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Fahrbericht Toyota Mirai II

Toyotas Wasserstoff-Jetzt

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Der Mirai war das erste Wasserstoff-Brennstoffzellen-Fahrzeug in Serie und startet nun in Generation 2.
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Brennstoffzellenfahrzeuge fristen ein Mauerblümchendasein. Trotzdem bringt Toyota den Mira bereits in zweiter Auflage: mit geringerem Preis und Verbrauch sowie mehr Reichweite.

Von Gundel Jacobi

Wasserstoff? Aktuell gibt es mit dieser Technologie bestückt neben dem Toyota Mirai nur noch den Hyundai Nexo zu kaufen – ein harter Schlag ins Gesicht der Wasserstofffans. Selbst das Wort Nische wirkt angesichts dieses Angebots beschönigend. Aber davon lässt sich Toyota nicht beirren und bringt im Jetzt die zweite Mirai-Generation auf den deutschen Markt.

Komplett neu und chic

Dabei handelt es sich um ein komplett neues Modell. Kam der erste Mirai, dessen Name übrigens mit Zukunft zu übersetzen ist, als zwar auffälliger, aber etwas unförmiger Klotz daher, besticht die neue Zukunftshoffnung mit einem schnittigen, nun ja: Limousinendesign. Eine Klasse, die nicht unbedingt boomt – in Deutschland. Der alte Mirai verkaufte sich bei uns seit 2015 lediglich 400 Mal.

An einem wesentlichen Grund für die Kaufzurückhaltung hat sich bis heute nur sehr zögerlich etwas geändert. Denn die Wasserstofftankstellen-Infrastruktur ist mit derzeit neunzig deutschen Zapfpunkten gelinde gesagt ein ausbaufähiges Projekt, das einfach nicht in die Puschen kommt. Zum Vergleich: Beim Thema CNG stöhnen die Kritiker wegen mehr als 800 Zapfsäulen, dass das zu wenig sei, Benzin- und Diesel-Tankstellen gibt es rund 14.000, bei den Ladepunkten für E-Autos sind wir inzwischen bei etwa 40.000 öffentlich zugänglichen angelangt. Schade eigentlich, da der Mirai durchaus seine Fans haben könnte – sofern ein gefüllter Geldbeutel zur Verfügung steht. 53.697 Euro sind schließlich kein Pappenstiel, aber die Preisentwicklung geht in die richtige Richtung, denn er ist immerhin rund 13.000 Euro billiger als das Vormodell. Dies ist kein Wunder, weil Toyota neuerdings die zehnfache Produktionsmenge für die ganze Welt plant, was sich eben in dem deutlich reduzierten Preis niederschlägt. Zieht man zudem die Kaufprämie in Höhe von 7.500 Euro (brutto für Elektro- und Wasserstoffautos mit einem Nettokaufpreis von mehr als 40.000 Euro) ab, dürfte mancher ins Grübeln kommen.

Fünf Meter geben Eleganz

Der zukunftsträchtige Wagen kratzt mit knapp fünf Metern längenmäßig an der Oberklasse. Unter seiner Motorhaube steckt der Strom produzierende Brennstoffzellen-Stapel, der von drei Wasserstoff-Tanks mit insgesamt 5,6 Kilogramm unter der Fahrgastzelle sowie unterm Gepäckraumboden gespeist wird. Zwar gibt es auch im Mirai hinter der Rückbank eine Lithium-Ionen-Batterie, die etwas Strom bunkert, aber nur, damit die Brennstoffzelle stets versorgt wird und das Anfahren problemlos gelingt; außerdem wird dort die rückgewonnene Bremsenergie gespeichert. Der 182 PS starke Elektromotor sowie der Antrieb sitzen auf der Hinterachse, sodass durch die Anordnung von Brennstoffzelle, Wasserstofftanks und Batterie eine 50:50-Gewichtsverteilung erzielt wird, die das Fahrzeug satt auf der Straße liegen lässt.

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650 Kilometer Reichweite

Immer wieder faszinierend: Als Abgas entsteht vor Ort nur Wasserdampf. Alltagstauglich ist die theoretische Reichweite von 650 Kilometer allemal, und wenn man an einer Wasserstoffsäule andockt, dauert der Tankvorgang nicht viel länger als bei einem Auto mit Verbrennungsmotor. Der WLTP-Normverbrauch wird mit 0,89 Kilogramm pro 100 Kilometer angegeben. Wir lasen nach einer ersten Testfahrt auf dem Bordcomputer im gemischten Betrieb 1,5 Kilogramm ab. Sofern es sich im Übrigen um grün produzierten Wasserstoff handelt, passt auch die Umweltbilanz mit null Gramm CO2/km.

Obwohl das Drehmoment von 300 Newtonmeter ab der ersten Umdrehung bereitsteht und der Mirai so leise und kraftvoll wie ein batterieelektrisches Auto auf Touren kommt, spürt man beim Antritt: 1,9 Tonnen sind ein bemerkenswertes Gewicht. Der Fahrkomfort entspricht dem einer gehobenen Reiselimousine; was Federung und Dämpfung nicht wegbügeln, überrollen die 19-Zoll-Reifen. Bei Tempo 175 ist die Höchstgeschwindigkeit erreicht.

Im Cockpit geht es gediegen futuristisch zu. Oder wer hat sonst eine H2O-Taste links neben dem Kombiinstrument, mit der man Wasser ablassen kann? Im Normalfall geschieht dies aber automatisch während und nach der Fahrt vor allem in Form von Wasserdampf. Die Mittelkonsole ist recht hoch gebaut, etwas gewöhnungsbedürftig ist der kleine Automatikhebel unterhalb des Bildschirms. Ganz verständlich ist diese Anordnung nicht, denn dadurch rutschen die Klimaschalter ziemlich weit nach rechts.

Im Fond ist Platz für drei statt ehemals zwei Passagiere mit einer ordentlichen Beinfreiheit, allerdings ist der Mittelplatz nur bedingt für einen Erwachsenen nutzbar. Hier begrenzt der Dachhimmel die Kopffreiheit schon ab einer Körperlänge von 1,68 Meter. Im Abteil dahinter fasst der Gepäckraum mäßige 350 Liter. Alles in allem verkörpert auch der Mirai in seiner zweiten Generation wohl noch für längere Zeit einen eindeutigen Pioniergeist seiner Besitzer. So mag es kein Zufall sein, dass laut Toyota insbesondere Beschäftigte der Wasserstoffindustrie zu diesem Modell greifen – in ihrem eigenen Interesse. Mirai-Fahrer haben ein sauberes Gewissen, was auch an solchen Details wie dem neuen chemischen Luftreinigungssystem der Brennstoffzelle liegt. So werden Schadstoffe und Partikel aus der Außenluft herausgefiltert, sodass die abge- führte Luft sauberer ist als die angesaugte: ein echtes Plus für Weltverbesserer und auch für alle anderen. 


Toyota Mirai
Preis: ab 53.697 Euro
Brennstoffzelle/Elektromotor 134 kW / 182 PS | 300 Nm
175 km/h | 9,2 s
WLTP-Verbrauch: 0,89 kg
WLTP-Reichweite 650 km
4.975 x 1.885 x 1.470 mm
Koferraumvolumen: 350 Liter
HK: | VK: | TK: individuell
Wartung: 30.000 km/jährlich
Garantie: 3 Jahre

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