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Ausgabe 05/2019

"Intermodale Mobilität"

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© AUTOFLOTTE

Im Interview mit Autoflotte spricht Volkswagen-Leasing-Geschäftsführer Knut Krösche über die größte Automobilleasinggesellschaft Europas, das digitale Reiseportal, Elektroautos und über die nächsten zwölf Monate.

Herr Krösche, in den letzten Monaten ist bei Volkswagen Financial Services (VWFS) viel passiert. Von der 60-Prozent-Beteiligung bei Fleetlogistics bis hin zum kompletten Kauf von Logpay Financial Services. Was sind aus Ihrer Sicht die wichtigsten Aspekte, die VWFS nun zusätzlich abdecken kann?

Knut Krösche: Alles wird digitaler, alles wird schneller. Doch eins ist im digitalen Zeitalter wichtiger denn je: Man muss ein zuverlässiger Partner sein. Und als solcher müssen wir als Volkswagen Financial Services unsere Dienste sinnvoll erweitern. Mit der Übernahme von Logpay haben wir ein eigenes Tankstellenbezahlsystem und können damit unsere Um-Zu-Geschäfte wie Laden, Tanken, Maut etc. erweitern. Und genau diese Schnittstellen benötigen wir, um den Kontakt zum Kunden intensivieren zu können.

Mit Fleetlogistics, an der wir seit kurzem mit 60 Prozent beteiligt sind, blicken wir noch weiter nach vorne. Wir wollen besonders bei der intermodalen Mobilität, also der Verschmelzung von Flotte und Reise, unseren Footprint in Europa setzen. Mitarbeiter müssen nicht mehr ausschließlich mit dem eigenen Auto von A nach B kommen. Es gibt viele Möglichkeiten dafür, und die wollen wir anbieten. Wir warten hier aktuell noch auf die Freigabe durch die Kartellbehörden.

Stichwort Reiseplanung. Wie ist VWFS dort weitergekommen, um vor allem auch Fuhrparkmanager zu entlasten, die immer mehr zum Mobilitätsmanagern werden.

K. Krösche: Aktuell pilotieren wir eine Art digitales Reiseportal inklusive App für die Mitarbeiter unserer Kunden. Darüber können sie ihre gesamte Reise planen, buchen und abrechnen. Perspektivisch werden wir dann auch Mobilitätsbudgets dort integrieren. Wir gehen aktuell von einem Marktstart des Produkts für Anfang nächsten Jahres aus.

Das bedeutet auf der anderen Seite, dass klassisches Leasing nur noch ein Bestandteil des Ganzen sein wird? K. Krösche: Leasing im größeren Sinne wird ein Allerweltsprodukt werden. Für Flottenkunden ist es das bereits, mit all dem Service, den der Fuhrparkkunde sich wünscht. Und genau diese Services wünschen sich auch immer mehr Privatkunden im Sinne einer planbaren Mobilitätsrate. Grundsätzlich wollen wir als Mobilitätsdienstleister auf dem Fahrersitz Platz nehmen. Und dafür tun wir einiges.

Von welcher Neuerung profitieren Ihre Bestandskunden am meisten?

K. Krösche: Ganz klar: vom vollumfänglichen Angebot als Mobilitätsdienstleister in ganz Europa. Wir haben uns bewusst für eine 60-prozentige Beteiligung an Fleetlogistics entschieden, weil wir viel Erfahrung bei Joint Ventures haben - beispielsweise in unseren Märkten Niederlande, Belgien und Norwegen. Man muss nicht alles neu erfinden, um gut zu sein. Starke Partner und entsprechende Commitments sind heutzutage der Schlüssel zum Erfolg. Man muss nicht immer alles alleine machen.

Stichwort Multibrandgeschäft: Sie haben vor einem Jahr gesagt, dass Sie einen Fremdmarkenanteil von zehn Prozent bei Volkswagen Financial Services für realistisch halten. Passt die Einschätzung noch?

K. Krösche: Von unseren insgesamt rund 1,4 Millionen Leasingverträgen im Bestand der Volkswagen Leasing entfallen etwa 670.000 Fahrzeuge auf reine Großkunden. Damit sind wir die größte Automobilleasinggesellschaft in Europa. Im Jahr 2025 sehe ich für den Großkundenbereich sogar mittlerweile ein Fremdmarken-Potenzial von 15 bis 20 Prozent. Ehrlicherweise ist Fremdmarkenfähigkeit heutzutage ein Muss, um erfolgreich im Geschäft zu bleiben - besonders bei internationalen Ausschreibungen.

Was sind Ihre Erwartungen an die neue Elektromarke I.D.? Wird die im Flottengeschäft einschlagen?

K. Krösche: Der I.D. wird für Flotten auf jeden Fall relevant sein. Auch wenn das Fahrzeug außen eher die Golf-Größe hat, geht der Innenraum eher in Richtung Passat.

Der I.D. wird typische VW-Tugenden besitzen und damit volumenfähig sein. Wir vermuten, dass die neue Generation der Elektrofahrzeuge dem Leasing einen weiteren Schub verleihen wird und rund 80 Prozent dieser Fahrzeuge in unseren Büchern landen.

Gibt es für die E-Modelle spezielle Pakete, über die Sie bereits sprechen können?

K. Krösche: Noch nichts Konkretes. Wir werden in jedem Fall tolle Leasingangebote bereitstellen. Zudem wird es bei den E-Fahrzeugen mehr Flottenrückläufer geben, die auch in der Leasing-Wiedervermarktung attraktiv sein könnten, was aus Leasinggebersicht, aber auch aus Kundensicht erstrebenswert ist. Leasing nimmt den Kunden eventuelle Unsicherheit hinsichtlich des Wiederverkaufs.

