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Ausgabe 04/2021

Volltreffer?

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© AUTOFLOTTE

Mercedes schickt Stromer Nummer 3 ins Rennen. Mit dem EQA haben die Stuttgarter nach EQC und EQV nun ein preislich attraktives E-Modell im Programm. Wenn man es mit den Extras nicht übertreibt.

Hat man sich früher im Rahmen der Firmenwagen-Policy als User Chooser oft "frei" bewegen können, gilt es nun mehr denn je abzuwägen. Selbst dann, wenn das Limit weit oben angesiedelt ist. Der neue Mercedes EQA 250 ist so ein Beispiel. Die volle Einmal-Förderung ist ihm sicher. Denn mit 39.950 Euro (netto) ist er ziemlich offensichtlich so eingepreist, dass er alles mitnehmen kann. Dass er jedoch mit allerlei Extra auf rund 72.000 Euro (brutto) aufgestockt werden kann, ist Mercedes-typisch. Doch Obacht. Wer die 60.000-Euro-Grenze (brutto wiederum) überschreitet, versteuert nicht mehr nur 0,25 Prozent des Fahrzeuglistenpreises, sondern 0,5 Prozent. Noch immer günstig, aber da tut der Rotstift dennoch gleich doppelt gut.

60.000 brutto sind's fix

Denn mit einer ansatzweise sinnvollen Ausstattung beim neuen Kompakt-Stromer von Mercedes landet man bei 52.000 Euro (brutto). Mit dabei sind dann das empfehlenswerte Business-Paket für 1.172,15 Euro (brutto), das gerade bei E-Autos so toll nutzbare Panaroma-Schiebedach (1.392 Euro brutto) lässt Stille, Licht und Luft ins Auto kommen, die Anhängevorrichtung (ja, 750 kg dürfen an den Haken des EQA für 952 Euro brutto), die beheizte Scheibenwaschanlage (136,85 Euro), das Trennnetz für 178,50 Euro sowie die Lenkradheizung - letztes Detail ist ebenfalls elementar, wenn man sich wirklich auf ein E-Auto einlässt.

Ach ja, das lange Ladekabel für eine 230-Volt-Steckdose (Mode 2) sollte extra bestellt werden. Übel nur, dass Mercedes für das 8-Meter-Kabel 35 Euro mehr verlangt als fürs 5-Meter-Kabel. Was drei Meter isolierte Leitungen doch so kosten können - bei Daimler. Die meisten anderen Dinge machen den EQA schöner, edler, individueller und vor allem: teurer.

Ein paar Details außen

Was kann denn nun das gut zwei Tonnen schwere Schnäppchen? Anders aussehen als GLA? Die geglättete Front mit stets geschlossenem Kühlergrill und recht einfachen LED-Scheinwerfern sowie das durchgängige Leuchtband am Heck stechen in die Augen. Ansonsten wirkt der 4,46-Meter-Stromer trotz der 18-Zoll-Bereifung SUV-untypisch zierlich. Der Kofferraum des EQA 250 spiegelt das sogar wider und bietet so viel Platz wie der des Renault Zoe. Die Rückbank kann nicht vom Kofferraum aus umgeklappt werden, ergibt aber eine fast ebene Ladefläche, unter der sich im hinteren Teil Platz für die Ladekabel befinden. Dafür ist auf der Rückbank und auch davor genug Raum vorhanden, um vier Personen komfortabel unterzubringen.

Die Verarbeitung ist meistens auf Mercedes-Niveau. Wenngleich unverkleidete Türrahmen und das nicht sehr akkurat eingepasste Handschuhfachabteil Verbesserungspotenzial im Detail aufzeigen. Digitaltachos sind mittlerweile nicht nur bei E-Autos omnipräsent und oft "semihübsch". Wer extra zahlt, erhält im EQA ein Digitaldisplay, das zu den ganz großen gehört und viele Informationen ausweist. Wer ehrlich ist, freut sich jedoch über das wenig ablenkende Head-up-Display, das auf Wunsch über alles Nötige informiert. Schade, dass es das nur in Kombination mit dem Advanced-Paket (inkl. großem Display) gibt und dann mit knapp 4.000 Euro brutto zu Buche schlägt. Schade auch deswegen, da die Idee der Vernetzung gut ist, die Umsetzung jedoch beispielsweise beim Navigationssystem, das Ladesäulen in der Nähe anzeigt und diese auf Wunsch auch in die Routenberechnung mit einbezieht, nicht ganz so schlau ist. Wer auf die Lade-Icons im Display toucht, bekommt die wichtigste Info nicht angezeigt: Nämlich die, mit wie viel Kilowatt geladen werden kann. Was bringt es einem, eine Säule anzusteuern, die nur 4,7 kW reinlässt und den 66 kWh groß geratenen Akku im Zeitlupentempo lädt? Immerhin kann man sich seine favorisierten Ladepunkte mit einem einfachen Fingertipp abspeichern. Apropos Laden: An der Wallbox geht das mit maximal 11 kW, am CCS-Schnelllader mit maximal 100. Das kann selbst ein Peugeot e-208.

Gut 400 Kilometer möglich

Also lieber entspannt mit vollem Akku und gut 400 Kilometer Reichweite in die hoch montierten Sessel sinken lassen und den leisen Antrieb des EQA genießen. Mit 190 PS (108 PS Dauerleistung) spielt er in der Liga des "mittleren" ID.3. Und es zeigt sich, dass Frontantrieb mit dieser Leistung und 375 Newtonmeter Drehmoment an Grenzen stößt. Dabei fühlt sich die Leistung keinesfalls überbordend an - zwei Tonnen wollen eben bewegt werden. Immerhin bleibt der Stromverbrauch bei schlanken 18,3 Kilowattstunden.

Auf der Habenseite sorgen das Gewicht, das gut abgestimmte Fahrwerk und vergleichsweise kleine Räder für angenehmen Fahrkomfort. Sportlich ist der EQA netterweise nicht. Danke Mercedes, dass auf die Unsitte, alle Fahrzeuge auf "Sport" zu trimmen, verzichtet wurde. So schiebt der EQA gerade mit den schmalbrüstigen Winterreifen (215er) in zu forsch angegangenen Kurven früh und gut kontrollierbar über die Vorderachse. Wer Einbremsen will, kann das via Rekuperations-Paddel am Lenkrad tun. Die Stufen heißen D+, D, D- und D--. D+ bedeutet segeln, D-- bremst extrem stark, jedoch nicht bis zum Stillstand. Wer die Stufe D Auto wählt, überlässt viele Dinge dem EQA, der sich dann auf die Frontkamera verlässt und eigenmächtig einbremst, selbst dann, wenn ACC nicht aktiviert wurde. Ein merkwürdiges Gefühl. In dem Fall kein Volltreffer. Sonst passt der kleine E-Benz schon ganz gut.

Mercedes-Benz EQA 250 Progressive

Preis: ab 39.950 Euro netto abzgl. FörderungFremderregter Drehstrom-Synchronmotor | 140 kW/190 PS | 375 Nm 160 km/h | 8,9 sVerbrauch (WLTP): 18,3 kWh/100 kmReichweite (WLTP, komb.): 416 kmBatterie: 400 Volt | 66,5 kWh 4.463 x 1.834 x 1.620 mm 340 - 1.320 LiterHK: 17 | VK: 14 | TK: 21Wartung: 30.000 km/jährlichGarantie: 2 Jahre/8 Jahre/160.000 km

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