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VW-Konzern erzielt Halbjahres-Rekordgewinn

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Rekordergebnisse für den VW-Konzern
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Die seit Mitte 2020 aufgestaute Nachfrage spült nun auch der größten europäischen Autogruppe mächtig Geld in die Kasse. Die Bestwerte bei Volkswagen sollten aber nicht darüber hinweg täuschen, dass die Corona-Krise noch eine große Unsicherheit für die Branche bereithält.

Beflügelt von stark zunehmenden Autoverkäufen hat der VW-Konzern die Corona-Absatzkrise abgeschüttelt und in der ersten Jahreshälfte einen Rekordgewinn im laufenden Geschäft eingefahren. Wie die Wolfsburger am Donnerstag berichteten, gelang mit knapp 11,4 Milliarden Euro ein so hohes Betriebsergebnis wie nie von Januar bis Juni. Die Rahmenbedingungen seien jedoch "weiterhin herausfordernd" - gemeint ist vor allem die zähe Versorgungskrise bei Chip-Bauteilen.

Die direkten Folgen des Nachfrageeinbruchs sowie der Händler- und Werksschließungen aus dem Pandemie-Frühling 2020 konnte die größte Autogruppe Europas weiter abstreifen. Zur Mitte des vorigen Jahres hatte noch ein operativer Verlust von 1,5 Milliarden Euro in der Bilanz gestanden, das zweite Quartal schlug heftig ein. Diesmal ist der Ertrag auch vor Steuern bereits höher als im ganzen Jahr 2020.

Nachfrage-Stau löst sich auf

In vielen Ländern zieht die Autokonjunktur deutlich an, Daimler hatte jüngst ebenfalls gute Zahlen gemeldet. Ein wesentlicher Treiber ist, dass sich die aufgestaute Nachfrage aus der ersten Corona-Welle nun in konkrete Verkäufe umsetzt. Dabei profitiert die Industrie auch von den Wirtschaftshilfen. Autobauern kommen speziell die Prämien für E- und Hybridwagen entgegen, die sie zusammen mit dem Staat finanzieren.

Laut VW-Konzernchef Herbert Diess entwickelte sich zuletzt "besonders das Premiumgeschäft mit zweistelligen Renditen sehr gut». Mehr als eine Verdoppelung des Ergebnisses gelang der Finanzsparte, durch deren Bücher viele der neuen Elektroautos laufen. Der Umsatz im Konzern wuchs um über ein Drittel auf rund 130 Milliarden Euro, die Auslieferungen legten um 28 Prozent auf gut fünf Millionen Fahrzeuge zu.

Hohe Anlaufkosten für die E-Modelle drücken die Rendite bei der Kernmarke VW auf 4,4

Porsche setzte so viele Sport- und Geländewagen ab wie in keinem ersten Halbjahr zuvor, der Betriebsgewinn sprang um 127 Prozent auf 2,8 Milliarden Euro. Die leichten VW-Nutzfahrzeuge (VWN) in Hannover kehrten nach einem schwachen Geschäft 2020 klar in die schwarzen Zahlen zurück, die Tochter drehte den Verlust von 334 Millionen Euro aus der ersten Hälfte des vorigen Jahres in ein Plus von 87 Millionen Euro. "Das war ein echter Kraftakt", meinte VWN-Chef Carsten Intra.

Zur Kernmarke VW Pkw erklärte Diess, die Anlaufkosten für den Start weiterer E-Modelle wie den ID.4 im Zwickau seien hoch gewesen - die Rendite der Hauptsparte im Konzern fiel mit 4,4 Prozent in den zurückliegenden sechs Monate daher vergleichsweise mager aus. Man sei allerdings zuversichtlich, hier noch profitabler werden zu können.

