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Ausgabe 01/02/2020

Das Ende des Firmenwagens?

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Beim Kampf um Fach- und Führungskräfte bleibt der Firmenwagen weiterhin ein sehr wichtiges Arbeitgeberangebot.
© Kara/Fotolia

Mehr als 1.000 Arbeitnehmer aus München und Umgebung wurden über das Angebot ihrer beruflichen Mobilität und den persönlichen Präferenzen befragt. Das exklusiv in Autoflotte zu lesende Ergebnis überrascht.

Das KompetenzCentrum für Future Mobility (KCFM) der FOM Hochschule für Ökonomie und Management am Studienzentrum München führte im Sommer 2019 eine Studie unter mehr als 1.000 Arbeitnehmern durch, um den Status quo und die Treiber für die zukünftige berufliche Mobilität herauszufinden. Dabei wurden über einen repräsentativen Querschnitt der Berufsgruppen und einen nicht repräsentativen Querschnitt der Altersgruppen (Schwerpunkt 18-35 Jahre) Teilnehmende über das Angebot ihrer Arbeitgeber in und um München befragt.

Wie Arbeitnehmer unterwegs sind

Demnach fahren aktuell mehr als 50 Prozent der Arbeitnehmer mit dem Auto zur Arbeit. Lediglich ein Drittel wird über öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) oder die Deutsche Bahn bewältigt. Das Fahrrad liegt bei knapp unter zehn Prozent. Bei Dienstfahrten liegt die Pkw-Nutzung noch um zehn Prozent höher.

Bei den Münchener Unternehmen wurden selbstverständlich auch zukunftsträchtige Lösungen wie Mobilitätsbudgets, Unterstützung beim Aufbau der Ladeinfrastruktur zu Hause (für E-Fahrzeuge) oder Lademöglichkeiten privater Fahrzeuge am Arbeitsplatz abgefragt. Ebenso standen Zuwendungen in Form von Bahncard, Firmenfahrrad, Dusch- und Umkleidemöglichkeiten bis hin zu Klassikern wie ein Fahrtkostenzuschuss, das Jobticket oder eben der Firmenwagen im Fokus - im Grunde alle derzeit möglichen Benefits. Das Ergebnis erstaunt. Denn an der Spitze bei den Angeboten der Unternehmen liegen mit deutlichem Vorsprung der Firmenparkplatz, die Dusch- und Umkleidemöglichkeiten und der Fahrtkostenzuschuss. Im Mittelfeld befinden sich hingegen Jobticket und der Firmenwagen. Die "neueren" Unterstützungsmöglichkeiten spielen bislang eine noch untergeordnete Rolle. Insbesondere beim Thema Mobilitätsbudget zeigt sich im Vergleich zu den Fachdiskussionen eine sehr geringe Wahrnehmung der Befragten. Dies kann allerdings mit dem aktuellen geringen Bekanntheitsgrad der teilweise komplexen Angebote zusammenhängen - oder eben der Tatsache, dass vieles noch immer Theorie ist.

Fahrtkostenzuschuss + Jobticket

Doch korrelieren die Angebote der Unternehmen mit den Erwartungen der Mitarbeiter? Teilweise. So liegen beispielsweise Fahrtkostenzuschuss oder Jobticket bei den Arbeitnehmern vorne. Diese Wünsche werden jedoch dicht gefolgt von dem Firmenwagen mit privater Nutzung und einer gesicherten Parkmöglichkeit in der Nähe des Arbeitsplatzes. Ebenfalls im Topsegment der Antworten sind Dusch- und Umkleidemöglichkeiten am Arbeitsplatz für Fahrradfahrer zu finden. Hier können die Arbeitgeber punkten. Dass beispielsweise das Laden von privaten E-Fahrzeugen (noch) keine Rolle spielt, leuchtet ob der aktuellen Verbreitung der Stromer ein - das wird sich in den kommenden Jahren aber sicherlich ändern.

Arbeitgeberattraktivität

Die Chance aus derartigen Auswertungen, die das Angebot von Arbeitgebern mit den Wünschen von Arbeitnehmern gegenüberstellen, ergibt sich aus dessen Abgleich. Daher kann bestätigend abgeleitet werden, wo sich die Arbeitgeber bereits auf einem zeitgemäßen Pfad befinden (z. B. Zurverfügungstellung von Dusch- und Umkleidemöglichkeiten); ebenso ist aber zu erkennen, wo sich noch Diskrepanzen abzeichnen (z. B. größerer Wunsch nach Firmenfahrzeug, als das Angebot es aktuell hergibt). Das wiederum hebt Potenziale, um bei der Arbeitgeberattraktivität die Weichen zu stellen.

