Fuhrparkmanagement 2.0
Neuer Name, neue Ideen und Produkte: Fleetlevel+ weitet seine Geschäftsaktivitäten als Fuhrparkmanager unter positiven Rahmenbedingungen erfolgreich aus.
Von zweistelligen Wachstumsraten können die meisten Akteure im Flottengeschäft derzeit nur träumen. Für die Fuhrparkmanagement-Unternehmen sind solche Zuwächse hingegen zurzeit Realität. Sie sind die Profiteure der Krise, da sich viele Fuhrparkbetreiber gezwungen sehen, die Prozesse und Kostenstrukturen in ihrer Flotte zu optimieren und dafür immer öfter bereit sind, die Hilfe eines externen Fuhrparkmanagers in Anspruch zu nehmen.
Ein weiterer Grund für den regen Zulauf: Die Komplexität in den Fuhrparks nimmt derzeit zu, weil der Trend weg vom Single-Sourcing hin zu Multi-Supplier-Lösungen geht. Dadurch werden die Datenströme im Fuhrpark vielschichtiger, Rechnungen verschiedenster Partner treffen ein, weswegen viele Flottenbetreiber die Administration und operative Steuerung nur allzu gerne ausgliedern.
Auch der zum BMW-Konzern gehörende Fuhrparkmanagement-Dienstleister Fleetlevel+ Services verzeichnet aktuell eine geradezu traumhafte 25-prozentige Steigerung des Neukundengeschäfts gegenüber den Vorjahren.
Doch in dieser Erfolgsstory kommt noch ein weiterer positiver Effekt zum Tragen. Denn der neue Name, den das Unternehmen seit Ende Juni trägt, habe den Bekanntheitsgrad bereits jetzt enorm gesteigert und zu verstärkten Geschäftsaktivitäten beigetragen, so Geschäftsführer Hans-Jürgen Neumann.
Zuvor firmierte der Anbieter als DSL Fleetservices, was eher Assoziationen mit Internet-Anschlüssen als mit Flottenmanagement oder gar dem ehemaligen Namensgeber Dekra SüdLeasing weckte. Seit der Übernahme des Dienstleisters durch den BMW-Konzern im Dezember 2006 war eine strategische Neupositionierung mit Umfirmierung also unausweichlich, auch um den Bekanntheitsgrad am Markt zu steigern. Ein Vorhaben, das laut Neumann schon nach wenigen Monaten mit neuer Präsenz geglückt ist: „Fleetlevel+ ist jetzt schon so bekannt wie vorher DSL Fleetservices“, sagt der Geschäftsführer. Die Zahl der Ausschreibungen, an denen der Anbieter teilnahm, habe sich seit Juni 2008 verdreifacht.
Einen Zugang zu ganz neuen Kundenkreisen verspricht sich der Fuhrparkmanagement-Anbieter durch seine Zugehörigkeit zum BMW-Konzern zu erschließen, da beim Vertrieb sowohl im Großkunden- als auch im Behördengeschäft zukünftig eng zusammengearbeitet werden soll. Wenn gewerbliche Kunden des BMW-Konzerns die Notwendigkeit verspüren, ihren Fuhrpark neu zu strukturieren, dann „kann Fleetlevel+ in Gesprächen als Problemlöser ins Spiel gebracht werden“, so Neumann. Eine klassische Win-win-Situation.
Bei der sonstigen Kundenakquisition, die außerhalb des Konzerns betrieben wird, sieht sich Neumann trotz der neuen Wurzeln als unabhängiger Anbieter. „Sicher werden wir in der frühen Phase der Verhandlungen schon sagen, dass wir als Unternehmen der BMW Group natürlich sehr gute Kontakte zum BMW-Vertrieb haben und gerne einen Kontakt herstellen. Aber wenn der Auftrag da ist und wir als Fuhrparkmanager aktiv sind, dann können wir es uns nicht erlauben, irgendeine Automarke zu bevorteilen“, so Neumann.
Viertes Standbein: Miete
Ganz neu im Portfolio ist die Langzeitmiete, die als „Rent+“ seit 1. Oktober das vierte Geschäftsfeld bildet (siehe auch S. 29 im Oktober-Heft der Autoflotte). „Rent+ ist für uns ein ganz wesentlicher Baustein, weil es uns ein zusätzliches breites Feld im Flottenmarkt eröffnen wird“, sagt der Geschäftsführer.
Leiter des neuen Vermietgeschäfts ist Herbert Scherf, der bisher „BMW Rent“ verantwortete. Er will die Langzeitmiete möglichst einfach und unbürokratisch gestalten. „Mit fünf Klicks ist bei uns ein Auto bestellt – das ist bei anderen Autovermietern nicht so einfach möglich“, sagt Scherf.
Die Langzeitmiete soll sich nicht nur an Bestandskunden von Fleetlevel+ und der Leasing-Konzernschwester Alphabet richten, sondern allen Kunden, die ein Fahrzeug ab einer Dauer von einem Monat mieten wollen, offenstehen – auch wenn sie keinen Vertrag über Fuhrparkmanagement abgeschlossen haben. Dennoch könnten solche Kunden aber vom breiten Portfolio des Dienstleisters profitieren, zum Beispiel eine Tankkarte oder andere Servicebausteine wie Fahrer-Hotline und Schadenmanagement mit dem Mietvertrag verknüpfen. „Von der gesamten Ausrichtung des Produkts sind wir näher am Leasing, als es der Autovermieter ist, aber wir stecken nicht im engen Korsett des Leasings“, sagt Neumann. Seinen Vorteil gegenüber klassischen Autovermietern, die auch allesamt das Segment der Langzeitmiete bedienen, sieht er in der flexibleren Gestaltung und der weniger strengen Auflagen. So sollen Rent+-Kunden für die gesamte Mietdauer ein und dasselbe Fahrzeug fahren können, während es bei klassischen Autovermietern alle paar Monate gewechselt werden müsse, was beim Fahrer und dessen Arbeitgeber einen unnötigen Zeit- und Administrationsaufwand auslöse.
Oft würden Langzeitmieten zur Überbrückung der Probezeit genutzt „Sie wollen ein Fahrzeug bekommen und dieses in dieser Zeit nutzen, ansonsten soll nicht viel damit passieren. Und sie wollen auch immer die gleiche Rechnung bekommen. Das sind die Kriterien für Fuhrparkleiter, die ihre Flotte effizienter steuern wollen“, sagt Scherf.
Vom Wachstumspotenzial dieses neuen Geschäftsfeldes ist Neumann überzeugt: „Ich sehe nicht, dass wir Ende nächs-ten Jahres die Schlussphase der Expansion erreicht haben.“
„Hochgradig spannend“ findet er auch das Car-Sharing, für das er noch eine erschließbare Zielgruppe sieht: kleinere und mittlere Unternehmen in Gewerbegebieten. Vielleicht wird dies eines Tages das fünfte Geschäftsfeld sein? mireille pruvost