Sicherheit im Fuhrpark – Teil 5:
Weitergehende Maßnahmen
In den bisherigen Folgen haben wir die unterschiedlichsten Möglichkeiten aufgezeigt, um die Sicherheit im Fuhrpark zu erhöhen. Über diese Tätigkeiten hinaus gibt es natürlich noch viele weitere Aktivitäten zur Risikominimierung. Einige davon wollen wir im letzten Teil unserer Serie aufzeigen.
Auch im Alltag sollten Flottenchefs ein Bewusstsein für Gefahrenquellen entwickeln. Wichtig ist dabei, vorausschauend zu planen und kreative Lösungen für das eigene Unternehmen zu entwickeln. Dabei sollte man nicht nur auf das eigene Empfinden vertrauen, sondern möglichst viele andere Meinungen aus dem Unternehmen einholen.
Folgende Dritte können beim Aufspüren von Gefahrenquellen behilflich sein:
. Fahrer: Eine gute Anlaufstelle, um Verbessungspotenziale aufzudecken, sind die Nutzer des Fuhrparks. Ob Entleihung von Poolfahrzeugen, die Benutzung der eigenen Tiefgarage oder die Fahrtauglichkeit anderer Mitarbeiter – bei offenen Gesprächen kommen meist überraschende Themen zur Sprache. Ein konstruktives Gesprächsklima erreicht man allerdings nur, wenn ausreichend Zeit zur Verfügung steht. Aussprachen sollten also am besten außerhalb des normalen Geschäftsbetriebs stattfinden. Zusätzlich können auch schriftliche Fahrerbefragungen durchgeführt werden. Allerdings können Gespräche und schriftliche Befragungen auch zu einer sehr einseitigen Darstellung eines Sachverhalts führen. Abhängig von der Stimmung im Unternehmen und den Vorfällen aus der jüngsten Vergangenheit können uneingeschränktes Lob oder Kritik an Kleinigkeiten die Folge sein.
. Gremien: Nicht immer werden Befragungen der Mitarbeiter zu einem vernünftigen Ergebnis führen. Weitestgehend selbstständig arbeitende Vertriebsmitarbeiter werden eventuell überhaupt kein Feedback geben. Deshalb können Gespräche mit Gremien im Unternehmen oder mit den Vorgesetzten der einzelnen Nutzergruppen weiterhelfen. Bei einem Unternehmen im Straßenbau wären zum Beispiel Gespräche mit den Bauleitern denkbar und sinnvoll.
. Beauftragter für Sicherheit und Arbeitsschutz: Viele größere Unternehmen haben einen Mitarbeiter, der sich speziell um die Sicherheit am Arbeitsplatz kümmert. Dieser hat neben einer speziellen Zusatzausbildung auch regelmäßig Kontakt zu den Berufsgenossenschaften. Mögliche Verbesserungen und, aus Sicht der Berufsgenossenschaft, erforderliche Tätigkeiten lassen sich in Gesprächen meist leicht ermitteln.
. Kfz-Versicherung: In Zusammenarbeit mit der Versicherungsabteilung, einem Versicherungsmakler und/oder der Kfz-Versicherung sollten die Risiken im Unternehmen regelmäßig betrachtet werden. Durch Schadensanalysen können die bestehenden Probleme genauer erfasst und Maßnahmen zur Schadenvermeidung oder Minimierung besprochen werden.
. Risikoanalyse: Durch eine ausführliche Analyse sämtlicher Risiken, die mit dem Fuhrpark in Zusammenhang stehen, lassen sich ebenfalls Schwachstellen aufzeigen. Ein externer Berater zeigt mögliche Fehlerquellen auf und hilft, diese zu beseitigen. Der Vorteil bei einer Beratung von außen liegt auf der Hand: Das eigene Unternehmen profitiert von den Erfahrungen, die bereits bei anderen ähnlich gearteten Fuhrparks gemacht wurden.
