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Fahrbericht McLaren 675 LT

Das grüne Gift

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Wenn die Briten im September ihre "Super Series" mit dem neuen 675 LT krönen, werden Porsche-Fahrer grün vor Neid.
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Die Farbe für den Fotowagen hätte McLaren kaum passender wählen können: Wenn die Briten im September ihre "Super Series" mit dem neuen 675 LT krönen, werden Porsche-Fahrer grün vor Neid.

McLaren schärft seine Super Series nach: In Erinnerung an eine besonders heiße Version des legendären F1 bringen die Briten jetzt den 675 LT an den Start. Auf dem Papier bietet der "Longtail" zwar nur 25 PS mehr als der 650 S, und auch die 100 Kilo weniger Gewicht oder die 40 Prozent mehr Abtrieb scheinen erst einmal keine 75.000 Euro Aufpreis wert. Doch in der Praxis hat das neue Top-Modell für ganz und gar unbescheidene 309.750 Euro das Zeug zum schärfsten Sportwagen diesseits des hauseigenen P1, von La Ferrari oder Porsche 918 Spyder. Kein Wunder, dass die auf 500 Exemplare limitierte Serie bereits kurz nach der Premiere auf dem Genfer Salon schon ausverkauft ist und Spätentschlossene jetzt hohe Aufpreise zahlen müssen.

Für die Spitzenstellung des eiligen Engländers stehen zum einen die nüchternen Fakten. Schließlich wird die Luft dünn in einer Liga, wo 700 Nm auf gerade einmal 1.230 Kilo treffen, wo für den Spurt von 0 auf 100 km/h nur 2,9 Sekunden vergehen, wo nach 7,9 Sekunden eine 200 über den Tacho flimmert und wo der Rausch des Rasens erst bei 330 km/h endet.

Aber mehr noch steht dafür ein unglaublich verdichtetes Erlebnis. Denn es ist faszinierend, wie intuitiv sich der Tiefflieger im Kampfmodus beherrschen lässt: Die Sitzposition intim, die Gewichtsbalance perfekt, die Lenkung messerscharf, die bremsen fein dosierbar und die Kraftentfaltung explosiv – so wird man förmlich eins mit dem Auto und erlebt eine Rasanz, die unmittelbarer kaum sein könnte. Egal ob auf der Autobahn die linke Spur oder eine einsame Landstraße – mit diesem Auto reitet man so leicht und lässig auf Messers Schneide, dass einem Angst und Bange wird.

Potent, aber nicht protzig

Dabei bewahrt der McLaren aber im Gegensatz zu vielen anderen Supersportwagen stets die Contenance. Er ist potent, aber nicht protzig, laut, aber nicht vorlaut und es ist kein bisschen peinlich, wenn man mit ihm durch die Innenstadt rollt. Ja, seine Airbrake ist wahrscheinlich größer als jeder Ferrari-Flügel und jedes Lambo-Leitwerk. Und mit dem Frontspoiler könnte man auch den Rasen im Park vor dem Buckingham Palace mähen. Aber sobald der 675 LT im Cruise- und nicht im Kampfmodus ist, wirkt er vergleichsweise freundlich und friedlich und taugt sogar als Langstreckenauto. Denn so eng die Karbonschalen auch sein mögen, die sie bei McLaren euphemistisch "Sitze" nennen, und so kompromisslos das Fahrwerk abgestimmt ist, bietet der 675 LT ein überraschendes Maß an – sagen wir mal - Komfort.

Um das ohnehin schon eindrucksvolle Fahrerlebnis aus dem 650S derart auf die Spitze zu treiben, haben die McLaren-Entwickler an vielen Schrauben drehen müssen. Am 3,8 Liter großen V8-Motor zum Beispiel haben sie jedes zweite Bauteil angefasst, weite Teile der Karosserie sind neu konstruiert und haben einen noch höheren Karbon-Anteil. Das Fahrwerk ist tiefer und weiter, die Luftführung wurde für Abtrieb und Kühlleistung optimiert und für noch mehr Nähe zwischen Mensch und Maschine haben die Ingenieure nicht nur weitgehend auf Sitzpolster und Innenraum-Verkleidung verzichtet, sondern gleich auch noch die Dämmung rausgeworfen und dünnere Scheiben eingebaut. So fühlt man sich, als sitze man mitten im Maschinenraum und bei jedem Gasstoß bricht die Hölle los.

Aufgestellte Kiemen

Nur beim Design sind die Briten weiter in ihrer Form gefangen. Nachdem es schon schwerfällt, die neue, fast bürgerliche Sport Series, die Super Series und den P1 auseinander zu halten, muss man beim LT noch genauer hinschauen. Denn auch wenn er einen rasiermesserscharfen Frontsplitter trägt, die Kiemen an der Seite weiter ausgestellt sind und die Heckschürze ähnlich wie beim P1 fast nur noch aus Lochblech besteht, verschwimmen die Unterschiede spätestens dann, wenn das Auto mal schneller als 100 km/h fährt. Einzig die gelochte Plexiglasabdeckung über dem dunkel eingefärbten Motor taugt deshalb als untrügliches Erkennungszeichen.

So stimmig das Auto, so unsinnig ist der Name: LT steht für Longtail und soll an eine Sonderserie des legendären F1 erinnern, mit denen die Briten vor knapp 20 Jahren bei den 24 Stunden von Le Mans und zwecks Homologation parallel dazu auch auf der Straße angetreten sind. Während das Auto damals stolze 60 Zentimeter länger war, überragt der Longtail des Jahres 2015 den 650S nur um runde 4 Zentimeter – und die gehen obendrein nicht auf das Heck, sondern auf das Konto des neuen Frontsplitters. Das hält die Briten aber nicht davon ab, dieses Kürzel demnächst noch häufiger einzusetzen, sagt Pressesprecher Wayne Bruce: "Künftig soll es in jeder Baureihe einen LT geben." (sp-x) 

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