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Fahrbericht Bentley Flying Spur V8

Sparen auf die feine englische Art

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Bemtley bietet den Flying Spur jetzt auch mit acht statt zwölf Zylindern an.
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Bentley tritt beim Flying Spur auf die Bremse und bietet sein Flaggschiff auch mit acht statt zwölf Zylindern an. Obwohl deutlich billiger und sparsamer als der W12, ist der V8 jedoch trotzdem nichts für Knauser oder Klimaschützer – aber dafür umso mehr was für Connaisseurs.

Von Benjamin Bessinger

Bentley will sauber in die Zukunft fahren und dreht deshalb die Uhr zurück – zunächst einmal auf vier vor zwölf. Denn im Ringen um einen Richtungswechsel beim CO2-Ausstoß, der die Briten bald schon zum ersten klimaneutralen Luxushersteller machen soll, rücken sie ihrem famosen W12-Motor zu Leibe und setzen nun auch im Flying Spur mehr denn je auf die Macht der Acht: Ganz so weit wie im Bentayga, wo sie den Zwölfzylinder für Europa schon komplett gestrichen haben, wollen sie bei der großen Limousine zwar nicht gehen. Doch wer sich als Vernünftiger unter den Vermögenden gerieren möchte, bekommt das Flaggschiff der Briten nun auch als V8. Eng mit dem Porsche Panamera verwandt, kommt er im Frühjahr zu Preisen ab 193.137 Euro (162.300 Euro netto) in den Handel.   

Zwar spart der geneigte Besserverdiener damit beim Händler gute 20.000 Euro und an der Tankstelle gemäß der Normwerte etwa zwei Liter auf 100 Kilometer. Doch Verzicht geht anders. Denn auch auf acht statt zwölf Flammen kocht Bentley ein famoses Menü aus Kraft und Kultiviertheit und serviert mit vier Liter Hubraum, 440 kW / 550 PS und 770 Nm reichlich ingenieuse Feinkost. Dass einem da 85 PS und 130 Nm fehlen, merkt man bei so viel Überfluss nun wirklich nicht.   

Einer der schnellsten Viertürer der Welt

Entsprechend engagiert geht es mit dem Luxusliner zur Sache: Obwohl gute 2,3 Tonnen schwer, stürmt der Flying Spur binnen 4,1 Sekunden auf Tempo 100 und danach so ungerührt weiter, dass S-Klasse & Co im Rückspiegel ganz klein werden. Denn auch wenn es die 333 km/h des W12 nicht erreicht, zählt das V8-Modell mit seinen 318 km/h zu den schnellsten Viertürern der Welt – außer Porsche Panamera und Maserati Quattroporte kommt da keiner mit, und selbst als AMG hat da auch die S-Klasse keine Chance.    

Und was dem wolkenweich auf Luft gefederten Achtzylinder auf der Autobahn vielleicht fehlen mag, macht er auf der Landstraße mehr als wett: Mit immerhin zwei Zentnern weniger Last auf der Vorderachse lenkt das – nun ja – Einstiegsmodell spürbar leichter ein, kommt entsprechend leichter ums Eck und wird so dem Anspruch an einen Gand Tourer noch besser gerecht – erst recht, wenn die Hinterachslenkung die 5,32 Meter auf der Straße auf ein handliches Maß schrumpfen lässt und der Allradantrieb die Kraft intelligent verteilt. Dass man ein einem Sparmodell sitzt, merkt man deshalb nun wirklich nicht. Das gilt allerdings nicht nur fürs Vergnügen, sondern auch für den Verbrauch, der mit seinen 12,7 Litern schon auf dem Papier noch immer üppig ist und in der Praxis schnell auch mal über 20 Liter klettert.

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Was man ebenfalls kaum bemerkt ist der Umstand, dass der Flying Spur anders als sein zweitüriger Bruder Continental ein ebenso ausgewachsener wie komfortabler Viersitzer ist. Denn so luxuriös es sich auf dem Sofa im Fond mit eigenem Tablet und großen Bildschirmen an den Vordersitzen auch lümmeln lässt und so viel Beinfreiheit die Briten mit ihren 3,20 Metern Radstand auch schaffen – selten war die Lust auf Müßiggang in einer Luxuslimousine geringer als hier: Wer einen Flying Spur fährt, der will den Speer auch selber fliegen lassen.    

Apropos üppig: So knauserig sich die Briten beim Antrieb geben, so verschwenderisch sind sie bei der Ausstattung und machen da zwischen den Motorvarianten keinen Unterschied: Das digitale Cockpit mit dem wunderbaren Wechselspiel zwischen animiertem Touchscreen und analogen Anzeigen gibt es genau wie das Heer der Assistenzsysteme und die herrlich altmodischen Orgelzüge für die Klimadüsen hier wie dort. Und die Liste der Optionen ist so lang, dass man weit mehr Geld für Zierrat ausgeben kann, als für die vier zusätzlichen Zylinder aufgerufen wird. Nicht umsonst summieren sich die Extras des Testwagens zum Beispiel auf knapp 100.000 Euro.    

Zwar hat Bentley mit dem Achtzylinder schon den richtigen Weg eingeschlagen, doch ist das für die Briten nur der Anfang. Noch in diesem Jahr gibt’s den Flying Spur auch als Plug-In-Hybrid mit V6-Benziner und E-Motor und Akku für 50 emissionsfreie Kilometer bei maximal 135 km/h und bald haben V8 und W12 allein gar vollends ausgedient. Denn ab 2026 soll jeder Bentley einen Stecker haben und ab 2030 fahren die Briten nur noch elektrisch.

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