suchen
Ausgabe 04/2020

Feingemacht

1180px 664px

© AUTOFLOTTE

Es gibt Menschen, die benötigen viel Platz. Für Familie, Sportgerät oder: geschäftlich. Der Citroën Spacetourer passt für viele Gelegenheiten und wird als "Business Lounge" zum "Immer-dabei-Büro".

Die Messveranstalter beweisen es bei jeder aufs Neue: Platz oder besser: Raum, ist teuer. So verlangte beispielsweise der Frankfurter Messebetreiber während der IAA für einen kleinen "Büroraum" rund 600 Euro netto - für zwei Tage. Internet oder Annehmlichkeiten kosteten extra. Vielleicht auch ein Grund, warum der VDA Frankfurt eine Absage für die kommende IAA gab. Und nicht nur bei der an Bedeutung verlierenden Automesse - egal, wo sie stattfindet - ist das so. Konferenzräume oder Mini-Kurzzeit-Büros lassen sich auch Co-Working-Spaces und Hotels gut bezahlen. Und im Café will man nicht immer alle Details eines sich vielleicht anbahnenden Geschäfts in die Öffentlichkeit posaunen. Wie praktisch wäre also das eigene Büro auf Rädern?

Sehr praktisch, um es vorwegzunehmen. Vor allen Dingen dann, wenn man es nicht als solches deklarieren muss, sondern es zusätzlich ein vernünftiges Automobil mit viel Platz darstellt.

Nicht immer Bulli

Der Citroën Spacetourer ist so eine Art Automobil. Wie alle Bus-Varianten steht er im Schatten des VW T6, der gerade wieder einmal auf eine neue Ebene mit altem Kern gehoben wird und als T6.1 auf Kundenfang geht. Doch der Preis - gerade für die adrett ausgestatteten Versionen - schießt oft am Ziel, dem Kunden, vorbei.

Auch der große Citroën ist als "Business Lounge" kein Schnäppchen. Aber doch deutlich günstiger, ohne markante Einbußen zu offenbaren. Das Raumangebot ist zwar knapper als im VW, wenngleich das Gebotene noch immer ausreichen dürfte. Große Glasflächen am Dach, die sich leider nicht öffnen lassen, machen das Interieur heller und damit freundlicher. Die im Business Lounge serienmäßigen Ledersitze mit dem entzückenden Namen "Claudia" riechen nach gediegener Clubatmosphäre. Und sie sind pflegeleicht, falls der frisch gebrühte Kaffee beim Termin doch mal neben der Tasse landet. Das Platzangebot bei Gegenüber-Bestuhlung ist prima, der verschiebbare (168-Euro-) Tisch (Serie) in der Mitte stabil und vernünftig angebracht. Einen 230-Volt-Stromspender gibt es hinter dem Beifahrersitz und diverse 12-Volt-Stecker im Fond verteilt, die in jedem Fall Tabletoder Handyakkus auf Stand halten beziehungsweise laden.

Als mittellange Version "M" mit 4,96 Metern ergibt sich neben dem erwähnt luftigen Raumgefühl für vier Fondpassagiere auch Platz fürs Gepäck, was wiederum beim Shuttle-Service durchaus gefragt ist. Wer mehr Platz braucht, greift zur 5,30-Meter-Maxiversion, die mit sieben Zentimeter mehr Höhe noch immer deutlich unter der Zwei-Meter-Marke bleibt. Die beiden Schiebetüren agieren gegen Aufpreis elektrisch, was langsam und bei uns nicht immer einwandfrei funktionierte. Die schwere Heckklappe ist ausschließlich manuell zu bedienen, was nicht immer ganz leicht ist. Ebenso vermisst man hinten die Möglichkeit, die Fenster zu öffnen.

Auf den vorderen Plätzen sitzt es sich kommod. Viele Einstellmöglichkeiten der Fauteuils erfreuen Pilot und Copilot. Auf der Türseite fehlt indes eine Armlehne, die den Komfort steigern würde. Die auf den Innenseiten montierten sind hingegen nicht sonderlich hochwertig und zeigen bereits nach wenigen Tausend Kilometern irreparable Dellen vom (D)Ellebogen.

