„Premium ist keine Frage der Größe“
Ereignisreiches Jahr | Frank Kemmerer, Leiter Flottenmanagement Mercedes-Benz Pkw & smart, freut sich auf das kommende Jahr 2013. Im Interview mit der Autoflotte erklärt er, woher seine Vorfreude kommt.
— Herr Kemmerer, lassen Sie uns zunächst auf das Jahr 2012 zurückblicken. Wie beurteilen Sie als Leiter Flottenmanagement bei Mercedes-Benz die vergangenen zwölf Monate?
Die Marktentwicklung im Flottenbereich ist relativ stabil. Wir bei Mercedes-Benz sind sehr zufrieden. Unsere Fahrzeugprodukte, Dienstleistungen und Marktbearbeitung kommen gut an. Unsere wichtigsten Autos im Flottenmarkt sind die C- und E-Klasse, bei der E-Klasse zu 70 Prozent als Kombi, bei der C-Klasse noch ein wenig mehr. Da haben wir uns sehr gut etabliert, über alle Flottengrößen hinweg.
Die Eigenschaften, die C- und E-Klasse-Kombi bieten, passen genau in die Zeit: Die C-Klasse ist fast doppelt so effizient wie ihr Vorgänger, die E-Klasse hat den Verbrauch um bis zu 20 Prozent gesenkt. Wir reflektieren damit die CO2-Orientierung, die in vielen Car Policys schon fest verankert ist, ohne dabei die klassischen Mercedes-Eigenschaften wie Sicherheit, Effizienz und Fahrtkomfort zu vernachlässigen.
– Welche Rolle spielten die neue A- und B-Klasse?
Natürlich haben wir in diesem Jahr auch besondere Freude an unseren neuen Kompakten gehabt. Bei der B-Klasse verzeichneten wir ein ordentliches Wachstum mit vielen Neukunden. Wir haben gemerkt, wie positiv der Markt das annimmt, was in dem Fahrzeug serienmäßig in Sachen Sicherheit steckt. Die radargestützte Kollisionswarnung mit adaptivem Bremsassistenten gehört hier zum Standard. Auch nützliche Features wie den Abstandsregeltempomat Distronic gab es in dieser Fahrzeugkategorie bislang nicht. Die B-Klasse ist ein klassisches Fahrzeug für User-Chooser, die viel Platz auf kompaktem Raum wollen. Daneben gibt es auch funktionale Anwendungsbereiche.
Und seit September sind wir auch mit der neuen A-Klasse da. Die ist nicht nur in aller Munde, sondern bei vielen Firmen in der Bestellliste. Wir sind sehr zufrieden, Auftragseingang und Anzahl der Neukunden übertreffen unsere Erwartungen. Mit der A-Klasse zeigen wir: Premium hängt nicht von der Größe ab.
– Inwiefern bemerken Sie eine verstärkte Nachfrage nach SUV, also entspannterem, höherem Sitzen?
So wie die großen SUV im kleinen und mittleren Flottenbereich gewachsen sind, sind auch wir in diesem Segment stark gewachsen. Der neue ML ist sehr beliebt und spiegelt die Nachfrage nach einem zeitgemäßen Fahrzeug, das Variabilität, Sicherheit, aber auch Komfort und Prestige einer solchen Fahrzeugklasse bietet, wider. Beim ML 250 CDI gepaart mit einem Verbrauch von sechs Litern, sodass er in viele Car Policys passt.
Beim GLK liegen wir mit dem 200 CDI sogar bei nur 5,5 Litern. Das aktuelle GLK-Modell kommt ausgezeichnet an. Diese Fahrzeuge tragen dem immer stärkeren Trend nach Individualisierung Rechnung und beweisen gegenüber der Vergangenheit, dass sie im Bereich Cost of Ownership gut aufgestellt sind.
– Wie entwickelt sich aktuell der smart electric drive?
Wir sind mit der Nachfrage nach der dritten Generation unseres smart fortwo electric drive sehr zufrieden: Wir haben jede Menge unterschriebene Verträge alleine in Deutschland und glauben, damit das perfekte Fahrzeug für einen ganz bestimmten Zweck anbieten zu können: für die urbane, lokal emissionsfreie Mobilität in der City.
