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Company Bike-Gründer Maus

"Radfahren weist die Richtung zu nachhaltigerer Mobilität"

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Markus Maus: "Diensträder werden derzeit überall in Deutschland stark nachgefragt."
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Im Interview mit der Autoflotte spricht Markus Maus, Geschäftsführer von Company Bike, über die "Fahrradexplosion" nach Corona und die Vorteile des Bike-Leasings für Arbeitgeber und -nehmer.

Von Autoflotte-Chefredakteur Michael Blumenstein

Autoflotte: Wieso haben Sie Company Bike gegründet?

Markus Maus: In den vergangenen Jahrzehnten habe ich in großen Konzernen in Europa und Asien gearbeitet. Überall sitzen die Mitarbeiter den überwiegenden Teil des Tages. Viele von ihnen wollen sich gerne mehr bewegen, aber es fehlt die Zeit. Gleichzeitig findet ein Wertewandel statt: Gerade bei jungen Leuten verliert das Auto als Statussymbol an Bedeutung, Radfahren wird attraktiver und weist die Richtung zu einer nachhaltigeren Mobilität. Da ich begeisterter Mountainbiker bin, war die Idee naheliegend: Gemeinsam mit meinem Geschäftspartner Derk Möller habe ich 2012 den Mobilitäts-Dienstleister Company Bike gegründet und so die gesellschaftlichen Trends zu den Themen Gesundheit, Mobilität und Umweltschutz mit meiner Leidenschaft zum Radfahren verbunden.

Was zeichnet Company Bike aus?

M. Maus: Company Bike bietet den Mitarbeitern von Großunternehmen sowie führenden Mittelständlern einen kompletten Vor-Ort-Service an. Das heißt, wir kommen zu unseren Kunden und liefern das Fahrrad an, übergeben es persönlich und sind auch im Servicefall vor Ort bei unserem Kunden.

Als Full-Service-Anbieter kümmern wir uns um die spezifischen Anliegen unserer Kunden – von der Einführung der Firmenfahrräder bis zur Einrichtung eines für jeden Kunden individualisierten Online-Portals für die Bestellung der Diensträder, der individuellen Beratung durch die geschulten Bike-Berater, der erwähnten persönlichen Auslieferung und Übergabe bei den Unternehmen vor Ort sowie einer effizienten Übernahme der Leasingrückläufer. Außerdem unterstützen wir die Erfolgsaussichten des Dienstfahrrad-Programms in den Unternehmen durch unterschiedliche Aktionen wie Auftaktveranstaltungen, Gewinnspiele, Newsletter und kostenlose Marketingmaterialien. Für Service und Reparaturen bieten wir einen mobilen Bike-Service an, der deutschlandweit bei den Kunden vor Ort zur Verfügung steht

Was bedeutet "spezialisiert auf Großunternehmen und führende Mittelständler"?

M. Maus: Wir haben uns auf Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern spezialisiert. Diese Unternehmen wollen ein maßgeschneidertes Dienstrad-Programm und wir bieten genau das. Durch digitale, effiziente Prozesse in der Abwicklung des Dienstrad-Programms halten wir den Aufwand für die Personalabteilungen sehr gering und können so auch Konzerne mit mehreren Standorten einheitlich betreuen – dank eines zentralen Ansprechpartners, der persönlich für alle Anliegen eines Unternehmens zuständig ist.

Company Bike betreut aktuell Mitarbeiter an über 3.500 Firmenstandorten in ganz Deutschland. Damit sind wir einer der führenden Dienstleister für Dienstfahrräder – und eben Experte für Konzerne und führende Mittelständler.

Welche Region ist die stärkste in Deutschland?

M. Maus: Diensträder werden derzeit überall in Deutschland stark nachgefragt. Immer mehr Unternehmen sehen den Vorteil, den Diensträder dem Unternehmen selbst und den Mitarbeitern bringen. Grundsätzlich werden im Norden Deutschlands mehr Fahrräder verkauft als im Süden, was vor allem an Geographie und auch der Infrastruktur liegt, aber auch hier tut sicher gerade viel, vor allem in den großen Städten.