Ganz vorn unter der knuffigen Haube werkelt als Luxustriebwerk ein 177 PS starker Diesel, der stets an die Aisin-Achtgang-Automatik gekoppelt ist. Theoretisch eine passende Ehe, denn neben ausreichend Leistung sind mit 400 Newtonmetern Drehmoment auch genug Kräfte vorhanden, um das Zwei-Tonnen-Paket gut über den Asphalt zu scheuchen. Die Automatik kann sich jedoch nicht so richtig für einen Gang entscheiden und springt auch bei konstantem Tempo zu oft hin und her und lässt den Motor unnötig hochdrehen. Gerade auf flotten Autobahnetappen treibt das den Spritverbrauch nach oben, da Gang acht kaum in Erscheinung tritt. Um das vielleicht zu kompensieren, wird die Automatik im Schubbetrieb entkoppelt (Segeln) und es schaltet die Stopp-Start-Funktion bereits unterhalb von 20 km/h den Selbstzünder aus. Leider auch dann, wenn kein Halt geplant ist. Um sanft zum Stillstand zu kommen, sollte die Bremse kurz vorm Stopp leicht gelupft werden, ansonsten nicken die Insassen sichtbar mit dem Kopf. Die sanfte Tour reanimiert jedoch oft wieder den Motor, der dann an der roten Ampel fröhlich weiterdreht. Dennoch sind rund sechseinhalb Liter erfahrbar. Bei etwa acht Litern pendelt sich der Wert im Alltagsxmix wohl meist ein, was mit dem 70-Liter-Tank ordentliche Reichweite und Reserven für die Standheizung gibt, die wir wärmstens empfehlen.

Die Sicherheitssysteme bestehen aus Head-up-Dispaly, Rückfahrkamera und Toter-Winkel-Assistent. Nicht viel, aber diese funktionieren tadellos. Was sich uns nicht erschlossen hat, ist der Tempomat, der weder ein klassischer Tempomat ist noch ein aktiver Abstandsregler. Er warnt und nimmt Gas weg, bremst aber nicht wirklich und schon gar nicht bis zum Stillstand. Fahrwerksfragen beantwortet der Spacetourer souverän, und zwar auf der Komfortschiene. Vor allem vorn passt das, auf der Hinterachse wird es etwas poltrig.

Das rollende Büro

44.000 Euro kostet das rollende Büro von Citroën; und damit ist er gleichzeitig ein Understatement-Luxusliner mit viel Platz; und er ist ein Transporter fürs Sportgerät; und zur Not sogar ein Camper fürs Wochenende zu zweit. Verglichen mit den beiden Platzhirschen aus Deutschland (VW Bus und Mercedes V-Klasse ist er eine schöne Alternative. Fällt er doch ob seines Designs auf, wenngleich dasselbe Modell mit identischen Optionen auch bei Peugeot, Opel und Toyota zu haben ist.

Macht nichts, auch die werden dieselben Stärken und Schwächen besitzen und günstiger sein als Mercedes und VW und nihct nur deswegen klar zur Alternative werden. Wenngleich der Feinschliff und die Detailverliebtheit beim Citroën - wie auch die Preise - noch nicht ganz oben angekommen sind.

Citroën Spacetourer M Business Lounge HDI 180

Testwagenpreis: 44.504 EuroR4/1.997 cm³ | 130 kW/177 PS 400 Nm/2.000 U/min | 8-Gang-AT 185 km/h | WLTP 7,0 D | 182 g/kmEffizienzklasse: A | Euro 6d-TempKH: 21 | TK: 21 | VK: 24 4.956 x 1.920 x 1.880 mm 603 - 3.968 LiterWartung: 50.000 km/ 2 JahreGarantie: 2 Jahre

Autoflotte Empfehlung

Citroën Spacetourer MBusiness Lounge HDI 150Grundpreis: 39.832 EuroGepäcknetz: 42 EuroGlasdächer: 504 EuroGepäckraumabdeckung: 84 EuroStandheizung: 605 EuroVerstellb. Multifunktionstisch: 168 EuroAlle Preise netto zzgl. Umsatzsteuer

360px 106px



Ihr Kommentar zum Artikel

© Copyright 2020 Autoflotte online

Schon gelesen? Die Top-Nachrichten

img
German Renewables Award 2020

GP Joule unter den Preisträgern

"eFarm" gilt als bislang größtes grünes Wasserstoff-Mobilitätsprojekt in Deutschland. Jetzt wurden die Initiatoren für ihr Engagement ausgzeichnet.


img
Unfallstatistik

Mehr Verkehrstote im Juli

Der Corona-Lockdown hat die Zahl der Verkehrstoten schrumpfen lassen. Im Juli gab es allerdings wieder ein Plus.  


img
ID.4

VWs Crossover-Stromer

Kurz nach dem ID.3 surrt der ID.4 in die Flotten. Das Crossover-Mitglied der Stromerfamilie bietet vor allem Platz, Reichweite und wirkliche Neuerungen an virtuellen...


img
BMW M3/M4

Doppelte Nüstern

Der neue BMW M3 ist dem M4 wie aus dem Gesicht geschnitten. Beide Hochleistungsmodelle haben aber noch mehr gemein als die supergroße Niere.


img
Vorfahrt im Parkhaus

Rechts vor links? Oder nicht?

Auf Parkplätzen und in Parkhäusern kann die Rechts-vor-links-Regel gelten. Muss sie aber nicht. Autofahrer müssen genau hinschauen.