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Fahrbericht Bentley Bentayga Hybrid

Luxus trifft grünes Gewissen

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E-Maschine und V6 ergeben eine Systemleistung von 449 PS.
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Bentley träufelt Balsam auf die geplagten Seelen der Besserverdiener. Denn endlich kann man auch ein SUV von 2,6 Tonnen und 449 PS mit gutem Gewissen fahren - einem Plug-in-Hybrid sei Dank. Und das ist nur der Anfang.

Als ersten Schritt hin zur Elektrifizierung der Modellpalette bietet Bentley sein SUV Bentayga im vierten Quartal auch als Plug-In-Hybrid an. Den Luxusliner unter den Matsch-Mobilen gibt es dann mit einer Kombination aus V6-Benziner, E-Maschine und Pufferakku, die rund 50 Kilometer lokal emissionsfreies Fahren ermöglichen soll.

Statt mit dem sonoren Grollen seines Zwölfzylinders erwacht der Bentayga Hybrid deshalb in völliger Stille zum Leben und startet seine Fahrt mit einem leisen Surren: 128 PS und 350 Nm leistet die in der Automatik integrierte E-Maschine und hat damit selbst bei knapp 2,7 Tonnen Gewicht genügend Kraft für emissionsfreien Stadtverkehr. Und wer nur schön sachte beschleunigt, kann den E-Motor sogar auf bis zu 135 km/h ziehen, bevor sich mit einem für Bentley ungewohnt asthmatischen Sound der Verbrenner zuschaltet.

Dabei ist Sanftmut ohnehin die wichtigste Tugend für den Teilzeitstromer. Denn nur mit sanftem Gasfuß fährt der Wagen rein elektrisch und nur mit Zurückhaltung erzielt man eine Reichweite, die auch nur halbwegs in die Nähe der Norm kommt – zumal sich der Akku während der Fahrt nicht nachladen lässt. Klar kann auch Bentley rekuperieren und die Bremsenergie in Strom umwandeln. Aber den Benziner etwas höher drehen zu lassen, um nebenbei ein bisschen Strom zu bunkern, das haben sich die Briten verkniffen. Also fährt man langsam oder macht lange Pausen, um den 13 kWh-Akku binnen 2,5 bis 7,5 Stunden wieder zu füllen.

So erlebt man die bisherige Vollgas-Marke von einer ganz anderen Seite, entschleunigt wie von selbst und merkt, wie man von innen heraus mit jedem Kilometer unter Strom ein bisschen heller strahlt und sich ein bisschen besser fühlt. Nicht, dass nicht selbst die stärkste Version eines etwas kleineren SUVs, zum Beispiel ein Mercedes GLC 63 AMG unter dem Strich sparsamer und sauberer wäre als der Bentayga Hybrid. Doch diese Erkenntnis kann dem grünen Glorienschein seinen Glanz nicht nehmen.

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Außerdem fühlt man sich spätestens dann als Büßer, wenn der Akku leer ist und man allein mit der Kraft des Verbrenners fährt. Der hat zwar mit 340 PS und 450 Nm allemal genügend Leistung, wuchtet die Fuhre in 5,5 Sekunden auf Tempo 100 und schafft mit 254 km/h den entscheidenden Tick mehr als die bürgerlichen Verwandten und die gewöhnliche Konkurrenz. Doch weder beim Sound noch in der Souveränität kommt er auch nur ansatzweise an den W12 heran. Und selbst wenn man beide Motoren zusammennimmt, macht man mit einer Systemleistung von 449 PS und einem vereinten Drehmoment von 700 Nm gegen die bis zu 630 PS und 900 Nm des Zwölfzylinders keinen Stich. Deshalb darf man sich ruhig als etwas Besseres fühlen, wenn man zugunsten der Umwelt den auf dem Papier schlechteren Motor wählt.

Die 18 Monate nach dem Debüt auf dem Genfer Salon ein wenig verspätete Markteinführung des Bentayga markiert für die Briten nur den ersten Schritt auf der Electric Avenue: Bis Ende 2023 wollen sie in jeder Baureihe eine Hybrid-Variante im Angebot haben und spätestens 2025 soll es einen reines Elektroauto geben. „Wir hoffen, dass wir es auch früher schaffen“, sagt Firmenchef Adrian Hallmark, der um die Eile bei der Elektrifizierung weiß.

Extras wie Nachtsichtsystem oder Breitling-Uhr mit Brillanten

So ungewöhnlich das Fahrgefühl mit dem Bentayga – in der Stadt ungeheuer entschleunigt und entspannt, auf der Autobahn dagegen ungewöhnlich angestrengt - auch sein mag, so vertraut gibt sich der Luxusliner für den Alltag und Abenteuer in allen anderen Disziplinen: Es bleibt beim überschwänglichen Luxus, beim üppigen Platzangebot und bei einer Ausstattung, die weder an Hightech noch an Handwerkskunst zu überbieten ist. Nicht umsonst gibt es Extras wie ein Nachtsichtsystem oder eine Breitling-Uhr im Cockpit, aus der ein halbes Dutzend Brillanten funkeln.

Ja, er braucht ein bisschen weniger und wenn man ihn nur mit den Zehenspitzen fährt, dann ist man tatsächlich auch ein paar Kilometer elektrisch unterwegs. Bei den Nachbarn schindetet man mit dem Hybridschriftzug Eindruck und das schlechte Gewissen schmilzt mit jedem Mal, wenn man den Bentley an der Ladesäule einstöpselt.

Doch das beste Argument für den Teilzeitstromer im Smoking hat mit dem Antrieb überhaupt nichts zu tun, sondern allein mit dem Preis: Denn mit ab 138.655 Euro netto ist er der mit Abstand billigste Bentley, den es diesseits des Gebrauchtwagenmarktes zu kaufen gibt.

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