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Ausgabe 06/2019

Kaum Chancen auf die letzte Meile

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© AUTOFLOTTE

Es könnte so einfach sein. Die Ware für die berühmte letzte Meile auf eine Ablage des E-Scooters gepackt oder staufrei im Anzug von einem Termin zum nächsten durch die Innenstadt. Doch so einfach ist das nicht.

Die Möglichkeiten für die Einsätze von Elektrokleinstfahrzeugen (Ekf) in der sogenannten Mikromobilität sind vielfältig. Doch genutzt werden sie so gut wie nicht. "Dabei sind diese Fahrzeuge ideal für die letzte Meile", sagt Michael Herzog vom Bundesverband Elektrokleinstfahrzeuge, Region Hessen, im Gespräch mit Autoflotte. "Ekfs sind für viele Kurzstrecken geeignet, die man zuvor mit dem Pkw zurückgelegt hat, auch wenn dies ökologischer Irrsinn ist." Der Informatiker selbst fährt seit mehr als drei Jahren ein elektrisches Einrad und legt damit bis zu 25 Kilometer pro Tag zurück. Das Auto benutzt er viel seltener als in den Jahren vor dem Kauf seines sogenannten Electric Unicle. Für Herzog besteht kein Zweifel daran, dass die elektrischen Kleinfahrzeuge nicht nur im privaten, sondern auch auf gewerblichem Terrain zum Einsatz kommen könnten. "Elektrokleinstfahrzeuge wären etwas für den klassischen Briefträger." Dieser könnte auf dem Scooter oder dem Einrad seine Tasche immer parat haben und müsste nicht absteigen.

Sinnvoll auf Firmengelände

Auch weiß Herzog, dass es Betriebe gebe, die Ekf auf dem Firmengelände nutzen."In geeigneten Berufsgruppen könnten sie auch im Alltag ihren Einsatz finden", so der Informatiker weiter. Allerdings gibt Herzog dem Elektroscooter und Co nur in einem Bereich wirkliche Marktchancen: "Das Verleihgeschäft wird den gewerblichen Anteil stark erhöhen. Die Vermieter stehen mit scharrenden Hufen in den Startlöchern." Jan Becker aus Husum ist einer, der bereits scharrt. Der frühere Webdesigner setzt auf ein Verleihgeschäft in seiner Region und hat dabei besonders die Hotelgäste im Visier. Seit sechs Jahren arbeitet Becker an einer eigenen Kreation."Die Technik ist fertig, ich bin gerade mit dem TÜV in Gesprächen." Dass die Fahrzeuge mit den elektrischen Antrieben nicht durchbruchartiger auf deutschen Straßen zu sehen sind oder verstärkt in gewerblichen Betrieben zum Einsatz kommen, hat laut Becker auch damit zu tun, dass für die Fahrten mit den Einrädern eine gewisse Fitness unabdingbar ist. Er selbst habe bei der ersten Berührung mit einem Einrad Zeit benötigt, um dieses mit dem Körper steuern zu können. Dabei ist der Norddeutsche ein drahtiger Typ.

Firmen haben Angst vor Stürzen

Die Furcht vor Verletzungen der Mitarbeiter bei der gewerblichen Ausfahrt behindert somit den Durchbruch zumindest bei den Einrädern. Und die Anschaffung elektrischer Scooter wird wohl eher die wirtschaftliche Bilanz negativ beeinflussen. Hinzu kommt das noch vorherrschende, eher negative Image, das zunächst allen unbekannten Gegenständen entgegengebracht wird. "Fahrzeuge ohne Lenkstange sind für viele Leute ein ungewohnter Anblick", sagt Herzog, der aber auch zugleich betont: "E-Scooter, E-Skateboards, elektrische Einräder und One Wheels können sehr kontrolliert und sicher bewegt werden." Es wird halt nur noch eine Zeit dauern, bis zum einen die Berührungsängste abnehmen, zum anderen die Preise der Ekfs sich in niedrigeren Bereichen ansiedeln, um auch für größere Unternehmen attraktiver zu werden.

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