suchen
Ausgabe 05/2016

Das Prinzip "Wisch und weg"

1180px 664px
Sobald das Auto nicht genutzt wird, können Autopfleger es reinigen. So bleibt dauerhaft ein sauberer Gesamteindruck
© My Cleaner

Sie arbeiten im Hintergrund und reinigen ein Auto völlig ohne Wasser. Die mobile sowie umweltfreundliche Autoreinigung ist aber längst nicht die einzige neue Leistung von Flottendiensten.

_ Reisen bildet und sorgt bisweilen auch für dauerhafte Bindungen. So geschah es Abdula Hamed, der während seines Studiums des Biomedical Engineerings einmal per Fahrgemeinschaft mit Slawa Kister zusammen tourte. Aus den üblichen Gesprächen während der Fahrt erwuchsen Ideen und schließlich der Wille, Neues zu wagen. 2011 wurde aus der Therorie dann Wirklichkeit. Seitdem zeigt der Dienstleister "My Cleaner", wie umweltfreundliche, mobile Fahrzeugpflege funktionieren kann. Mobil heißt in diesem Fall, dass die Fahrzeugpfleger zum Kunden kommen, was wiederum die Umweltverträglichkeit des Dienstes voraussetzt, da gewerbliche Fahrzeugwäschen eine Abscheideranlage erfordern.

Schutz vor Schmutz

Die Idee ist so simpel wie griffig. Der Kunde parkt sein Auto in der Firma oder während eines Kundentermins. In der Zwischenzeit poliert ein Autowäscher das Fahrzeug von außen und reinigt es wahlweise von innen - ganz wie der Firmenwagenfahrer es wünscht oder wie es der Flottenmanager für seinen Fuhrpark geregelt hat. Zum Einsatz kommen dabei spezielle Reinigungsmittel, die kein Wasser benötigen, um den Außenlack von Schmutz oder Insekten sowie die Innenpolster von Flüssigkeiten und Staub zu befreien. Diese ersann der Biomedizintechniker Hamed zusammen mit einem Partner. "Die neu entwickelten, wasserlosen Reinigungsmittel waren sozusagen Mittel zum Zweck. Dabei war es uns wichtig, dass die Reinigungsmittel hundertprozentig biologisch sind."

Neue Versiegelung

Sauber ohne Wasser ist bei typischen Makeln, wie Taubenkot oder dem Frontgrill voller Fliegen, schwer vorstellbar. "Das ist aber kein Problem mit unserer Technik. Das Reinigungsmittel erzeugt einen dünnen Schutzfilm auf dem Lack des Autos und versiegelt ihn gewissermaßen. Hierauf sammelt sich dann der Schmutz, den wir bei der Autopflege einfach abwischen können", erklärt Hamed das Prinzip "Wisch und weg", das sinnbildlich auch für den Service selbst steht. Ein Reinigungsmittel pflegt den gesamten Außenbereich - von den Felgen bis zu den Außenspiegeln. Für die Innenscheiben kommt ein Glasreiniger hinzu.

Einen Feind kenne die mächtige Versiegelung dennoch, wie Hamed verrät: "Wenn man das Auto zwischenzeitlich durch die Waschstraße fährt, verliert es seinen Schutzfilm, da die Reinigungsbürsten die aufgetragene Wachsschicht abtragen. Deshalb raten wir davon eher ab."

Öko wird verlangt

Der bewusste Beitrag zum Umweltschutz ist es auch, der Flottenbetreiber veranlasst, ihre Fahrzeuge von den mobilen Servicekräften auf Hochglanz bringen zu lassen."Die ökologische Komponente ist den Unternehmen extrem wichtig. Aber natürlich muss auch der Preis für unsere Fahrzeugpflege konkurrenzfähig sein", betont Hamed.

Wobei die Pflege nicht das Einzige ist, was die aktuell gut 50 Mitarbeiter bundesweit erledigen, wie der Gründer berichtet: "Flottenmanager, die uns beispielsweise ihre Poolfahrzeuge anvertrauen, können neben der Pflege auch einen technischen Check buchen. Wir kontrollieren hier das gesamte Auto auf Schäden und machen entsprechende Fotos, die wir als digitale Akte des Fahrzeugs in die Cloud hochladen. Auf die kann der Fuhrparkmanager jederzeit zugreifen." Nebenbei kontrollieren und regulieren die mobilen Fahrzeugpfleger auch die Betriebsflüssigkeiten und den passenden Reifendruck der Autos.

Digitale Akte

Die digitale Fahrzeugakte beinhaltet neben den Infos zu den Reinigungen auch Vorher-Nachher-Bilder eines jeden Einsatzes samt einer Schadendokumentation. Für die Pflege von Poolfahrzeugen oder von Carsharingmodellen, die der Flottenmanager nicht so oft selbst in Augenschein nehmen kann, ist diese Variante recht praktisch. So kam es nicht von ungefähr, dass mit dem in Hannover ansässigen Car-Sharing-System Quicar ein erster Großkunde aus diesem Segment den Stuttgartern die Pflege seiner Flotte anvertraute. Mittlerweile reicht das Spektrum an Auftraggebern vom Malerbetrieb über die Kfz-Werkstatt bis zur Anwaltskanzlei oder einer bundesweit aktiven Unternehmensberatung wie Capgemini."In vielen Fällen probieren erst der Firmeninhaber oder der Geschäftsführer unsere Leistungen aus und weiten diese dann auf andere Teile der Firmenflotte aus", verrät Hamed.