Dringlichkeitsstufen der Schwachstellen festlegen
Sind die Gefahren im Fuhrpark erst einmal genauer untersucht, gilt es, Wege zu finden, um das Risiko zu beseitigen. Bestehen mehrere Schwachstellen, sollten diese bewertet und ihrer Dringlichkeit entsprechend abgearbeitet werden. Stellt sich zum Beispiel heraus, dass die Führerscheinkontrolle im Poolfuhrpark unzureichend ist, muss dieser Missstand unverzüglich behoben werden. Dies hat Vorrang vor anderen Maßnahmen wie der baulichen Umgestaltung der eigenen Tiefgarage.
Mögliche Gefahren für die Sicherheit lassen sich grundsätzlich nach ihrer Entstehungsursache unterscheiden. Sie können personelle, organisatorische oder technische Hintergründe haben.
Maßnahmen mit hohem Nutzen
. Personelle Maßnahmen: Risiken, die durch den Fahrer begründet sind, lassen sich oft am einfachsten durch Schulungen vermeiden. Über deren Durchführung, egal in welcher Form, sollte sich jeder Fuhrparkverwalter schon einmal Gedanken gemacht haben.
. Fahrsicherheitstraining: Der Mitarbeiter lernt, sein Automobil auch in Extremsituationen zu beherrschen. Allerdings halten die erlernten Fähigkeiten nicht sehr lange vor. Ob man solche Kurse regelmäßig anbietet, muss deshalb jeder Fuhrparkverwalter selbst entscheiden. Neben dem Trainingseffekt können die Veranstaltungen auch der Mitarbeitermotivation dienen. Darüber hinaus hat das Unternehmen die schriftliche Bestätigung, dass die Mitarbeiter in der Lage sind, ein Fahrzeug zu führen.
. Ökonomisches Fahrtraining: Beim Spritspartraining lernt der Fahrer nicht nur ökonomisches, sondern auch vorausschauendes Fahren. Analysen haben gezeigt, dass die Kurse nicht nur den Spritverbrauch senken und die Abnutzung der Bremsen reduzieren, sondern auch die Unfallzahlen positiv beeinflussen.
. Individuelle Schulungen: Oft lassen sich verschiedene Inhalte geschickt kombinieren. Immer häufiger wird zum Beispiel ökonomisches Fahren mit einem Fahrsicherheitstraining verbunden. Zusätzlich können auch noch weitere sinnvolle Themen eingebunden werden. Denkbar wäre hier zum Beispiel ein Vortrag über das richtige Verhalten im Straßenverkehr, ein Kurs „Sofortmaßnahmen am Unfallort“, Gespräche über Unfallursachen in der Flotte oder zur Ladungssicherung im Pkw. Leider gibt es für solche Kurse noch kein Standardrepertoire. Fuhrparkchefs sollten also versuchen, ihre eigene, individuelle Zusammenstellung zu finden.
. Fahreranweisungen und „Learning by Doing“: Manchmal sind auch individuellere Einweisungen zweckmäßig. Hier empfiehlt es sich, zuerst einmal die Arbeit der Mitarbeiter und die Einsatzbedingungen der Fahrzeuge selbst zu erleben. Wer einen Vertriebsmitarbeiter in der Innenstadt oder einen Wartungstechniker auf seiner Tour begleitet hat, wird schnell auf weitere Verbesserungsmöglichkeiten stoßen.
Technische Maßnahmen
Abhängig vom Fahrzeugeinsatz und den Aufgaben der Mitarbeiter können verschiedenste technische Veränderungen die Sicherheit in der Flotte erhöhen. Die folgenden Maßnahmen sind Beispiele, die sich in der einen oder anderen Form in den meisten Fuhrparks anwenden lassen.
. Ausstattung: Die Car Policy eines Fuhrparks verändert sich meist über einen längeren Zeitraum hinweg kaum. Neben Anpassungen an den Modellen und verfügbaren Sonderausstattungen wandelt sich aber auch das Unternehmen selbst. Der Einsatzzweck variiert und die Intensität der Fahrzeugnutzung nimmt über die Jahre meist zu. Aus diesem Grund sollten die Vorgaben für alle Autos regelmäßig angepasst werden. So kann es vorkommen, dass ursprüngliche Einbauten in einem Kombi gar nicht mehr zu den aktuell verwendeten Werkzeugen passen oder die Benutzung der Sicherungsmittel für den Fahrer im Arbeitsalltag zu kompliziert ist.
