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Weltkongress ITS : Das Tor zur Mobilität von morgen

Harry Evers, Geschäftsführer von ITS Deutschland und ITS Hamburg 2021.
© Foto: ITS Hamburg 2021 GmbH

2021 findet der Weltkongress ITS in Hamburg statt. Harry Evers, Geschäftsführer von ITS Deutschland und ITS Hamburg 2021, spricht im Interview mit Autoflotte über die Hintergründe und künftige Mobilitätsprojekte.

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Hamburg wird im Oktober 2021 Austragungsort für den Weltkongress ITS (Intelligent Transport Systems). Bis zu 15.000 Teilnehmer werden zu der alle drei Jahre in Europa stattfindenden Fachveranstaltung unter dem Slogan "Experience Future Mobility Now" in der Hansestadt erwartet – und diese werden sehen, wie sich die Mobilität in Deutschlands zweitgrößter Stadt gewandelt hat.  "Wir werden bis dahin Projekte umsetzen, die einen klaren Benchmark setzen und die auch auf andere Orte übertragbar sind", erklärt Harry Evers, Geschäftsführer von ITS Deutschland und ITS Hamburg 2021, im Interview mit Autoflotte, das Ausblick auf die Mobilität von morgen gibt.

Autoflotte: Welche Faktoren haben dafür gesorgt, dass Deutschland den Zuschlag für den ITS-Weltkongress 2021 bekommen hat?

Harry Evers: Langfristigkeit, die strategische Ausrichtung und eine belastbare Größe von Projekten waren die Erfolgsfaktoren, um uns gegenüber Dubai, Barcelona, Mailand und Marseille durchzusetzen. Hamburg hat sich mit der ITS-Senatsstrategie für Intelligente Transportsysteme bereits im Jahr 2016 klar als Vorreiter positioniert. Die Unterstützung durch das Verkehrsministerium und Hamburgs ehemaligen Ersten Bürgermeister Olaf Scholz sowie dem ehemaligen Wirtschafts- und Verkehrssenator Frank Horch waren ebenfalls entscheidend. Zudem haben wir bundesweit etwa 130 Wirtschaftspartner, Organisationen und Forschungseinrichtungen aktiv eingebunden. Alle haben erkannt: Der Weltkongress ist eine Chance, einen Prozess, der sowieso stattfinden muss, zu beschleunigen. Denn nun müssen Mobilitätsprojekte so umgesetzt werden, dass sie 2021 tatsächlich fertiggestellt sind und gezeigt werden können. Die aktuellen Problemstellungen erfordern dabei nachhaltige Referenzlösungen, die auf andere Regionen übertragbar sind. Trotzdem: 2021 ist nur ein Meilenstein!

AF: Und wie funktioniert dieser Prozess nun, damit die Besucher 2021 tatsächlich eine neue Mobilität in Hamburg erleben können?

H. Evers: Alle aktuell rund 40 laufenden Projekte in Hamburg clustern und beobachten wir an einer zentralen Stelle bei der Hamburger Hochbahn. Jedes Thema wird dabei einem der sechs Handlungsfelder zugeordnet wie automatisiertes und vernetztes Fahren, Daten und Information, intelligentes Parken etc. Bis zum Weltkongress werden wir neben einer Auswahl an Hamburger Projekten dann zudem bundes- und weltweite Projekte zusammenstellen, um einen echten Benchmark zu zeigen: Wo stehen wir aktuell weltweit bei den Entwicklungen, welche übertragbaren Möglichkeiten gibt es, die den Menschen wirklich nützen?

AF: Das klingt spannend. Nennen Sie uns bitte ein Beispiel.

