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Ausgabe 03/2019

SUV gibt es auch in schön

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© AUTOFLOTTE

Wenn man ehrlich ist, sieht ein SUV in der Kompakt- und Mittelklasse aus wie das andere. Erfrischend ist es daher, wenn man zum Alfa Romeo Stelvio geht, ihn sich ansieht und dann mit Vorfreude einsteigt.

Wer am Lenkrad des ersten SUV der italienischen Marke sitzt, den beschleicht ein seltsames Gefühl - sofern er es mit Autotraditionen hat. Denn markanter und wuchtiger prangte einem Alfa-Romeo-Fahrer wohl noch nie das Signet der feinen FCA-Tochter entgegen als im Stelvio. Raffinesse ist dem Zeitgeist der PS-Kultur gewichen, so der erste Eindruck.

Das Testauto/Antrieb

Als immer schon zu den sportlichen Mitgliedern der Fiat-Familie zählend, überrascht es nicht, dass der Stelvio Super in "Blu Misano"-Metallic den Startknopf links vom Volant hat - und 280 PS sind nun auch für einen Vierzylinder-Benziner kein Understatement; die Otto-Spitze liegt übrigens beim Sechszylinder mit 510 PS. Eine ZF-Achtgangautomatik ist stets obligatorisch und erledigt ihren Job hervorragend. Die den Körper geschmeidig einfangenden Sportsitze sowie das angenehm hartfedernde Fahrwerk passen zum dynamischen Gesamtcharakter. Denn eine gewisse Verbindlichkeit wird hier in jeder Hinsicht erwartet, die der 1,8-Tonner auch serviert. Ebenso verbindlich ist das direkte Einlenkverhalten, das vielleicht sogar auf Porsche-Macan-Niveau ist. Der Wendekreis bleibt mit rund zwölf Metern von Bordstein zu Bordstein dafür nervig groß - vor allem innerstädtisch eine Last.

Der Eintrittspreis in die 280-PS-Welt liegt bei 43.277 Euro. Super heißt passenderweise die Ausstattungslinie unter der nichts geht. Unser Testathlet wurde noch mit dem schmucken Veloce-Interieur- Paket, Alfa Connect, Performance-Paket, Bi-Xenon-Scheinwerfer (LED gibt's noch nicht) und 20-Zöllern aufgehübscht, was den Wert auf 53.420 Euro steigerte. Die Materialanmutung ist für diese Preisklasse gut, wenn auch der Plastikanteil überraschend hoch ist.

Karosserie/Interieur

Gut differenziert sind indes die Fahr-Modi, wobei die Kraftentfaltung im Q4-Allrad-Modus am direktesten ist, was nicht nur beim Ampelstart Fahrspaß vermittelt. Als Gradmesser eilt bei solchem Manöver die Verbrauchsanzeige im Kombiinstrument schnell nach oben - wie eigentlich während des gesamten Testlaufs. Die Vorahnung bestätigt sich beim Tankstopp, wobei die Spanne von 10,9 bis 13,2 Liter Super reichte. Den Schluck Espresso für den eigenen Motor sollte man sich vorm Losfahren gönnen; denn bis auf die XXL-Cupholder fehlt es an brauchbaren Ablagen.

Alle Preise netto zzgl. Umsatzsteuer Die Verkehrszeichenerkennung ist hingegen eine nicht unerhebliche Hilfe für alle mit erfolgtem Koffein-Schub, um das Fahrvergnügen möglichst lang und punktefrei erhalten zu können. Beim Stelvio fällt der Hinweis auf aktuelle Limits jedoch dezent und nicht immer akkurat aus. Da es diesem Alfa weniger an Platz als an Übersichtlichkeit fehlt (Heckfenster in BMW X6 Schießscharten-Stil) wäre ein größeres Display für diverse Infos wünschenswert. Auch wenn dies am Dauerpiepsen im Parkhaus wohl nichts ändern würde. Mit 1,90 Metern Breite gehört er zu den Bodybuildern.

Autoflotte Tipp

Ein Selbstzünder ist aus Vernunftgründen eigentlich Pflicht. Hier hätte allerdings der Top-Selbstzünder bereits ein PS-Defizit von 70 Pferdestärken, dafür gibt das Drehmoment 470 statt 400 Newtonmeter frei. Da es in der Business-Ausstattung nur Halogenscheinwerfer und 17-Zöller standardmäßig gibt, sollte auch hier das dritte der sechs Niveaus (Super) angekreuzt werden, was unter anderem die Bi-Xenon-Scheinwerfer und LED-Tagfahrlicht bringt.

Das größere Display (8,8 statt 6,5 Zoll) und ACC bietet wiederum erst das nächsthöhere Niveau B-Tech. Der 2,2-Liter-Diessel (B-Tech) mit Assistenz-, Performance-, Veloce-Interieur- und Winter-Paket samt LED-Nebelscheinwerfer und 19-Zöller ist mit knapp unter 50.000 Euro (49.747 Euro) dann doch ein Kraftakt.

Top

- sportliches SUV- gutes Fahrwerk und sehr direktes Lenkgefühl- gute Platzverhältnisse

Flop

- mangelnde Übersichtlichkeit nach hinten- großer Wendekreis- hoher Benzinverbrauch

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