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Ausgabe 08/2019

Neuland für den Superb

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© AUTOFLOTTE

Skoda läuft. Gerade im Flottenbereich legen die Tschechen ordentlich zu. Mit dem Facelift des Superb bekommt die Mittelklasse eine attraktive Variante hinzu - den robusten Skoda Superb Scout.

Es ist nicht neu, einen Kombi höherzulegen, ihn mit etwas Plastik zu beplanken und mit einem markanten Namenszusatz zu versehen. Volvo machte es mit dem XC 70 Cross Country 1998 populär, Audi zog im Jahr 2000 mit dem Allroad nach. Mittlerweile hat fast jeder solch ein Karo-Flanellhemd-Modell im Portfolio. Beim einen passt es besser, beim anderen eher weniger. Der Skoda Superb Scout gehört zu Ersteren - was ein Glück.

15 Millimeter plus

Stimmig wirkt der Auftritt aus 15 Millimeter mehr Bodenfreiheit, Kunststoff an Radhäusern sowie Schwellern und kräftiger Front- und Heckschürze. Dass er im Gelände wirklich mehr kann als das Serienpendant ist klar, die Bodenfreiheit macht den Unterschied. Denn beim Allradantrieb und der Bereifung ist der Superb Scout eben auch nur ein Skoda Superb. Lamellenkupplungen verteilen die Kraft maximal paritätisch zwischen Vorder- und Hinterachse. EineTorque-Vecotring-Funktion - also eine weitere Drehmomentverteilung zwischen rechtem und linkem Hinterrad - gibt es hingegen ebenso wenig wie eine Sperre für mehr Offroad-Performance. Macht nichts. Sieben Vorwärtsgänge werden mittels Doppelkupplungsgetriebe sortiert, die 190 PS und 400 Newtonmeter auf die vier 18 Zoll großen Alufelgen verteilen. Die gehören zum Serienumfang des gut ausgestatteten Superb Scout, den es ab sofort zu einem Miniaufpreis (im Vergleich zu den Normalmodellen) ab 38.800 Euro gibt. Trotzdem viel Geld.

Übrigens: Weltweit hat Skoda knapp 1,3 Millionen Superb seit 2002 verkaufen können. Die meisten werden aktuell in China abgesetzt, gefolgt von Deutschland, Großbritannien und Polen. 82 Prozent der Kunden sind Gewerbetreibende, die in Deutschland zu 90 Prozent auf das riesige Kombiheck vertrauen, in das 660 Liter Gepäck passen. Der Diesel ist nicht nur in Deutschland der gefragteste Antrieb. Auch im Rest der Skoda-Welt werden 68 Prozent vom Selbstzünder befeuert. Und sogar 17 Prozent vertrauen auf die Kombination aus DSG und 190 PS mit Allradantrieb. Grund genug, uns genau diese Kombination genauer anzusehen.

Dass es sich um das Faceliftmodell handelt, sehen nur eingefleischte Skoda-Fans. Auch der Scout besitzt neue LED-Nebellampen, die gleichzeitig auch in die Kurven leuchten und das erstmals bei Skoda erhältliche Matrixlicht mit elf Segmenten pro Scheinwerfer (Serie ab Style, beim Ambition 3.850 Euro in Zwangskombination mit dem Paket Business Columbus) sind die auffälligsten Neuerungen, die der Superb fortan besitzen kann. Von hinten prangt stolz der Skoda-Schriftzug auf der Heckklappe. Innen geht es nach wie vor so geräumig zu, dass man sich fragen muss: Wer braucht den Platz? Selbst Zwei-Meter-Leute können die Beine übereinanderschlagen - macht das wirklich jemand? Die Verarbeitung ist tadellos. Pedanten würden die fehlende Fensterrahmenverkleidung bemängeln, bei der die Karosserielackierung durchschimmert - zu einem 50.000- Euro-Auto will das nicht ganz passen.