H. Evers: Aktuell werden etwa 20 bis 30 Prozent der Emissionen im Innenstadtbereich durch Parkraumsuchverkehre verursacht. Ein Projekt beschäftigt sich mit einem System, mit dem das Auto automatisch in einem Parkhaus geparkt wird. Zum Weltkongress werden wir damit das Parkhaus der Elbphilharmonie intelligent machen. Da wir aber nur übertragbare Lösungen etablieren wollen, arbeiten wir parallel auf europäischer Ebene an Standards, denn ohne diese bleibt es eine Einzellösung. Es wird also eines Tages Parkhäuser des Levels 0 geben, die nichts können, vollausgerüstete Parkhäuser des Levels 5, die von der automatischen Parkplatzerkennung bis zur Ladung eines E-Autos alles können, und Abstufungen dazwischen. Im Bereich On-Street-Parken arbeiten Start-ups und andere Unternehmen zudem an intelligenten Lösungen, die erkennen, wo freie Parkplätze sind, die dann bei der Routenführung im Navi berücksichtigt werden. In Hamburg haben wir angefangen, in Zusammenarbeit mit T-Systems Parkplätze in der Innenstadt großflächig mit Sensoren auszustatten, die eine Parkplatzprognose noch genauer machen. Für die Zukunft sind hier viele Szenarien denkbar: Ich bekomme schon bei Fahrtantritt einen Parkplatz vorgeschlagen. Oder Hinweise, dass ich mein Verkehrsmittel wechseln muss, weil keine Parkplätze in der Nähe meines Zielortes zur Verfügung stehen. Zudem dynamische Parkgebühren, all das reduziert den Parkraumsuchverkehr.

AF: Wird man auch im Bereich vernetztes und automatisiertes Fahren im Jahr 2021 schon Lösungen er-fahren können?

H. Evers: Definitiv, nicht nur durch HEAT in der HafenCity und unsere neun Kilometer lange nutzeroffene Teststrecke in der Innenstadt. Generell wollen wir Projekte zeigen, die im normalen Stadtverkehr umgesetzt werden und dafür haben wir schon etwa 20 Anmeldungen von Unternehmen aus den verschiedensten Bereichen: IT, Künstliche Intelligenz, Sensorik, Cloud-Computing. Denn Fahrzeuge werden immer mehr nur die operativ ansteuerbaren Plattformen sein, während die Intelligenz im Betriebssystem stecken wird – ganz gleich, ob das ein Fahrzeug von BMW, VW oder Daimler ist.

AF: Was ist noch geplant?

H. Evers: Hamburg ist EU-Modellregion für die Erschließung ziviler Nutzungsmöglichkeiten von Drohnen- und anderen urbanen Luftverkehrstechnologien. Hierfür wollen wir Lösungen auf dem Weltkongress zeigen. Man denke nur an Lösungen, bei denen eine Drohne lebensrettende Maßnahmen leisten könnte …

AF: Zurück zum Straßenverkehr - wie intelligent werden Hamburgs Ampeln bis 2021 sein?

H. Evers: Neben der Ausstattung der Ampeln entlang unserer Innenstadt-Teststrecke mit einem WLAN Standard zur Aussendung von Informationen zur Schaltphase und Fahrspur gibt es ein Projekt der Automatisierten Verkehrsmengenerfassung, das sukzessive ausgebaut wird. So wie früher der Verkehrspolizist in der Mitte der einer einzelnen Kreuzung den Verkehr intelligent je nach Aufkommen geregelt hat, kann diese Intelligenz nun auf die Ampeln im Gesamtnetz übertragen werden. So wird der Verkehr optimiert, der Verkehrsfluss dynamisch.

AF: Was hat der Bürger letztendlich von all den Neuerungen?

H. Evers: Mehr Effizienz, mehr Flexibilität, mehr Komfort und mehr Sicherheit – eine Zukunft mit nur noch vernetzten und nach den Regeln automatisiert fahrenden Autos bedeutet statistisch nach zehn Jahren 25.000 Verkehrstote in Europa weniger, zudem weniger Unfälle und Verletzte. Je schneller die Lösungen also umgesetzt werden, desto besser.

Interview: Susanne Löw

Mehr zum Thema lesen Sie in der Autoflotte 1_2/2019, die am 1. Februar erscheint.

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