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Ausgabe 09/2019

Die Schramme wird zum Fall

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© AUTOFLOTTE

Das Einzelereignis prägt die Bilanz. Wer seine Schäden und damit die Versicherungskosten in den Griff bekommen will, sollte aus dem Einzelfall die richtigen Schlüsse ziehen, rät Allianz-Experte Ralph Feldbauer.

Der Präventionsgedanke ist der Schlüssel zur Steuerung der Schadenbilanz im Fuhrpark. Wenn Ralph Feldbauer dies sagt, verwundert dies zunächst nicht, denn er ist oberster Risk-Manager bei der Allianz. Dennoch greift seine Argumentation, sobald man sich gewahr wird, wann eigentlich ein Unternehmen entscheidet, dass er mit dem Versicherer in Verhandlungsgespräche geht? Das passiert laut Feldbauer zum einen, wenn die Kosten insgesamt aus dem Ufer laufen oder wenn es einen schweren Unfall mit Sach- oder Personenschaden im Unternehmen gab. Beide Ereignisse haben den gleichen Grund: den singulären Unfall. So sieht der Flottenprofi und langjährige Risikoexperte auch nicht in der Schadenquote die alleinige Stellgröße, sondern vielmehr in der Schadenhäufigkeit.

Denn diese kommt einem Mentalitätscheck gleich. Sprich, wie gehen die Dienstwagenberechtigten mit dem Fahrzeug um? "Die Antwort hat eine lokale, mentale, aber durchaus auch branchentypische Ebene", meint Feldbauer. Am Ende bleibt aber der einzelne Fahrer mit seinem einzelnen Schadensereignis. Erst die Häufigkeit zeichnet ein Muster, das man mit Präventionsarbeit aufbrechen und korrigieren kann. Dies ist immer individuell und damit extrem aufwändig.

Transparente Prozesse

Aber, so Feldbauer, genauso verstehen wir unsere Kundenbeziehung zu den Großflotten, das sind höchst individuelle Kontrakte, die auf die Eigenheiten des Unternehmens eingehen. Ein Beispiel sind die Meldewege. Wenn es gekracht hat, will ein Unternehmen eher, dass seine Fahrer sich per Telefon melden, andere präferieren eine Online-Meldung und der dritte will eine App. "Wir können alles", bestätigt der Experte. "Entscheidend ist, dass die nachgelagerten Wege in einandergreifen. Das klappt nur, wenn die Prozesse digital und transparent sind." So spielt die Allianz mit der sogenannten "Schaden-Kurz-Analyse" ihren Flotten diesen Überblick regelmäßig zu. In dem Moment liegt der Ball aber wieder beim Fuhrparkleiter, der aus dem Schadenbild und seinen Dienstwagenfahrern eine Strategie entwickeln sollte, die Feldbauer auf drei Säulen stellt. Punkt eins: Die Sicherheit der Fahrer. "Wenn man Unternehmen fragt, wie viel sie fürs Recruiting ihrer Mitarbeiter ausgegeben haben, und dann sieht, wo beim Thema Dienstwagen an Sicherheitsausstattung gespart wird, ergibt sich ein Delta, das sich nicht immer erklären lässt."

Der zweite Aspekt sind die Kosten. Ob das erwähnte Schadengroßereignis, das zum Umdenken führt, oder jeder einzelne Bagatellunfall betrachtet - alle Schäden sorgen für hohen betrieblichen Aufwand und indirekte Kosten. Diese sollte der Fuhrparkleiter kennen, um damit für seine Präventionsstrategie gegenüber der Unternehmensführung und gegenüber dem Firmenwagenfahrer zu argumentieren. Denn kein Schaden ist zufällig, findet der Experte und fordert: mit Fakten gegen das Bauchgefühl zu argumentieren. Der dritte Teil begründet sich in der Halterhaftung, beschreibt also den rechtlichen Rahmen. Ein durchaus wirksames Mittel, um auch gegenüber anderen betrieblichen Akteuren auf die Wichtigkeit von Präventionsarbeit hinzuweisen, sagt Feldbauer.

Risk-Management-Team wächst

Für die Analyse, die Ausarbeitung einer Präventionsstrategie und deren dauerhafte Umsetzung sorgen die Allianz-Kollegen und Mitarbeiter von Feldbauer, dessen Team auch personell wachsen soll. Risk-Management gewinnt also an Bedeutung. Der kontinuierliche Austausch zwischen Fuhrpark und der Allianz findet dabei immer öfters per Telefonkonferenz oder Web-Meeting statt. "Natürlich kann der Fuhrpark fürs Risk- oder Schadenmanagement auch auf externe Partner zugehen. Die nötigen Daten kann er bei uns per Aufruf oder per Schnittstelle erhalten.

Was aber einer unserer größten Vorteile ist, ist die jahrelange Erfahrung und die hohe Zahl an regulierten Schäden. Was für die Risikobewertung einer Flotte entscheidend ist", betont der Manager. Zudem gehöre zum fairen Miteinander auch, dass man langfristig zusammenarbeitet. Beitrag und Schaden sind zwei Dinge, die mal den einen Partner mehr belasten als den anderen. Hier einen langfristigen Ausgleich zu finden, ist unsere Stärke, wirbt der Profi. Denn auch die Präventionsarbeit greift selten sofort.

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