Meckern schwierig

Wenn wir gerade am Meckern sind: Der Fahrersitz ist zu hoch montiert, was einem das Gefühl vom Drauf- und nicht Drinsitzen gibt. Die elektrische Sitzverstellung hat damit sicherlich zu tun - und ist beim Scout auf dem Fahrerplatz serienmäßig. Der Seitenhalt ist selbst in den mit Alcantara bezogenen Fauteuils eher gering. Denn wer möchte, scheucht das fast Fünf-Meter-Gefährt flott um die Ecken. Dank Allradantrieb ist Traktion stets vorhanden, dank Zweiliter-Diesel mit 400 Newtonmetern Kraft ebenfalls. Schön, dass die Abstimmung des adaptiven Fahrwerks (714 Euro) gut gelungen ist. Zwischen Komfort bis Sport ist die Spreizung deutlich und jeder Modus für sich ist gut fahrbar und spiegelt das wider, was man erwartet. Vielleicht auch dank der Höherlegung gehört der Skoda Superb Scout zu den komfortabelsten Mittelklasse-Fahrzeugen und nicht zu den dynamischsten - das passt prima.

Das Doppelkupplungsgetriebe agiert penibel, schnell und hat meist den passenden Gang eruiert. In 8,1 Sekunden hastet der 140-Kilowatt-Scout auf Tempo 100, um erst bei etwas mehr als 220 km/h gegen den Wind zu verlieren, 3 km/h früher als das flachere Normalmodell. Der Diesel ist mit einem WLTP-Verbrauch von 6,6 Litern angemessen im Verbrauch und angenehm im Ton, gehört aber nicht zu den leisesten und Windgeräusche um die kantigen Außenspiegel säuseln einem ein kleines Lied. Das wird gekonnt überstimmt, wenn die Canton-Lautsprecher (454 Euro) gewählt werden. Ein ausgewogener, starker Klang mit viel Anpassungsmöglichkeiten. Die Bedienung dessen gelingt über das große Infotainmentsystem bedingt gut. Für manche Funktionen sind Tasten einfach schneller und weniger ablenkend zu nutzen. Den einzigen Vorteil, den das große Digitaldisplay im Kombiinstrument bietet, ist das Anzeigen der Navikarte direkt vor der Nase. Ein Head-up-Display gibt es nämlich nicht. Dafür haben die Tschechen bei den Assistenzsystemen einen draufgepackt. Fußgängerschutz und Abstandsradar ACC sollen nun zu den Besten gehören. Das ACC übernimmt nun (wenn der Fahrer es möchte) die Geschwindigkeit direkt von den Verkehrsschildern. Ob das wirklich den Fahrfluss verbessert, sei dahingestellt.

So ist der Skoda Superb Modelljahr 2020 verständlicherweise der beste Superb in der 17-jährigen Modellhistorie. Meckerpotenzial besitzt er kaum, was wohl seinen Erfolg ebenso ausmacht, wie das schier unerschöpfliche Platzangebot. Wer dem Superb das gewisse Etwas verpassen möchte, wählt den Scout - das bessere SUV, das nicht danach aussieht und die Nachteile der Trend-Hochbeiner nicht übernommen hat.

Skoda Superb Scout 190 TDI DSG

Preis ab: 38.800 EuroR4/1.968 cm³ | 140 kW/190 PS400 Nm ab 1.900 | 7-Gang-DSG221 km/h | 8,1 sWLTP 6,6 D | 174 g/km4.863 x 1.864 x 1.515 mm660 - 1.950 LiterEffizienz: AHK | VK | TK: 15 | 23 | 23Wartung: 12 Monate/30.000 kmGarantie: 2 Jahre ohne km-GrenzeAlle Preise netto zzgl. Umsatzsteuer

Autoflotte-Empfehlung

Superb Scout 190 TDI DSGBusiness-Paket Amundsen: 933 EuroRückfahrkamera: 303 EuroKlappbare Beifahrerlehne: 76 EuroCanton Soundsystem: 454 EuroAdaptiv-Fahrwerk: 1.345 EuroNavigation Pro Connected: 630 EuroVerkehrszeichenerkennung: 252 EuroMetallic-Lack: 748 EuroAlle Preise netto zzgl. Umsatzsteuer

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