suchen
Premiere

VW testet autonomes Fahren in Hamburg

1180px 664px
Ein E-Golf, bestückt mit Laserscannern, Kameras, Ultraschallsensoren und Radar für vollautomatisches Fahren.
©

Selbstfahrende Autos werden oft in den unkomplizierten Wetterbedingungen der US-Westküste getestet. Volkswagen bringt jetzt fünf Roboterwagen nach Hamburg.

Volkswagen schickt für seine ersten Roboterwagen-Tests in einer deutschen Großstadt fünf Elektro-Golfs auf einige Hamburger Straßen. Die Fahrzeuge sind bestückt mit elf Laserscannern, 14 Kameras, Ultraschall- und Radarsensoren, wie Axel Heinrich, Leiter der VW-Konzernforschung, am Mittwoch sagte. Allein die Computertechnik nimmt den gesamten Kofferraum des Fahrzeugs ein. Sie verarbeitet bis zu fünf Gigabyte Daten pro Minute. Es wird immer ein Fahrer an Bord sein, um bei Bedarf eingreifen zu können.

Die Autos fahren zunächst auf einem drei Kilometer langen Teilstück einer neun Kilometer langen Strecke, die Hamburg eigens für Testzwecke definiert hat und mit zusätzlicher Infrastruktur aufrüstet. So können die Ampeln direkt mit den Autos kommunizieren und müssen nicht von Kameras ausgelesen werden. Die Ergebnisse der Fahrten sollen in die Forschungsprojekte des Konzerns zum autonomen Fahren und zur Optimierung des Individualverkehrs eingehen.

Realer Stadtverkehr deutlich komplexer

Bislang habe VW autonomes Fahren auf dem Wolfburger Werksgelände getestet, der Schritt in den realen Stadtverkehr bedeute eine neue Herausforderung. "Da gibt es viel mehr Situationen; mit Radfahrern, mit Fußgängern, Bürgersteigen, schnellen Spurwechseln, Ampeln, schmaleren Fahrspuren", sagte Heinrich. Für Autobahnen, wo alle Fahrzeuge kreuzungsfrei in ähnlicher Geschwindigkeit in die gleiche Richtung fahren, seien autonom fahrende Fahrzeuge einfacher zu entwickeln.

In den USA gehören vor allem im Silicon Valley selbstfahrende Autos im Stadtverkehr zum Alltag. In Kalifornien haben 62 Unternehmen die Erlaubnis, Roboterwagen auf öffentlichen Straßen zu testen, dazu gehören aus Deutschland VW und Mercedes sowie die Zulieferer Bosch und Continental.

Als besonders weit gilt die Google-Schwesterfirma Waymo, die seit einigen Monaten einen ersten kostenpflichtigen Robotaxi-Service in einem Vorort der Stadt Phoenix im Bundesstaat Arizona betreibt. Er steht zunächst ausgewählten Anwohnern offen und soll mit der Zeit ausgeweitet werden. Waymo testet auch Fahrzeuge ohne Menschen am Steuer, in dem kommerziellen Dienst kommen die Wagen aber noch mit einem Sicherheitsfahrer. Vor der Gründung von Waymo schickte Google bereits vor zehn Jahren seine Roboterwagen auf Testfahren in Kalifornien. "Waymo und Google haben mehr Testkilometer, aber auch noch einen weiten Weg vor sich", sagte Heinrich.

In den USA bereiten die Autoriesen General Motors und Ford ebenfalls den Start ihrer Robotaxi-Angebote vor. GM schickt dafür seit Jahren mit dem zugekauften Start-up Cruise selbstfahrende Autos in San Francisco auf die Straße. Ford testet unter anderem in Miami.

Volkswagen kooperiert bei seinen Roboterwagen-Systemen unter anderem mit dem amerikanischen Start-up Aurora. Es wird vom ehemaligen Leiter von Googles Roboterwagen-Programm, Chris Urmson, geführt.

Regen, Schnee und Glatteis als Herausforderung

Die Hamburger Wetterbedingungen könnten die Fahrzeuge auf die Probe stellen: Regen, Schnee und Glatteis gelten nach wie vor als eine Herausforderung für die Systeme. "Am Ende sollen die Autos unter allen äußeren Bedingungen fahren, unter denen auch ein Mensch fahren könnte", sagte Helge Neuner, bei der VW-Forschung verantwortlich für autonomes Fahren. "Aber deutlich sicherer." Zunächst werde es jedoch Einschränkungen und Begrenzungen geben.

Das VW-Versuchsprojekt und die nutzer- und herstelleroffene Teststrecke gehören zu den Vorbereitungen der Hansestadt für den Weltkongress für intelligente Verkehrssysteme (ITS) im Herbst 2021. Hamburg hat dazu rund 50 Einzelprojekte angeschoben und Partnerschaftsverträge mit großen Unternehmen abgeschlossen, darunter VW. Der Konzern ist auch mit dem Elektro-Sammeltaxi Moia in der Hansestadt aktiv, das in der übernächsten Woche seinen kommerziellen Betrieb aufnimmt. Das Projekt zum autonomen Fahren wird vom Bund mit mehr als zehn Millionen Euro gefördert; der Beitrag des VW-Konzerns ist mindestens ebenso hoch. (dpa)

360px 106px

Mehr

Mehr zum Thema VW:





Fotos & Videos zum Thema VW

img

VW Golf 8 1.5 TSI (Test)

img

50 Jahre VW K70

img

VW ID.4 (2021)

img

VW Atlas CrossSport (US-Modell)

img

VW Golf GTD (2021)

img

VW Golf GTI (2021)


Ihr Kommentar zum Artikel

© Copyright 2020 Autoflotte online

Schon gelesen? Die Top-Nachrichten

img
Mercedes-Benz EQV

Reichweite kostet

Der rein elektrisch angetriebene Großraumvan Mercedes EQV bietet eine XXL-Batterie auf Tesla-Niveau. Entsprechend fallen auch die Preise aus.


img
Kia Rio Facelift

Fit für den Sommer

2017 hat Kia eine Neuauflage seines Kleinwagenmodells Rio ins Rennen geschickt. Die erhält nun ein umfangreiches Technik-Upgrade.


img
EnBW und Mobility Concept

Grundstein für Deutschlands größte Elektroflotte gelegt

EnBW hat zusammen mit Mobility Concept ein spezielles Autoleasing-Angebot für rund 14.000 Mitarbeiter des Energieversorgers entwickelt. Das Programm, das sich auf...


img
Gescheiterte Pkw-Maut

Seehofer weist Vorwürfe zurück

Die Pkw-Maut war ein Prestigeobjekt der CSU. Wollte der damalige Parteivorsitzende Seehofer die Abgabe durchpeitschen, obwohl es schon 2013 Zweifel an der EU-Rechtmäßigkeit...


img
Leaseplan-Autobörse

Carnext.com vermittelt Finanzierungen

Die Leasingfirma Leaseplan integriert den Online-Kreditprozess der Berliner Solarisbank in seinen Marktplatz. Zunächst profitieren die deutschen Kunden von der Kooperation.