Firmenstandort und -nutzer müssen also in Deutschland sein?

M. Maus: Stand heute ja. Aber es ziehen Holland und Österreich nach. Nicht mit einer 1:1-Gesetzgebung. Die ist ja doch sehr spezifisch. Der Trend zum Fahrrad und die damit verbundene "Fahrradexplosion" nach Corona ist aber nicht nur in Deutschland zu spüren.

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Company Bike betreut aktuell Mitarbeiter an bundesweit über 3.500 Firmenstandorten.
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Welche Voraussetzungen müssen Unternehmen also mitbringen?

M. Maus: In Prinzip kann jedes Unternehmen ein Dienstfahrrad-Programm einführen. Auch für Beamte, Angestellte im Öffentlichen Dienst und Mitarbeiter tarifgebundener Arbeitgeber gibt es Möglichkeiten, ein Dienstfahrrad-Programm einzuführen – z.B. als Gehaltsextra, bei einer Günstigerprüfung durch den Betriebsrat, eine mit der Gewerkschaft vereinbarte Öffnung im Tarifvertrag oder durch die Nutzung übertariflicher Löhne für die Gehaltsumwandlung.

Was haben Arbeitgeber davon, Leasingräder für Mitarbeitende anzubieten?

M. Maus: Der Arbeitgeber kann seinen Mitarbeitern einen zusätzlichen Benefit anbieten und so die Zufriedenheit der Mitarbeiter steigern, ohne dass ihm Kosten entstehen. Durch das Fahrradleasing verstärkt der Arbeitgeber die Mitarbeiterbindung an das Unternehmen und das vermehrte Radfahren sorgt für eine Reduzierung der Krankentage. 

Wieso sollten "User-Chooser" vom Auto aufs Rad umsteigen?

M. Maus: Für die Unternehmen verlieren Firmenwagen als Motivationsinstrument an Bedeutung, da sie meist nur einem privilegierten Teil der Belegschaft zur Verfügung stehen. Moderne Unternehmen setzen stärker auf Gleichheit und bieten allen Mitarbeitern ein Firmenfahrrad an. Für den Einzelnen bedeutet der Umstieg aufs Fahrrad mehr Gesundheit, mehr Fitness, kein Stau, keine Parkplatzsuche und mehr Umweltschutz.

Wie hoch ist die Versteuerung?

M. Maus: Für Dienstfahrräder, die auch uneingeschränkt privat genutzt werden dürfen, muss ein geldwerter Vorteil von 0,25 Prozent der UVP versteuert werden. Dienstfahrräder, deren Kosten komplett vom Unternehmen getragen werden, sind sogar steuerfrei. Die vollen Kosten für die Leasingrate trägt dann der Arbeitgeber.

Wie viel kostet das Fahrrad letztendlich?

M. Maus: Das günstigste Rad, das Sie bei uns leasen können, kostet 499 Euro. Die Leasingrate entspricht damit pro Monat in etwa dem Preis einer Pizza beim Restaurant um die Ecke. Zu diesem Preis bekommen Sie ein Fahrrad und sind den ganzen Monat mobil. Das kann man auch Menschen anbieten, die unter dem Durchschnittseinkommen liegen. Und damit fährt er oder sie nicht nur zur Arbeit, sondern auch noch privat.

Was ist der Unterschied zwischen Gehaltsumwandlungsmodell und Gehaltsextra?

M. Maus: Bei der Gehaltsumwandlung – was das Gros der Unternehmen macht – wird die Brutto-Leasingrate vom Bruttogehalt abgezogen. Dadurch reduziert sich der zu versteuernde Betrag und der Arbeitnehmer spart Steuern und Sozialabgaben. Hierbei müssen dann 0,25 Prozent des Listenpreises als geldwerter Vorteil versteuert werden. Die Leasingrate ist also Gehaltsbestandteil. Diese Lösung kostet den Arbeitgeber nichts.

Beim Gehaltsextra – was wir selbst für unsere Mitarbeiter anbieten – übernimmt der Arbeitgeber die kompletten Leasingraten, sodass für den Mitarbeiter keine Kosten entstehen, auch keine Versteuerung des geldwerten Vorteils. Es ist also ein echtes Add-On.