An welche Flotten denken Sie beim I.D.?

K. Krösche: Der I.D. ist kein klassisches Management-Car. Das erste Modell zum Start ist eine Art Golf. Die Innenraumgröße geht aber eher in Richtung Passat. Er passt für jeden, ist unaufdringlich und man ist mit ihm stets gut gekleidet. Ich denke da an Außendienstler mit einem planbaren Aktionsradius und insbesondere auch die, die viel innerstädtisch unterwegs sind. Sicherlich werden auch User Chooser dabei sein, die kein größeres Auto benötigen, selbst wenn sie eins fahren dürften.

Sind nicht auch Taxigewerbe und Fahrschulen prädestiniert?

K. Krösche: Ja, in der Tat sind Fahrschulen relevant. Vor allem, wenn sich beim Thema Lernen auf Handschaltung vs. Automatik noch etwas tut. Für das urbane Einsatzgebiet kann der I.D. sicherlich Taxis mit Diesel ersetzen. Auch wegen des geräumigen Innenraums ist er ein guter People-Mover. Er wird wohl auch bei Carsharing-Flotten super einsetzbar sein. In Großstädten wird die Ladeinfrastruktur immer besser, sodass auch das Laden von Free-Floating-Lösungen, also ohne festen Standort, realisierbar ist. Bei Pflegediensten sehe ich den I.D. wegen der Größe (Kompaktklasse) und Kosten aktuell eher nicht.

Die Charge&Fuel-Card ist ein VWFS-Gewächs. Sie vereinfacht das Kraftstoffund Strom-Tanken an fast 10.000 Tankstellen und ebenso vielen Ladepunkten in Deutschland. Was sind die Vorteile im Vergleich zu anderen Tankkarten?

K. Krösche: Mit der Charge&Fuel-Card und der Charge&Fuel-App können Kunden Strom laden und fossile Kraftstoffe tanken, ohne die Geldbörse zücken zu müssen. Das erleichtert nicht nur das Bezahlen durch den Firmenwagenfahrer. Das Unternehmen erhält so nur eine zentrale Rechnung, in der alle Lade- und Tankumsätze zusammengefasst sind. Aktuell arbeiten wir auch an der Internationalisierung der Charge&Fuel-Card.

Auch das Bezahlen von Parkplätzen gehört mittlerweile zum Kerngschäft von Volkswagen Financial Services. Wie profitieren Großkunden davon?

K. Krösche: Das stimmt. Wir sind mit unserer Tochtergesellschaft Sunhill Technologies in Deutschland und mit unserer kanadischen Tochter PayByPhone weltweit der größte Anbieter bei der digitalen Abwicklung von Parktransaktionen. Mit der Parking-App von Sunhill Technologies lassen sich 480.000 Parkplätze in Deutschland finden und bezahlen; und zwar in 160 Städten und Gemeinden sowie in rund 300 Parkhäusern. Ab Sommer kann der Firmenwagenfahrer sogar via Klick bestimmen, ob er seinen Parkvorgang privat zahlt oder während einer dienstlichen Fahrt auf eine Firmenrechnung steuert, die direkt mit der Parking-App abrechnet. Das vereinfacht das Bezahlen immens und man muss nicht wegen 3,50 Euro eine separate Abrechnung vornehmen.

Ihr Ausblick für die nächsten zwölf Monate. Auf welches Thema innerhalb der Volkswagen Financial Services freuen Sie sich am meisten?

K. Krösche: Da gibt es einige. Im April ging das Kundenberatungskonzept los. Die neue Struktur umfasst nicht nur eine Verkleinerung der Vertriebsgebiete, sondern auch einen ganzheitlichen Beratungsansatz rund um Mobilitätsdienstleistungen. Ein weiterer Baustein ist die Stärkung des Multibrand-Geschäfts als Full-Service- Provider. Stillstand heißt für uns Rückschritt. Trotz unseres positiven Geschäftsverlaufs der letzten Jahre müssen wir uns immer weiter verbessern, was primär durch die Fokussierung auf den Kunden gelingt. Das bedeutet konsequenterweise auch, dass Fuhrparkleiter einen festen Ansprechpartner oder zumindest ein "bekanntes" Team haben. Der Slogan "One Face to the Customer" ist wichtiger denn je.

Hinzu kommt, dass der Vertrieb vom "SaveDrivePod" Fahrt aufnimmt. Der Pod schränkt die Handynutzung während der Fahrt ein, wodurch sich die Fahrersicherheit erhöht. Die ersten Auswertungen unserer Kunden bestätigen uns, dass auch die Unfallquoten runtergegangen sind. Der SafeDrivePod rechnet sich dann von ganz alleine.

Herzlichen Dank für das Gespräch, Herr Krösche.

Interview: Michael Blumenstein

Zur Person

Knut Krösches Automobilkarriere begann im Vertrieb der Saab Deutschland AG in Frankfurt. Von dort ging es zu Fleet Logistics, wo er als Prokurist und COO seine Fuhrparkmanagement- Qualitäten ausspielen konnte und ab 2008 Vertriebsleiter bei Seat Deutschland wurde. 2011 führte ihn sein Weg in Richtung Heimat zu Volkswagen Financial Services (VWFS). Dort leitete er zwei Jahre lang die Bereiche International Fleet, International After Sales sowie Used Car. Von 2013 bis 2016 war er Geschäftsführer der VWFS-Tochter Car-Mobility und übernahm zusätzlich die Verantwortung für den Vertrieb Flottenmanagement/Großkunden bei der VWFS, bei der er 2017 zum Geschäftsführer der Volkswagen Leasing ernannt wurde. Der 47-jährige Diplom-Kaufmann ist ein echter Car Guy und Oldtimer-Fahrer.

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