Um ein Bild darüber zu erhalten, wie die Mobilität der Arbeitnehmer in der Zukunft aussehen könnte, wurden die Arbeitnehmer auch gefragt, wie sie in die Arbeit fahren würden, wenn sie die von ihnen favorisierte Unterstützung vom Arbeitgeber erhalten würden. Hier verschiebt sich das Bild nun deutlich hin zum Pkw (70 Prozent). Getrieben vom großen Wunsch nach einem Firmenwagen gaben 35 Prozent der Befragten an, dass sie mit dem Firmenfahrzeug in die Arbeit fahren würden, wenn sie denn von ihrem Arbeitgeber ein solches erhielten.

Statussymbol Firmenwagen

Nun würde man vermuten, dass dies primär die ländliche Bevölkerung so sieht. Sicherlich liegt hier ein Schwerpunkt, der mangels attraktiver Mobilitätsalternativen auch erwartet werden konnte. Dass allerdings 34 Prozent der in der Innenstadt wohnenden und auch dort arbeitenden Menschen angaben, mit dem Firmenwagen zum Arbeitsplatz zu fahren, wenn sie denn einen bekämen, lässt besonders im staugeplagten München aufhorchen. Insbesondere die Diskussion in der Fachwelt, dass Firmenwagen bei jungen Stadtbewohnern an Bedeutung verlören, scheint sich zumindest in der bayerischen Landeshauptstadt nicht zu bestätigen. Auch die Frage nach der Rolle des Firmenwagens als Statussymbol bestätigt diesen Trend. Der Firmenwagen wird in allen Arbeitnehmerschichten als wichtiges Statussymbol angesehen, auch bei der urbanen Bevölkerung.

Auto ersetzt ÖPNV

Bedenklich stimmt allerdings in diesem Zusammenhang die Betrachtung, welche Mobilitätsformen durch den Firmenwagen substituiert würden. Die Nutzung des ÖPNV würde den Angaben zufolge von 28 auf nur noch 18 Prozent sinken, während das Firmenfahrzeug von sieben auf 35 Prozent ansteigen würde. Auch wenn ein Teil dieser Substitution hin zum Firmenfahrzeug aus dem bisherigen eigenem Pkw resultiert, muss dies zumindest unter Umweltgesichtspunkten zum Nachdenken anregen. Insbesondere wenn man betrachtet, dass bei der urbanen Arbeitnehmerschaft die 34 Prozent zukünftige Firmenwagennutzung im Wesentlichen aus der bisherigen starken 45-prozentigen ÖPNV-Nutzung rekrutiert werden, die dann ihrerseits auf 27 Prozent abschmelzen würden, entspricht dies dem genauen Gegenteil der aktuellen gesellschaftlichen Diskussion sowie dem Bestreben der Politik. Es zeigt aber auch ganz klar, dass der Firmenwagen keineswegs ausgedient hat, sondern weiterhin, wenn nicht mehr denn je ein sehr wichtiges Arbeitgeberangebot beim Kampf um Fach- und Führungskräfte sein wird.

Ob München nun ein spezieller Fall ist, wird sich zeigen. So hat die Studie lediglich das faktische Abbild der befragten Arbeitnehmergruppen in München und Umgebung gezeigt. Um auch einen Eindruck über die Entwicklungen in anderen Regionen zu erhalten, ist nun eine Ausweitung der Studie auf andere Ballungsräume in Deutschland vorgesehen. Wir können gespannt sein.

Professor Dr. Roland Vogt ist seit September 2016 Professor für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Strategisches Management an der FOM am Hochschulzentrum München. Seit September 2019 ist Vogt Leiter des KCFM KompetenzCentrums für Future Mobility. Zudem ist der langjährige Flottenexperte Gründer des Instituts zegemo: Zentrum für geschäftliche Mobilität. Er unterstützt dabei Unternehmen mit Beratung, Coaching und Training im Bereich der Firmenmobilität.

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1 Kommentar

1 04.02.2020 Wolfgang Weiss

Ein spannender erster Eindruck, der natürlich seine statistische Bestätigung in weiteren Metropolen und Altersgruppen finden muss.Aber fassen wir zusammen: Attraktive Mitarbeitersegmente, zu mindestens in München, legen auch Wert auf die Mobilitätsform Firmen-PKW , die uns als nicht mehr zeitgemäß und dazu umweltproblematisch bekannt ist.HR und Fachabteilungen müssen das berücksichtigen, wenn sie gute Mitarbeiter (m,w,d) gewinnen und langfristig halten wollen. Tägliche frische Obstschalen, Kicker-Turniere und Fitnessstudiomitgliedschaft sind kein Garant die Besten zu finden.


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