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Fahrbericht Nissan X-Trail 20dCi

Japanisch-französische Freundschaft

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Nissan bringt Anfang 2017 den X-Trail mit neuem Zweiliter-Dieselmotor.
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Nissan erweitert das Motorenangebot des hierzulande durchaus häufig gesehenen X-Trails um einen Zweiliter-Diesel. Damit bekommt Allrounder endlich auch einen angemessenen Antriebsstrang für drehmomentaffine Kunden.

Von Patrick Broich/SP-X 

Nissan hört auf seine Kunden, denn deutlich über 50 Prozent der Kunden wollten den X-Trail als Automatik mit Allrad und Diesel. Und genau das bieten die Japaner jetzt mit dem neuen 130 kW / 177 PS starken Triebwerk. Mindestens 30.663 Euro ohne Mehrwertsteuer werden für diese Option fällig, während der Spritverbrauch mit rund sechs Litern noch immer moderat ausfallen soll. Freilich verweigert der Hersteller den neuen Zweiliter auch den Schaltfans nicht – dann hat man rund 1.680 Euro netto gespart. Der jetzt im X-Trail werkelnde Vierzylinder ist übrigens ein Renault-Gewächs. Und zwar handelt es sich um jenes Aggregat, das in den letzten Jahren bereits diverse Modelle des französischen Konzerns angetrieben hat, aber jetzt haben die Entwickler den Selbstzünder überarbeitet – 20 Prozent der Teile sind neu. Es dürfte vor allem darum gegangen sein, das Kraftpaket fit für die Euro 6-Abgashürde zu machen.

Zeit für eine erste Proberunde. Nach Betätigung des Startknopfes wird schnell klar: Der Vierzylinder ist ein rustikaler Geselle und denkt gar nicht erst daran, sein Dieseldasein akustisch zu vertuschen. Fast schon ein erfrischender Gegenpol zum glattgeschliffenen Design moderner SUV, wie es auch der X-Trail einer ist. Aber bleiben wir zunächst beim Motor. Der 380 Nm-Brocken hat mit dem 1,7-Tonner leichtes Spiel, zumindest nach Überwindung seiner Anfahrschwäche.

So kann es passieren, den Schalter ungewollt abzuwürgen. An Steigungen rollt er zudem gerne auch mal zurück. Hier könnten die Techniker noch etwas Arbeit in die Berganfahr-Kontrolle stecken. Der Aufpreis für die Automatik ist also gut angelegt. Das stufenlose Getriebe macht einen wirklich angenehmen Eindruck – der Anfahrkomfort überzeugt, die Übersetzungsübergänge sind naturgemäß butterweich, und der gefürchtete Gummiband-Effekt bleibt aus, da die Ingenieure Stufen simulieren. Jetzt kann man den Zweiliter richtig genießen, der zwar beim Durchbeschleunigen eine halbe Sekunde später Landstraßentempo erreichen soll als die Ausgabe mit mechanischem Getriebe, aber das ist in der Praxis unerheblich. Zumal der X-Trail ohnehin kein ausgewiesener Sprinter ist.

Enormes Ladevolumen

Schön dagegen, dass der erstarkte Kraxler bereits auf leichten Gaspedaldruck aus dem Drehzahlkeller heraus füllig an Tempo zunimmt und somit zu den Elastizitäts-Profis gehört. Darüber hinaus gehört er auch noch zu den Nutzwertprofis, bietet Raum in Hülle und Fülle. Bei umgeklappten Sitzen passen fast 2.000 Liter in den Kofferraum – welche Autos halten schon derartig viel Ladevolumen bereit? Und auch an die menschliche Fracht wurde gedacht beispielsweise mit einer verschiebbaren Rücksitzbank. So muss man in der zweiten Reihe nun wirklich keine Not leiden und kann die Beine (auch längere Ausführungen davon) genüsslich ausstrecken. Nur die Passagiere in der mindestens 500 Euro dritten Sitzreihe würden wohl nicht unbedingt freiwillig auf Langstrecke gehen, aber das ist ja ganz normal. Bei der Allradkompetenz ist der X-Trail logischerweise nur ein Semiprofi und verzichtet aus gegebenem Anlass auf eine Reduktion – in der Praxis fährt eben fast niemand in unwegsames Gefilde. Per Drehschalter kann man die Kraftverteilung fixieren, und dass der Nissan auch in puncto Achsverschränkung recht ordentlich abschneidet, zeigen die Experten bei der Vorstellung auf einer präparierten Geröllpiste.

Bleibt der Blick in den Innenraum. Hier gibt es sachliche Hausmannskost statt Sterne-Menü. Die Architektur ist aber sauber verarbeitet, und manch einer wird sich freuen, dass er die Sitzheizung einfach per Tastendruck über einen altmodischen Kippschalter aktiviert statt fünf Minuten im Menü des Touchscreens herumzuirren. Dennoch bietet der Nissan auch einen Touchscreen. Mit einem sehr überzeugenden Navigationssystem noch dazu, das Zieleingaben schnell verarbeitet und präzise führt. Für die Infotainment-Befriedigung müssen der Bildschirm in der Mittelkonsole sowie ein kleines TFT-Feld zwischen den klassischen Rundskalen im Kombiinstrument reichen, da ist der X-Trail konservativ gestrickt. Progressive Einstellung dagegen bei der Sicherheit – autonomes Bremssystem, Spurhalte-Warner und Verkehrszeichenerkennung zählen sogar bei der Basis zu den Selbstverständlichkeiten. Dafür ist ein integriertes Navi hier überhaupt nicht lieferbar und selbst in der etwas höherwertigen Linie "Acenta" mit 1.380 Euro recht teuer. Immerhin sind dann Bluetooth-Freisprechanlage und Rückfahrkamera inklusive. Im Gesamtpaket ist der X-Trail aber ein fair eingepreistes Fahrzeug und bietet vor allem viel Nutzwert und ansehnlichen Komfort für sein Geld. Der kräftige Zweiliter-Diesel ist definitiv eine Bereicherung für das Modell.

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