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Teil 4 - Ausblick: Energiemarkt

Warten auf den Ur-Knall

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© AUTOFLOTTE

Viele Fragen, viele Projekte. Die E-Welle kommt in den Fuhrparks langsam ins Rollen. Das erste Lernen im Umgang mit der Technik ist nur der Anfang. Dank Bidirektionalität wird die E-Flotte zum kleinen Geldspeicher.

Groß und laut - so könnte man die Aktivitäten von The Mobility House beschreiben. Die Experten für Ladetechnik unterstützen Fuhrparks auf dem Weg in die Elektromobilität aktiv und markenunabhängig. Das "Groß" findet sich in der Vision des Geschäftsführers Marcus Fendt wieder, wenn er über künftige Erlöse am Strommarkt spricht. Hier werden die Fuhrparkbetreiber in einigen Jahren nicht nur Kunde, sondern auch Anbieter sein, sobald die eigene Flotte dank bidirektionaler Ladetechnik die Batterien befüllen und den Strom wahlweise ins Netz zurückspeisen kann. Bis dahin ist es aber noch ein weiter Weg, der für sehr viele Fuhrparks nicht einmal begonnen hat.

Kleiner, praktischer, aber auch "lauter" als die Strommarktidee vollzieht sich das Tagesgeschäft des ständig wachsenden Beraterteams, wenn man mit Fuhrparkleitern spricht oder werbewirksam mit einem mobilen Stromspender (Nissan Leaf) auf dem legendären Metal-Festival in Wacken für die bidirektionale E-Mobilität wirbt - und zwar indem man sie einfach mal zeigt. In diesem Spannungsfeld zwischen der zaghaft aufblühenden Flottenwelt - mit spürbar mehr E-Zulassungen sowie einem größer werden Meer an Fähnchen auf der Ladepunktekarte - und dem politischen Willen hier deutlich schneller vorankommen zu wollen (siehe Nachrichten S. 8) - spielen gerade die Gewerbeflotten eine zentrale Rolle.

"Die Autohersteller haben die Großkunden als wichtigste Kundschaft für ihre E-Modelle fokussiert und kommen mit neuen Modellen langsam voran", findet Fendt, der immer noch einen E-Pionier aus Kalifornien als absoluten Benchmark sieht: "Tesla versteht die E-Mobilität als Ökosystem, das heißt man bietet genügend Ladesäulen, einheitliche Abrechnungssysteme und langstreckenfreundliche sowie repräsentative Mobilität in einem." Konsequent setzen die US-Amerikaner quasi auf den monovalenten Stromer. Auch aus Fendts Sicht spricht wenig für die Plug-in-Hybride, die eben nur mit begrenzter Reichweite stromern können. "Spätestens wenn die Vorgaben des Real-Driving-Emissions-Testing strenger werden, wird sich deren Schwäche zeigen", prognostiziert er.

Ob nun Doppelherz oder Vollstromer geladen werden müssen beide - am besten auch beim Arbeitgeber. "Was man hier beim Aufbau einer eigenen Ladeinfrastruktur alles beachten muss, ist nach wie vor die große Unbekannte in den Unternehmen. Die passenden Fragen darauf zu finden, ist unser Kerngeschäft. Und es gibt sehr, sehr viele Fragen im Moment", gesteht der Manager im Gespräch mit Autoflotte. Damit die beachtlichen Kosten für die nötigen Neuinstallationen nicht aus dem Ruder laufen - die baulichen Maßnahmen sind laut Fendt weiterhin der größte Kostenblock -, muss der Anwendungsfall exakt passen. Sprich, die Ladesäulen müssen ausreichend und kraftvoll genug sein, um weder den oft kostbaren Parkplatz zu blockieren, noch aufgrund von Ladespitzen die Stromrechnung in ungewohnte Höhen zu treiben. Ressourcenschonung erwartet der Fuhrparkleiter dann aber auch von seinem Dienstwagenfahrer, dessen Fahrverhalten sich plötzlich nicht mehr in Litern, sondern in Kilowattstunden bemisst - also Leistung pro Zeit.

Kenne deine Batterie

Um hier ein Optimum zu erreichen, sollten die Fahrer die Launen ihrer Batteriepacks kennen, die eigenen physikalischen Gesetzen unterliegen. Die Alterung der Batterien ist an den beiden Lade-Extremen null und 100 Prozent am stärksten. Also empfiehlt Fendt, nicht unter zehn Prozent Restreichweite zu fallen, um dann wieder auf zirka 90 Prozent die Batterie aufzuladen. Die Akkus danken dies einem mit sehr langer Lebenszeit. Denkt man noch weiter und bezieht zu den mobilen auch die immobilen Werte eines Unternehmens mit ein, wird es deutlich komplexer. Die hohe Kunst bestand schließlich darin, den eigenen grünen Strom zwischen den Verbrauchern zu managen. Hat ein Unternehmen beispielsweise eine Photovoltaikanlage installiert, dann sollte deren erzeugte Energie clever auf die Verbraucher im Firmengebäude und die Flotte verteilt werden.

Diese Königsdisziplin beherrscht The Mobility House auch, nutzt dafür aber bewusst offene Schnittstellen. "Da sich der gesamte Markt für Elektromobilität und die erneuerbare Energie dynamisch weiterentwickelt, müssen wir technikoffen und skalierbar bleiben", betont Fendt ausdrücklich. "Join on standards, compete on products" lautet sein Motto auf dem Weg zur E-Flotte, mit der man am Strommarkt Geld verdienen kann. Wenn das nicht groß und laut ist ...

Ladesysteme für die eigene Flotte (in Zusammenarbeit mit The Mobility House)

Teil 1: KonzeptionTeil 2: RealisierungTeil 3: Betrieb

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