Die ersten Fahrzeuge sind bereits an Kunden in Deutschland und in anderen Märkten ausgeliefert.
– Inwieweit tangiert die Diskussion um die Preissituation im Automobilmarkt Ihr Geschäft?
Das ist im Flottenmarkt kein großes Thema, weil der Kunde nicht primär auf den Nachlass schaut, sondern auf das Gesamtkonzept: Was kostet mich das Auto in den drei, vier Jahren? Wie viele Kilometer werden gefahren? Hat der Hersteller ein vernünftiges Servicenetz und Gesamtpaket?
Wir sprechen – zumindest im größeren Flottenbereich – über langfristige Kontrakte und jahre-, teilweise jahrzehntelange Beziehungen, bei denen man weiß, was man voneinander zu erwarten hat.
– Inwiefern passt der Hybrid-Antrieb in Ihre Strategie?
Gerade der E 300 BlueTec Hybrid zeigt die Daimler-Philosophie: Wir wollen nicht nur die Werte, die man im Zyklus fahren kann, minimieren, sondern sie unter der Überschrift „Real Life Efficiency“ im realen Leben erfahrbar machen.
Es geht heute in den Firmen darum, das Mindset so zu verändern, dass neue Produkte aufgenommen werden. Und da ist der E 300 als das sparsamste Oberklasse-Modell der Welt mit einem CO2-Ausstoß von nur 109 Gramm, eingestuft in die Energie-Effizienzklasse A+, bestens geeignet.
Ich glaube, die Kombination zwischen Diesel und Elektro hat das Sparpotenzial schlechthin: Gerade im Stadtverkehr hilft das Drehmoment eines E-Motors, noch effizienter zu werden. Und im Überlandbereich, wo der Diesel schon sehr effizient ist, steht die Segelfunktion zur Verfügung, bei der man vom Gas geht, sich der Motor abschaltet und die Elektro-Maschine dann durch Energierückgewinnung ein Schubmoment erzeugt, sodass das Fahrzeug wie ein konventionelles Fahrzeug ausrollt und verzögert.
Die dabei gewonnene Energie wird in der Hochvoltbatterie gespeichert und steht dem Kunden für Boost und E-Fahrt zur Verfügung. Beim Segeln plus wird komplett entkuppelt und nicht mehr rekuperiert. Das ist ein neues Fahrgefühl! Die Restwertinstitute geben uns für diese Produktkategorie ausgezeichnete Restwerte, die noch ein Stück höher liegen als beim klassischen Diesel. Das hilft natürlich mit Blick auf die leicht höheren Kosten. Dafür bietet das Hybridfahrzeug aber auch die Fahrleistung eines Sechszylinders bei einem Verbrauch, der bis auf 4,2 Liter reduziert werden kann.
Wichtig ist natürlich, dass wir unsere Kunden richtig an die Technik heranführen, sodass sie die Technik verstehen und schätzen lernen.
– Für eine entsprechende Einführung bedarf es Personal. Wie ist Ihr Key Account Management im Flottenbereich derzeit aufgestellt?
Wir sind mit zwölf Key Accountern in drei Regionen unterwegs. Zudem verfügen wir über einen Spezial-Key-Accounter für das Thema Leasing und eine Spezial-Key- Accounterin für das Thema smart. Wir sind damit schon länger gut aufgestellt, ein Ausbau ist nicht geplant.
Zumal wir ja auch nicht alleine sind: Wir haben 134 Absatzmittler vor Ort, darunter auch viele große Flottenzentren mit entsprechend geschulten Verkäufern. Wir arbeiten außerdem eng mit den Kollegen der Mercedes-Benz Bank, den Fuhrparkmanagementspezialisten von Daimler Fleet-Management und den Servicekollegen von FleetSite zusammen.
– Welche Fuhrparkgrößen fokussieren Sie derzeit vorrangig?
