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Wenn die A-Klasse zu profan ist

Seit 2015 gibt es die Marke DS in Europa. Vier Modelle, von der Fünf-Meter-Limousine bis zum Mini-CUV, sind im Portfolio. Wir haben den neuesten, den kompakten DS 4 ins Visier genommen und sind überrascht.


Datum:
02.03.2022
Autor:
mb
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Kein Bock auf den Golf? Keine Lust, mit einem Octavia beim Kunden vorzufahren und die A-Klasse passt nicht zu Ihrem Unternehmen? Dann könnte der extravagante DS 4 etwas für Ihren Fuhrpark sein. Marktstart: genau jetzt.

Kleiner: ja, weniger: nein

Citroën und DS sind hierzulande keine klassischen Flottenvertreter. Doch gerade DS hat einige Pfeile im Köcher, die bei richtiger Anwendung ins Schwarze treffen können - zumindest bei den User Choosern. Zwar ist der von uns gefahrene DS 4 Blue HDi 130 keine Rakete, aber dieser Wunsch kommt hier kaum auf.

Der einzige Diesel im Programm startet bei 27.227 Euro und liegt damit auf A-Klasse-Niveau. Viel Geld für eine kompakte Basisversion? Ansichtssache. Die Klientel ist angeblich solvent und lässt sich den 4,40-Meter-Spaß einiges kosten - was sich laut DS in den Niveaus widerspiegelt. Franzosen und Italiener kaufen häufig vergleichsweise kleine Wagen und statten diese luxuriös aus. Das ist wohl der Parksituation und den Straßenverhältnissen in Mailand und Paris geschuldet. Ein sympathischer Ansatz. Und der DS 4 zeigt, dass weniger nicht immer weniger bedeutet.

Denn das, was der DS 4 bietet, haben einige in der oberen Mittelklasse nicht für Geld und gute Worte. Beispiele gefällig? Das Nappaleder kommt von bayerischen Kühen, die in einer Höhenluft atmen durften, in der es keine Stechmücken mehr gibt und kein Stacheldraht benötigt wird. Makelloses Leder ist das Ziel; und weniger "Ausschuss". Ob Leder noch immer das Nonplusultra ist, darf infrage gestellt werden. Ein feiner Veloursstoff (nein, kein Alcantara, das es im DS 4 gibt) würde einer traditionsbesessenen Marke wie DS, deren Gene auf dem Citroën DS basieren sollen, gut stehen. Dass Luxus kostet und dass man irgendwie auf die 42.000 Euro netto kommen muss, die dieser DS 4 im Rivoli-Trimm kostet, ist klar. Die Tierhaut aus den Alpen schlägt mit mindestens 3.530 Euro extra zu Buche. Die Sitze, auf die die Tierhaut gespannt wird, gehören zu den komfortabelsten des Segments.

Hand angelegt

Generell möchte die Marke DS die Handwerkskunst in den Fokus rücken und diese im Großserienfahrzeug ermöglichen. So ist an der unteren Lenkrad-Speiche des "Performance-Line" geschmiedetes Karbon zu finden. Ob man dieses Detail mag und wieso es lediglich an dieser Stelle im Fahrzeug zu finden ist, lassen wir offen. Es zeigt jedoch, wie sich DS ins Zeug legt, um eine Geschichte zu erzählen. Und da wird dann auch mal mit Begriffen wie Perlenstickerei, Guillochierung und Bracelet-Finish geprahlt, die jedoch beim Verkaufsgespräch auch entschlüsselt werden müssen. Wir machen es einfach: All das sieht sehr hochwertig aus und fühlt sich so an. Ob das Design des DS 4 innen wie außen gefällt, steht auf einem anderen Blatt. Verleugnen kann man nicht, dass der Kompakte durchaus selbstbewusst auftritt und mehr Größe darstellt, als er besitzt. Das spüren vor allem die Fondinsassen.