Wieso ist das Gehaltsextra steuerfrei? Es ist doch auch ein geldwerter Vorteil?

M. Maus: Die Regierung und die Oberfinanzdirektionen der Länder haben diese Regelung beschlossen und im neuen Jahressteuergesetz, das zum 1. Januar 2020 in Kraft getreten ist, bis 2030 verlängert. Fahrradverbände, wie der Bundesverband Zukunft Fahrrad, bei dem wir zu den Gründungsmitgliedern gehören, arbeitet aber aktuell daran, die Steuerfreiheit künftig auch bei der Gehaltsumwandlung durchzusetzen. Das wäre ein weiterer, wichtiger Schritt zur Förderung einer nachhaltigen Mobilität.

Versteuert wird nach Listenpreis. Schnäppchen ausgeschlossen?

M. Maus: Versteuert wird der Listenpreis, aber wir bieten unseren Firmenkunden und deren Mitarbeitern durchgängig sehr gute Konditionen. Über unsere maßgeschneiderten Online-Portale bieten wir unseren Kunden zudem z.B. Vorjahres- oder Auslaufmodelle zu reduzierten Leasingraten an. Außerdem gibt es bei Company Bike regelmäßig unterschiedliche Rabattaktionen, bei denen unsere Kunden Leasingräder zu besonders günstigen Preisen bestellen können.

Wie viel kostet das durchschnittliche Company Bike?

M. Maus: Der Trend geht zum E-Bike. Etwa 65 Prozent der Bestellungen sind Pedelecs. Von daher liegt der Wert des durchschnittlichen Company Bikes zwischen 2.500 und 3.000 Euro.

Und wo fangen gute E-Bikes preislich an?

M. Maus: Die Untergrenze liegt bei 2.500 Euro.

Gibt es einen Maximalpreis?

M. Maus: Nein, es gibt auch sehr hochwertige Fahrräder mit einem UVP von bis zu 15.000 Euro. Das ist aber eher die Ausnahme. Die Unternehmen können aber einen Maximalpreis für die Mitarbeiter definieren.

Wer ist in den meisten Unternehmen für die Verwaltung zuständig?

M. Maus: In der Regel sind die Personalabteilungen für das Dienstfahrrad-Programm zuständig. Es ist ja ein Mitarbeiter-Benefit. In der letzten Zeit wird das Thema auch vermehrt aus dem Bereich Fuhrpark angefragt. Jedoch haben ab der Bestellung im Prinzip weder Fuhrpark noch HR Arbeit damit, da sämtliche Vorgänge vom Nutzer durchgeführt werden können. Der Fuhrparkmanager selbst hat damit nichts zu tun. Denn auch bei Reparaturterminen oder Inspektionen ist alles direkt über unser Portal durchführbar.

Sollte das Rad nach der Leasinglaufzeit rausgekauft werden oder besser nicht (nachversteuern)?

M. Maus: Die meisten unserer Kunden übernehmen ihr Company Bike am Ende der Vertragslaufzeit zu einem geringen Restwert von zehn Prozent der UVP. Das lohnt sich finanziell auf jeden Fall. Wer lieber ein neueres Modell least, kann das Rad aber auch unkompliziert zurückgeben und ein neues Fahrrad aussuchen.

Was passiert bei Diebstahl?

M. Maus: Wir bieten für alle Company Bikes während der kompletten Vertragslaufzeit einen Rundum-Schutz bei Diebstahl. Dabei genügt es, das Rad mit einem handelsüblichen Schloss abzuschließen. Im Gegensatz zu vielen anderen Anbietern gilt der Rundum-Schutz bei Company Bikes auch nachts. Denn einige Mitarbeiter im Schichtdienst fangen erst um 22h mit der Arbeit an, zu der sie ja mit dem Fahrrad fahren sollen.

Was ist die durchschnittliche Ersparnis im Vergleich zum Kauf?