Wir sind 2007 mit einer neuen Aufstellung gestartet, um das Thema Flotten national wie international voranzutreiben, und haben uns verstärkt den Fuhrparks ab hundert Fahrzeuge gewidmet. Parallel dazu haben wir aber Flottenstandards für den Handel entwickelt. Somit arbeiten wir nun sukzessive daran, mehr Flottenverkäufer auszubilden, sodass das Know-how in der Fläche vorhanden ist.
Wir haben schon in diesem Jahr große Erfolge im Bereich der kleineren und mittleren Fuhrparks verzeichnen können. Das wollen wir weiter ausbauen und parallel dazu den Bereich der großen Fuhrparks stabilisieren.
– Eine der spannendsten Fragen: Wie neu wird die „neue E-Klasse“ werden? Was erwarten Sie sich von der Markteinführung?
Man kann bei dieser Modellpflege tatsächlich von einer „neuen E-Klasse“ sprechen, weil sehr umfangreiche Modifikationen vollzogen wurden. So viel darf vorab verraten sein: Wir werden der E-Klasse ein zeitgemäßes Gesicht geben. Sie wird positiv auffallen, ohne die klassischen Werte – Raumvolumen, speziell beim Kombi, Variabilität und Fahrkomfort – vermissen zu lassen. Aber eben mit einer geänderten Front- und Heckgestaltung sowie Modifikationen im Interieur, die seh- und spürbar sind. Das wird ein echtes Flottenhighlight im nächsten Jahr!
– Was erwarten Sie sich sonst vom Jahr 2013?
Wir gehen mit Optimismus ins nächste Jahr und rechnen mit einer stabilen Marktsituation. Wir werden verstärkt auch Detailmärkte betrachten – wie mit der neuen E-Klasse. 2013 wird für uns generell ereignisreich werden: Die neue E-Klasse ist das Highlight des Jahres, dann folgt die Design-Ikone CLA, dann kommt mit der neuen S-Klasse die Krönung.
Außerdem haben wir in diesem Jahr den CLS als Shooting Brake gelauncht. Das ist ein Fahrzeug, bei dem wir im nächsten Jahr einige Umsteiger erwarten, denn die Eroberungsrate ist in dieser Kategorie traditionell etwas höher. Wir bieten auch hier den 250er-Motor an, sodass wir wieder in die Car Policy passen und der Individualisierung Rechnung tragen.
Herr Kemmerer, vielen Dank für das Gespräch! | A. Dünkelmeyer, S. Löw
Zur Person | Frank Kemmerer
Der 46-jährige Diplom-Kaufmann ist seit Beginn seiner Karriere im Flottensegment aktiv. Zu seinen Erfahrungen im Flotten-, Rental- und Automobilherstellerbereich gehören Stationen bei Sixt, LeasePlan, ALD Automotive, der Adam Opel AG sowie seit 2007 die Neuausrichtung des Flottensegmentes des Mercedes-Benz Vertrieb Deutschland.
FlottenSterne | Für Gewerbekunden
– Mercedes-Benz „FlottenSterne“ sind je nach Größenordnung des jeweiligen Kundenfuhrparks in drei verschiedenen Programmen erhältlich:
1. „FlottenSterne“
für Gewerbekunden ab dem 1. Fahrzeug
2. „Flottensterne 15+“
ab 15 Fahrzeuge Bestand/drei abgenommenen Fahrzeugen pro Jahr; ab dieser Größenordnung sind mittels Mengenrabatt Flottenpakete und Spezialkonditionen erhältlich, zusätzlich zu den Serviceleistungen der Flottensterne-Basisleistungen
3. „Flottensterne 100+“
ab 100 Fahrzeuge Bestand/Absatzmenge von mindestens zehn Mercedes-Benz Pkw pro Jahr; individuelle Großkundenkonditionen zusammen mit der Option für ein nationales wie internationales Rahmenabkommen und einem Key Account Management als persönlichem Ansprechpartner
Weitere Informationen stellt Mercedes-Benz unter www.mercedes-benz.de/firmenkunden zur Verfügung.