Auch technische Neuerungen bei der Ausstattung sollten auf ihre Zweckmäßigkeit untersucht werden. Können Sonderausstattungen Unfälle vermeiden, sollten diese in der Car Policy als verbindlich vorgegeben werden. Gleichzeitig sollte dann das Budget für die eingesetzten Fahrzeuge angepasst werden.
Sind Ihre Mitarbeiter zum Beispiel oft auf der Landstraße bei Dunkelheit unterwegs, kann sich ein adaptives Kurvenlicht schnell auszahlen. Bei nur seltenen Nachtfahrten auf Autobahnen hilft diese Sonderausstattung nur wenig. Dies gilt vor allem dann, wenn ein „Mitschwenken“ nur in einem engen Geschwindigkeitsbereich durchgeführt wird.
Eine ähnliche Frage muss sich der Fuhrparkchef auch bei Klimaanlagen, Navigationssystemen, verwendeten Bereifungen und vielem mehr stellen.
. Pflege und Wartung: Die notwendigen Intervalle für Inspektionen und Ölwechsel werden in der Regel von den Herstellern und den Berufsgenossenschaften vorgegeben. Im Normalfall sollten diese Intervalle auch ausreichen. Bei sehr hohen Fahrleistungen, besonderen Einsatzgebieten oder starker Beanspruchung der Flottenautos können jedoch auch zusätzliche Wartungs- und Pflegedienste erforderlich sein. Werden Fahrzeuge zum Beispiel auch auf Baustellen benutzt, können zusätzliche Kontrollen, vor allem auch des Unterbodens, einen Sinn ergeben. Gleiches gilt für Fahrzeuge, die sich im Dauereinsatz befinden oder immer unter Volllast genutzt werden.
Von den Herstellervorgaben abweichende Intervalle sollten sich aus der eigenen Kostenrechnung und den zusätzlich auftretenden Reparaturkosten relativ einfach ermitteln lassen.
Durch einen regen Meinungsaustausch mit Kollegen lassen sich dann meist auch die Fahrzeuge erfassen, bei denen eine vorsorgliche Rostschutzprüfung vor dem Auslaufen der Gewährleistung sinnvoll ist.
. Weitere unternehmensspezifische Veränderungen: Aus den Analysen der Unfallkosten und in Gesprächen mit den Fahrern lassen sich eventuell zusätzliche Verbesserungen ableiten. Dazu könnten ein Spiegel in der Firmenausfahrt, eine bessere Beleuchtung der Tiefgarage, das Anbringen von Matten als Rangierschutz oder ein Zebrastreifen auf dem eigenen Werksgelände zählen.
Auch bei der Ausstattung der Fahrzeuge kann ein vernünftiges Maß an Kreativität weiterhelfen. Ob man nun Schutzkanten an der Fahrertür, zusätzliche Ösen im Innenraum oder einen speziellen Notebook-Arbeitsplatz einrichten lässt, alle Veränderungen sollten natürlich mit den Fahrern abgesprochen werden. Nur so kann die Akzeptanz der Mitarbeiter sichergestellt werden.
Organisatorische Maßnahmen
Manche Risiken lassen sich alleine durch Veränderungen an den Fahrzeugen oder Schulungen der Fahrer nicht beheben. Hier sind dann zum Teil auch größere Veränderungen an der hausinternen Organisation gefragt.
