Mit zwei neuen Modellen zeigt MG zwei Dinge. Man ist ein Vollsortimenter und man hat bald wieder einen Goodseller. Preis, Leistung und Gesamt-Set-up stimmen beim MG4 Urban. Was im ersten Moment vertraut klingt, ist ein neuer Kompakt-Stromer für Europa. Der sportliche MG 4 fand hier viele Fans, weshalb der Name auch schon ein kleines Erbe mit sich trägt. Im SAIC-Heimatmarkt wiederum fand der MG4 Urban schnell seine Käufer, da er Platz und Preis vereinte. Nun beerbt der neue Urban in Deutschland nicht den MG4, sondern erweitert das Angebot. Also schauen wir mal, was der deutsche Kunde vom Urban erwarten kann.
Erster Eindruck. Er ist gelungen. Zumal – und auch wenn der Preis im Dienstwagenleben nicht immer die wichtigste Rolle spielt – der MG4 Urban viel Nützliches bietet und das zu einem attraktiven Gesamtpreis vereint. Der 4,40 Meter lange Urban ist ein Fronttriebler, während der MG4 Electric heckgetrieben ist, was per se den dynamischen Fahrstil unterstützt, dieser beim Urban aber nicht wirklich fehlt.
Gut und günstig
Hartplastik dominiert in dieser Preisliga (ab 21.000 Euro [alle Preise netto]) und das ist normal. Schön gestaltete Details wie die Luftauslässe heben das Interieur aber von der Masse wieder etwas ab. Das digitale Kombiinstrument spiegelt etwas, aber man hat alle Infos im Blick. Manchmal holpert die Übersetzung, aber das stört wenig. Das Herz wiederum ist das Zentraldisplay, dessen Menüführung intuitiv ist. Etwas zu prominent ist vielleicht das Handy auf der Ladestation platziert, der Blick schweift immer wieder dorthin.
Die Sitzeinstellungen (samt fester Kopfstütze) passen, für die Langstrecke wirkt das Polster aber etwas zu weich. Sie bieten aber guten Seitenhalt, was beim Beschleunigen wichtig ist. Und das ist eine Paradedisziplin des Urban. Schnell klappt auch das Koppeln und auch das Navi macht einen flotten Eindruck. Gelungen ist etwa die Anzeige des Restakkus am Zielort. Die 360-Grad-Kamera hilft wiederum beim Zirkeln an die Ladestation. Für einen Kompakten ist das alles top.
MG4 Urban
Urbane DC-Power
Auf der kurzen Pendler-typischen Runde waren die 14,3 kWh Verbrauch okay, zumal die Klimaanlage gut zu tun hatte. Wohl fühlen sich alle vier Passagiere an Bord, die auch noch den Kofferraum mit 470 Litern beladen können. Der untere Ladeboden fasst nochmal gut 98 Liter.
Den MG4 Urban gibt es mit 43 oder 54 kWh-LFP-Batterie, die Reichweiten von 325 bis 416 Kilometern laut Datenblatt ermöglichen sollen. Bei Tempo 160 wird eingebremst. Mit dem kleinen Akku gibt es 149 PS, mit dem großen 160 PS an Bord. Wer mit einem roten Lack gut leben kann, kann zum Active greifen, den es ab 21.000 Euro gibt. Die Wärmepumpe ist übrigens schon dabei. Zum Service muss das Hatchback alle 24.000 km oder einmal im Jahr.
Die auf sieben Jahre oder 150.000 Kilometer gewährte Herstellergarantie gehört zu den Pro-Argumenten. Die DC-Ladeleistung von 82 beziehungsweise 87 kW sind es eher nicht und werden für nicht-urbane Einsätze zum Showstopper, der aber zum Jahresende behoben werden könnte.
Neue Händler, neue Marke
Dann wird der MG4 Urban neben der günstigen, aber im Winter mit Herausforderungen kämpfenden LFP-Batterie einen Solid-Core-Akku erhalten, dessen Flüssiganteile minimal sein werden. Den Urban sieht MG als künftigen Kundenmagneten, der beim Skalieren der neuen Halb-Festkörperzellen helfen soll. Deshalb folgt dieses Akku-Update, das in diesem Segment ungewöhnlich ist. Der Preisaufschlag wird entsprechend nicht gering bleiben. Dafür erwartet die Käufer dann eine Oberklassen-Performance seitens der Batterie, so die Hoffnung der Traditionsmarke.
Ebenfalls bis zum Jahreswechsel soll das eigene Händlernetz auf bis zu 220 Standorte wachsen, aktuell sind es über 180. Ein Teil davon wird – und wir kommen zum anderen Ende des Spektrums der E-Mobilität – die Edel-Stromer-Marke IM (Intelligence in Motion) in Deutschland anbieten können.
Den IM 5 (Limousine) und IM 6 (SUV) gibt es aktuell in Norwegen, der Schweiz und in UK und ab Sommer dann auch hierzulande. Die Innovationsträger des Konzerns kommen mit "voller Hütte" (bis zu 751 PS, über 350 kW Ladeleistung, 800-Volt-System) und verfolgen damit jene Stoßrichtung, mit der viele neue Marken aus dem Reich der Mitte in Europa gestartet sind.
MGS9, der Siebensitzer
Eine Nische, die aber bei User-Choosern beliebt ist und dank des Steuerrabatts für Phevs preislich attraktiv ist, sind die Siebensitzer. In China referiert die (kaiserliche) Zahl 9 auf das jeweilige Flaggschiff im Portfolio, so auch im Fall des MGS9 – zumindest was die Dimensionen betrifft. Er ist fast fünf Meter lang und mit 299 PS, die der 1,5-Liter-Turbo-Benziner und der E-Motor zusammen orchestrieren, ist man flott unterwegs. Bemerkenswert ist das Kräfteverhältnis zwischen dem E-Modul (170 kW / 231 PS) und dem Verbrenner (142 PS). Wer nicht die 200 km/h Spitze ausreizt und im E-Modus cruist, könnte gut 100 Kilometer elektrisch vorankommen. Geladen wird PHEV-üblich mit 11 kW.
Mit dem 65-Liter-Benzin-Tank geht die Reise bisweilen sehr weit. Mit 390 Newtonmetern Drehmoment können zudem maximal zwei Tonnen an den Haken. Toll im Interieur sind das Panorama-Glasdach und die Privacy-Verglasung im Fond. Schmal wird indes der Kofferraum bei Vollauslastung: 332 Liter. Im Solobetrieb sind wiederum ganze Umzüge möglich (maximal 2.093 Liter). Allerdings kann man die Sitze nicht plan umklappen und die Ladekante ist ob des tiefen Kofferraums recht hoch. Am Ende steht hier ein antriebsstarker, geräumiger Siebensitzer ab 37.807 Euro. Die Serviceintervalle und Garantien sind die gleichen wie beim MG 4 Urban, der eine ganz andere mobile Geschichte erzählt.