In der Praxis läuft dies recht unspektakulär ab: Der Mitarbeiter fährt mit einem umgebauten Servicefahrzeug zum Kunden und hat neben den Reinigungsmitteln einen kleinen Generator dabei, um für hartnäckige Fälle im Polsterbereich mit Handstaubsauger und Waschsauger gewappnet zu sein. Wischwasser zum Nachfüllen ist ebenso dabei wie ein kleiner Kompressor für die Luftdruckregulierung.

Maximal zwei Stunden

Bei Firmenkunden kalkuliert der Dienstleister ungefähr 75 Minuten pro Reinigung, im Privatbereich, der etwa gleich groß ist, wo allerdings oft erst bei größeren Verschmutzungen die Profis zu Hilfe gerufen werden, dauert der Einsatz im Schnitt knapp zwei Stunden. Vor der Leasingrückgabe verlangen die Flotten oft eine Premiumreinigung, die bundesweit kundenindividuell einheitlich abgerechnet wird.

Bei festen Terminen hat sich die Logistik aus Anfahrt, Parkplatz und Schlüsselübergabe schnell eingespielt. Das Besondere bleiben aber spontane Termine, etwa während eines Kundenbesuchs. "Bis zu zwei Stunden vorher kann uns der Fahrer informieren, wann wir das Fahrzeug wo reinigen können. Dabei besprechen wir kurz den Zugang unseres Mitarbeiters zum Auto.

Jedem Auftrag wird dazu ein Foto des jeweiligen Mitarbeiters beigefügt, sodass zum Beispiel der Empfang weiß, dass dies ein My-Cleaner-Mitarbeiter ist", berichtet der Firmenmitgründer. Da meist Firmenparkplätze als Reinigungsorte dienen, fallen in der Regel keine Parkgebühren an.

In diesem Jahr sollen gut 20 bis 30 neue mobile Fahrzeugpfleger das Team erweitern. Mit Hamburg und Berlin wurden zudem gerade die letzten noch fehlenden deutschen Großstädte in das System integriert. Hamed: "Woran wir jetzt noch arbeiten, ist ein Dashboard für den Flottenmanager, das auf einen Blick zeigt, wie viele Autos gereinigt worden sind, und welches gleichzeitig angibt, wie viel CO2 und Wasser dabei eingespart worden sind." Damit finden sich Ökonomie und Ökologie in einer Bilanz wieder.

Ein mobiles Pflegeteam können Flottenbetreiber aber auch über "Carbutler" ordern. Der Flottendienstleister Arwe stellte diesen Service, der die Firmenwagenfahrer und die Flottenverantwortlichen effektiv entlasten soll, erst im März dieses Jahres vor. Nach der Online-Registrierung kann jedes Flottenfahrzeug vom Butler abgeholt und zurückgebracht werden. Das Reinigen des Fahrzeugs kann direkt vor Ort durchgeführt werden oder es geht klassisch in die Waschstraße. Zu Werkstattterminen oder zum Reifenwechsel holt der Butler das Auto ebenfalls ab. Selbst ein Hemden- oder ein Blumenservice lässt sich über die Plattform buchen - falls es mal wieder spontan auf Reise geht.

360px 106px






Ihr Kommentar zum Artikel

© Copyright 2021 Autoflotte online

Schon gelesen? Die Top-Nachrichten

img
Medien

Audi zieht Verbrenner-Ausstieg vor

Noch gut zehn Jahre wollen die Ingolstädter Modelle mit Benzin und Dieselmotoren anbieten. Danach soll der Wandel zur Elektromarke abgeschlossen sein.


img
"Wertmeister 2021"

Deutsche Dominanz gebrochen

Die Importmarken haben beim Restwert aufgeholt – in vielen Klassen liegen ihre Modelle im Spitzenfeld. Und auch das preisstabilste Auto kommt aus dem Ausland. 


img
E-Auto-Studie

Tesla-Fahrer sind am zufriedensten

Eine Untersuchung des Marktforschungsunternehmens Uscale zeigt, dass die Zufriedenheit von E-Auto-Fahrern mit ihrem Fahrzeug deutlich variiert. Am häufigsten Kritik...


img
Sixt und Siemens intensivieren Partnerschaft

Neue Mobilitätslösung für Mitarbeiter

Sixt und Siemens verbindet eine langjährige Partnerschaft. Diese vertiefen die beiden Konzerne nun mit dem neuen Produkt "Sixt Longterm Flex", das den Siemens-Mitarbeitern...


img
Tesla-Ladesäulen

Scheuer für Öffnung für andere E-Autos

Verkehrsminister Scheuer macht sich dafür stark, dass die Bestandsinfrastruktur für Ladesäulen für E-Autos geöffnet wird. So soll Tesla seine "Supercharger" auch...