur noch an der Einfahrt des Parkhauses ab, es sucht sich eigenständig einen Parkplatz und holt Sie auf Anforderung selbstständig dort ab, wo Sie das Auto gerade benötigen. Natürlich kann ich mir gerade mit Blick auf Geschäftsreisende vorstellen, dass das Auto auch längere Strecken vollautonom zurücklegt. Aber das werden nicht die Haupteinsatzzwecke der Technologie sein. Gerade für BMW als Marke der Fahrfreude ist es ja wichtig, Komfort und ebendiese Fahrfreude sorgfältig auszubalancieren. Kurz gesagt: Das Auto soll den Fahrer da unterstützen, wo er Unterstützung braucht. So legen wir ja auch unsere Assistenzsysteme aus. So ist die Frage beim Bremsassistenten: Soll das Auto in den Stillstand bremsen oder nur die Schrecksekunde überbrücken? BMW wird sich hier immer für die fahraktivere Variante entscheiden.

_ Herr Janssen-Timmen, herzlichen Dank für das Gespräch.

Interview: cfm

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