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Fahrbericht Mini Cooper SE

Minimax

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Der Mini Cooper SE wiegt 145 Kilogramm mehr als sein Benziner-Pendant.
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Mit der vollelektrischen Version hat Mini sein kleinstes Modell genau dahin entwickelt, wo es die Fans haben wollen – der Cooper SE hat aber einen direkten Konkurrenten im eigenen Haus.

Von Peter Weißenberg

Dieses Auto hat in seiner Historie zwei stilbildende Lebensräume: enge, verwinkelte Sträßchen in und um unsere Städte - und kurvengespickte Berg- und Talfahrten der Rallye Monte Carlo. Auf der langen Promenade in Miami Beach macht sich der Mini zwar auch prächtig. Dabei ist er in seiner neuesten Variante eigentlich verschenkt als reiner Poser. Der Kleine wollte immer schon Sportsmann sein.

Denn hinter der Bezeichnung Cooper SE (ab 32.500 Euro, abzüglich der geplanten 6.000 Euro Ökoförderung) verbirgt sich die erste vollelektrisch angetriebene Version des Kleinwagens. Mit der hat sich Mini reichlich Zeit gelassen, schließlich fungierte die Karosse schon 2008 als Versuchsträger des BMW i3. Aber nach ausgiebigen Fahrtests ist klar: Das Warten hat sich gelohnt. Der Cooper SE kann sich nicht nur von den Leistungsdaten (184 PS, 270 Newtonmeter) her mit dem Verbrenner-Bruder Cooper S (192 PS, 280 Nm) messen. Der Erfolg des wiedergeborenen Mini beruht ja darauf, dass die Münchener Eigner das legendäre Go-Kart-Feeling des klassischen Vorgängers nicht nur als Marketing-Versprechen erhalten haben.

Jedes Kilo Speck zählt da - und der Cooper SE hat gleich 145 davon gegenüber dem Benziner mehr auf den Rippen. Glücklicherweise hat Antriebschef Michael Kraus den 32,6 kWh große Akku aber T-förmig verpackt im Unterboden - “mal in einer Lage, mal in zwei”. In dieses Mikado aus den Zellblöcken haben die Ingenieure sichtlich Gehirnschmalz investiert. Bei Gepäck- und Innenraum ist der Stromer genauso groß wie der Verbrenner. Im Innenraum unterscheiden sie sich ohnehin kaum. Nur ein tiefschwarzes Display vor dem Fahrer von der Größe eines Frühstücksbrettchens. Auf dem digitalen Cockpit werden die wichtigsten Informationen eingeblendet. Vielleicht das einzige Detail, das gar nicht mehr an das klassische Mini-Design erinnert.

Der Cooper SE ist 1,8 Zentimeter höher als der Benziner - von außen durch kaschierende Blenden fast nicht zu erkennen. Am Steuer aber schon. Denn der Elektro-Mini liegt dank drei Zentimeter tieferen Schwerpunkts und idealer Gewichtsverteilung perfekt auf der Straße. Rechts-Links-Kombinationen begeistern genauso wie im starken Verbrenner - oder eigentlich sogar ein wenig mehr. Das Drehmoment steht ja sofort zur vollen Verfügung.

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Auch beim Einbremsen macht das Sportgerät Spaß. Die anders als im i3 zweistufig wählbare Rekuperation lässt nämlich reichlich Spiel mit dem Gaspedal zu. Oft reicht allein das Lupfen dieses Fußes, um den Mini passgenau in die Kurve zu bringen. Für zackigeres Herangehen unterstützt bei Bedarf die Bremsanlage aus dem Cooper S. Und das Fahrwerk ist so gut austariert, dass man feinfühlig und dicht an die Fahrbahnbegrenzungen heranzirkeln kann.

Stadt-Gewusel und Bergetappen - das macht Minifahren so unverwechselbar. Der Normalkunde der Britenmarke bewegt sein Gefährt dabei im Schnitt gerade einmal 37 Kilometer am Tag - noch weniger als der Durchschnittsdeutsche sein Auto. Mit den 235 bis 270 Kilometer Reichweite kommt der Mini-Fahrer als normalerweise zurecht. Zumal der serienmäßige dreiphasige Lader dafür sorgt, dass 80 Prozent der Leistung in 35 Minuten an einer 50-kW-Säule nachgeladen sind.

Die bei 150 Stundenkilometern abgeregelte Höchstgeschwindigkeit sorgt ohnehin dafür, dass der Verbrauch den Akku nicht ungebührlich leer saugt. Bei normalem Fahrverhalten hielt sich der mit knapp 16 kWh auf 100 Kilometer in der versprochenen Größenordnung. Für rasante Dauer-Schnellfahrer empfiehlt sich beim Thema Cooper aber weiterhin: Verbrenner fahren. Da geht am direkten Konkurrenten Cooper S kein Weg vorbei.

Preise starten bei 26.500 Euro 

Für alle anderen ist der Elektro-Mini aber der bessere Cooper - und sogar der günstigere. Für die 26.500 Euro nach Bonus (der Cooper S kostet mit Automatik mindestens 28.100 Euro) gibt es schon eine gut ausgestattete Basis mit LED-Scheinwerfern, Klimaautomatik oder Online-Navigation. In der "S" genannten Variante kann der Kunde frei aus zwei Farben, drei Leichtmetallrädern oder verschiedenen Dachfarben und Außenspiegelkappen wählen.

Das Prinzip Flatrate setzt sich auch bei den höheren Varianten fort - mit steigenden Auswahlmöglichkeiten zum Fixpreis 36.000, 38.500 und 40.500 Euro. In der teuersten Version "XL" sind Leder, Panorama-Glasdach oder Harman-Kardon-Hifi zusätzlich drin. Weitere Extras gibt es nicht - bis auf die Möglichkeit, persönlich kreativ zu werden. Den Namen des Liebsten eingraviert über dem Handschuhfach und am Dachholm beispielsweise. Und beim Ausflug ins nächtliche Little Havanna gönnt sich der Lenker vielleicht auch die individuelle Lichtshow vor dem Einstieg in den Dreitürer. Für die Maxi-Gefühle - auch ohne Motorgeräusch.

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