. Einsatz/Tourenplanung: Werden Fahrzeuge – wie im Vertrieb oft der Fall – jedes Jahr über 80.000 Kilometer bewegt, sollte man sich fragen, ob nicht eventuell andere Verkehrsmittel infrage kommen. Am besten man berechnet die im Auto verbrachte Arbeitszeit des Mitarbeiters einmal auf Basis einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 80 Stundenkilometern: Ein Fahrer, der jedes Jahr 60.000 Kilometer fährt, verbringt demnach im Monat mehr als 62 Stunden (oder 1,5 Arbeitswochen) in seinem Auto. In dieser Zeit kann der Mitarbeiter zwar telefonieren, er wird aber immer wieder durch den Straßenverkehr abgelenkt und die Unfallgefahr steigt. Sie sollten überlegen, ob hier nicht andere Verkehrsmittel (Bahn/Flugzeug) effizienter und sicherer wären. Eine weitere Alternative ist auch die Optimierung der Tourenplanung. Fährt der Mitarbeiter immer wieder weite Strecken wegen eines einzigen Termins, sollten Sie hier das mögliche Optimierungspotenzial untersuchen.
. Kostenbeteiligung: Ist der Mitarbeiter gewohnt, dass seine Firma alle Kosten übernimmt, lässt sich in der Folge oft ein sorgloser Umgang mit dem Firmenwagen beobachten. Eine Beteiligung des Mitarbeiters an selbst verschuldeten Unfällen oder an der Wertminderung des Fahrzeuges kann in solchen Fällen weiterhelfen. Infrage kommt hier allerdings meist nur ein Betrag bis zur üblichen Selbstbeteiligung bei der Kaskoversicherung. Darüber hinausgehende Beträge lassen sich rechtlich in der Regel nur bei grober Fahrlässigkeit oder Vorsatz durchsetzen.
. Unfallanalysen im Fuhrpark: Bei genauerer Betrachtung der bisherigen Unfälle lassen sich oft Schwerpunkte herauskristallisieren. Bei der Erstellung der Unterlagen können meist die Versicherung oder der Makler weiterhelfen.
Werden hier die Unfälle allerdings nicht genauer erfasst, kann auch eine eigene Unfallauswertung sinnvoll sein. Die Ergebnisse dieser Analyse können dann Maßnahmen im personellen, technischen oder organisatorischen Bereich nach sich ziehen. Denkbar ist hier zum Beispiel, dass vermehrt Unfälle im Nahbereich oder bei der Ausfahrt aus dem Firmengelände festgestellt werden (Spiegel an der Ausfahrt oder Ampel), dass Mitarbeiter spät abends auf der Heimfahrt Unfälle verursachen (Tourenplanung) oder die Unfälle bei den privaten Einkäufen am Wochenende vorkommen (Mitarbeiterbeteiligung, Einschränkung des Nutzerkreises in der Car Policy).
Häufen sich Unfälle, deren Ursache ist nicht klar ersichtlich sind, sollten Flottenchefs auf jeden Fall am Ball bleiben. Eventuell geht es ihnen dann so wie vor etlichen Jahren einem Fuhrpark mit Sitz in einer Großstadt. Erst nach längeren Analysen stellte sich heraus, dass vermehrt Kleinschäden um die Mittagszeit auftraten. Die Ursache war schnell ausgemacht: Die eigene Kantine wurde damals geschlossen und die Mitarbeiter mussten in ihrer kurzen Mittagpause auf die Schnelle etwas zu essen besorgen.
Fazit: altbewährte und kreative, neue Lösungen
Es gibt eine ganze Reihe von Maßnahmen, die zu mehr Sicherheit im Fuhrpark führen können. Neben dem Altbewährten sind oftmals auch neue kreative Wege erfolgreich. Auf jeden Fall sollten Sie nicht nur auf Fehlentwicklungen reagieren, sondern auch vorausschauend handeln. Hierbei hilft es auch, mit Kollegen offen zu diskutieren und die Ratschläge Dritter zu überdenken. Peter Hellwich
Buchtipp
Johann Gwehenberger; Jörg Kubitzki: „Schadenverhütung bei Fahrzeugflotten“, Allianz Zentrum für Technik (AZT), München 2006, 148 Seiten, 39,90 Euro. Bezug über den Buchhandel (ISBN 3-924934-04-5)