M. Maus: Die Ersparnis ist unter anderem abhängig vom Bruttolohn, der Steuerklasse, dem Preis des Fahrrads und dem Zuschuss des Arbeitgebers. Je nachdem ist eine Ersparnis von bis zu 50 Prozent möglich.

Was passiert, wenn ein Company-Bike-Nutzer das Unternehmen verlässt (meist 36-Monats-Verträge)?

M. Maus: Bei vorzeitigen Ausscheiden eines Mitarbeiters treten wir direkt in Kontakt mit dem jeweiligen Mitarbeiter und übernehmen die komplette Abwicklung. Viele Unternehmen haben Angst vor einem Fahrradfuhrpark, das wird es mit Company Bike nicht geben. Der Mitarbeiter hat verschiedene Optionen, vom Privatleasing, Privatkauf bis zu Rückgabe.

Kritiker bemängeln, dass Arbeitgeber die Rechte und Pflichten auf Mitarbeitende abwälzen. Wie entgegnen Sie diesen?

M. Maus: Der Leasinggeber und Eigentümer ist die Leasinggesellschaft, die macht einen Vertrag mit dem Arbeitgeber, der least das Fahrrad und stellt es gegen eine Nutzungsgebühr zur Verfügung. Wichtig ist, dass der Arbeitgeber – nicht der Mitarbeiter – Leasingnehmer ist. Deshalb darf der Arbeitgeber nicht sämtliche Pflichten an den Arbeitnehmer übertragen.

Je nach Unternehmen gibt es verschiedenen Lösungen. Von umfangreichen Versicherungen, die der Arbeitgeber abschließt oder Services, die die Firma bei uns in Auftrag gibt, um die Räder gezielt an einem Tag in der Firma checken zu lassen und gegebenenfalls Reparaturen vorzunehmen. Reparaturkosten gehen jedoch immer zulasten des Nutzers. Denn bei dem einen Mitarbeiter halten die Bremsbeläge drei Jahre, beim nächsten nur drei Monate.

Wie sieht die für den Arbeitgeber beste und Arbeitnehmer günstigste Lösung des Bike-Leasings aus?

M. Maus: Das innovative und für jeden Kunden maßgeschneiderte Konzept von Company Bike ist für beide Seiten die beste Lösung. Dank effizienter, digitaler Prozesse halten wir den Arbeitsaufwand für die Unternehmen sehr gering und bieten den Mitarbeitern den besten Service und die günstigsten Leasingraten am Markt.

Company Bike sitzt in München. Wie ist ihre persönliche Meinung zur Infrastruktur für Radler in der Landeshauptstadt?

M. Maus: Unsere Zentrale ist in München, wir haben inzwischen aber Standorte in allen Regionen Deutschlands. Bei der Infrastruktur in den Städten muss generell noch viel passieren. Der Bundesverband Zukunft Fahrrad, bei dem wir Gründungsmitglied sind, setzt sich genau für solche Themen ein. Die Städte müssen und werden sich entwickeln. Und klar gucken dabei immer alle nach Kopenhagen und Rotterdam. Aber auch Paris oder London erkennen derzeit das Potenzial des Fahrrads. München ist hier leider noch nicht so weit. Die Anzahl der Befürworter steigt aber, denn für viele geht es so nicht weiter. Da wird städtebaulich in den nächsten fünf bis zehn Jahren viel passieren. Der Mindset ändert sich, die Tendenzen sind da. Wir werden aber weiterhin Geduld an den Tag legen müssen.

Herr Maus, herzlichen Dank für das Gespräch!

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1 Kommentar

1 24.07.2020 muc

Gestern im Newsletter: fast ausschließlich Fahrrad-/Zweirad-Themen. Frage: Ist das noch "Autoflotte" oder gab es eine (Autofahrer-)feindliche Fremdübernahme? Wenn sich die Zielgruppe geändert hat (siehe ADAC-Entwicklung), und ich nur noch Geschichten vom ach so tollen Radfahrer, Porträts von ach so tollen Radfahr-Fans lesen kann, ist dieser Dienst für mich gestorben - und jegliche kommerzielle Unterstützungsgedanken würden damit auch umgehend irrelevant.


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