Chipengpässe sollen bald überwunden sein

Der Blick nach vorn ist grundsätzlich optimistisch. 2021 sollen konzernweit 6 bis 7,5 Prozent des Umsatzes als Ergebnis vor Zinsen und Steuern hängen bleiben, in der letzten Prognose hatte Finanzchef Arno Antlitz 5,5 bis 7 Prozent angenommen. Eine Corona-Spätfolge hat die Branche jedoch weiter im Griff: Es fehlen die überall verbauten Mikrochips. Diess sagte den Nachrichtenagenturen dpa und dpa-AFX mit Blick auf die Lieferengpässe und langen Wartezeiten für Kunden: "Ich gehe davon aus, dass wir das im vierten Quartal aufholen können."

Die Kasse ist mit einer Netto-Liquidität von 35 Milliarden Euro noch prall gefüllt. Wegen des Halbleiter-Mangels rechnet der Konzern indes nicht mehr mit einem ganz so großen Verkaufszuwachs wie bisher. Im ersten Halbjahr fiel schon eine hohe sechsstellige Zahl an Fahrzeugen in der Produktionsplanung aus. Im Auto-Nachfragetief 2020 waren die Halbleiteranbieter auf andere Abnehmer aus Unterhaltungselektronik, IT-Branche oder Medizintechnik umgestiegen. Diess erklärte, das Autogeschäft mache weltweit rund zehn Prozent des Halbleitermarkts aus. "Das sollte also schon ein beherrschbares Problem sein."

Besonders in China ist der Chipmangel noch ein Problem. Derweil geht der VW-Umbau mit hohen Investitionen in E-Mobilität und Vernetzung auf der einen sowie Kostensenkungen auf der anderen Seite weiter. Die Strategie "New Auto" umfasst etwa Plattformen für Mobilitätsdienste.

Europcar soll zur Mobilitätsplattform werden

Dabei dürfte dem Rückkauf von Europcar bald eine wichtige Funktion zukommen: VW plant, die Firma vom Autovermieter zum Service-Netzwerk umzubauen. "Wir wollen es zu einer Mobilitätsplattform entwickeln", sagte Diess. Eine Übernahme von Europcar, das früher schon einmal zu Volkswagen gehört hatte, mit Hilfe eines Konsortiums rückt nach einem ersten, gescheiterten Angebot näher. Die Franzosen hatten am Mittwoch angekündigt, die nachgebesserte Offerte jetzt annehmen zu wollen.

Auch eigene Flottendienste und das Carsharing sollten mit Europcar zusammengebracht werden, meinte der VW-Konzernchef: "Wir sollten in der Lage sein, unsere Aktivitäten zu integrieren." Bis zum Jahresende erhoffe er sich einen Abschluss. Dem Deal müssten Kartellbehörden noch zustimmen. Das verzweigte Standortnetz von Europcar dürfte nach Einschätzung von Branchenbeobachtern für VW außerdem beim weiteren Ausbau der Ladeinfrastruktur für Elektroautos interessant sein.

Für die "Restrukturierung" etwa der Lkw- und Bus-Tochter MAN fielen im Konzern zuletzt knapp 700 Millionen Euro an. Die Beschäftigtenzahl ging seit Ende 2020 leicht um 0,4 Prozent auf 660.000 zurück.

Porsche SE rechnet ebenfalls mit höheren Gewinnen

Die guten Zahlen des VW-Konzerns machen sich indes auch bei dessen Großaktionären bemerkbar: Die VW-Dachgesellschaft Porsche Automobil Holding SE rechnet im laufenden Jahr dank der Entwicklung beim Volkswagen-Konzern mit einem höheren Gewinn als bisher. Nun stehen 3,4 Milliarden bis 4,9 Milliarden Euro nach Steuern im Plan, wie das MDax-Unternehmen am Donnerstag mitteilte.

Bisher war das Management um Vorstandschef und VW-Chefaufseher Hans Dieter Pötsch von 2,6 Milliarden bis 4,1 Milliarden Euro ausgegangen. Das Unternehmen hatte in der vergangenen Woche aber bereits angedeutet, dass der Gewinn eher am oberen Ende der Bandbreite landen dürfte. (dpa)

 

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