Der in der großen PSA-Welt omnipräsente 1,5-Liter-Diesel ist der einzige Selbstzünder im DS 4. Doch andere bieten gar keine Ölbrenner mehr an. Bis 2024 verabschiedet sich auch DS vom Diesel sowie vom klassischen Benziner und elektrifiziert alles. Ab dann wird es den DS 4 auch rein elektrisch geben. Bisher können maximal 50 Prozent bei der Versteuerung gespart werden, wenn der Plug-in-Hybrid, der es auf 225 PS bringt, gewählt wird. Zurück zum Selbstzünder. Er verrichtet seine Arbeit gut, solange man im Verkehr mitschwimmt. Auf der Autobahn erhebt er oft seine Stimme, was Doppelverglasung (Rivoli) und Dämmmaterial beflissen zu vertuschen versuchen. Notfalls hilft das klangstarke Focal-Soundsystem (ab 672 Euro), die übriggebliebenen "Nebengeräusche" zu eliminieren.

Auf der Autobahn sucht nämlich die Achtgang-Automatik (Serie) oft nach mehr Leistung in den Tiefen des kleinen Diesels und denkt, diese durchs Runterschalten zu finden. Das klappt jedoch nicht. Richtgeschwindigkeit ist daher das optimale Tempo für den Diesel und Kilometerschrubber am Volant, der sich über 4,8 Liter Verbrauch freuen könnte. Wer den Einsfünfer ausreizt, schafft nach langem Anlauf im vorletzten Gang bei hoher Drehzahl vielleicht auch mal 203 km/h. Aber das will man nicht.

Guter Fahrkomfort

Eher genießt man den trotz 20-Zoll-Rädern guten Abrollkomfort, wenngleich auch die Franzosen mittlerweile "straff" fahren. Als Schmankerl scannt das kameragesteuerte Adaptivfahrwerk (840 Euro) die Fahrbahn, erkennt Löcher und schaltet in Sekundenbruchteilen die Dämpfer auf weich. Hört sich kompliziert an, ist es sicherlich auch, merkt man aber nichts davon - manchmal auch nichts von den Löchern. Somit ist fürs Wohlbefinden der Insassen auch aus dieser Sicht abermals gesorgt.

Apropos Sicht. Viel sehen Hintensitzende und Rückblickende nicht. Das kleine Heckfenster und die massiven C-Säulen versperren die Sicht und man erahnt eher, was (schräg) hinter einem passieren könnte. Assistenten sollen auch im DS 4 dieses Manko überdecken. Als weitere Besonderheit an Bord: Ein Nachtsichtgerät (1.680 Euro), das allerdings nach vorne schaut und mehr erkennt als das menschliche Auge. Dass jedoch das Fahrerdisplay, in dem die Infos angezeigt werden, so klein geraten ist, dass es aus dem Corsa stammen könnte, enttäuscht. Astrein funktioniert aber das Head-up-Display, das sogar die Fahrspurempfehlung bunt in die Windschutzscheibe projiziert.

Erdacht und designt wurde der DS 4 in Frankreich. Das merkt man schnell an den Eigenheiten, die auch dieser DS besitzt. Es fühlt sich jedoch bei unserem ersten Kontakt so an, als ob man jetzt mehr Wert auf Bedienbarkeit gelegt hat. Das neue Touch-Display in der Mittelkonsole funktioniert gut, ist hilfreich und sieht (sauber gewischt) hochwertig aus. Produziert wird der DS 4 übrigens in Rüsselsheim. Das zur Info für alle, die doch etwas Golf- oder A-Klasse-Flair haben wollen.

DS 4 Blue HDi 130 Rivoli

Testwagenpreis: 44.118 EuroR4/1.499 cm³ | 96 kW/130 PS 300 Nm ab 1.750 U/min | 8-Gang-AT 203 km/h | 10,9 sWLTP-Verbrauch: 4,8 D | 127 g/kmEffizienz: A 4.400 x 1.830 x 1.470 mm 430 - 1.240 lHK: 17 | VK: 22 | TK: 21Wartung: 30.000/jährlichGarantie: 2 JahreAlle Preise netto zzgl. Umsatzsteuer

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