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Fahrbericht Alpine A110 S

Da geht noch was

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Die Neuauflage der Alpine punktet mit zurückhaltender Eleganz - das gilt auch für die "S"-Version.
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Nicht, dass die bisherige Alpine A110 langsam wäre, aber mit dem "S" legen die Franzosen noch einmal 40 PS drauf. Bitte fest anschnallen!

Von Patrick Broich/SP-X

Mit der neuen Alpine landete der Renault-Konzern, zu dem die traditionelle Rennsportmarke ja gehört, längst einen Volltreffer – schon eine ganze Weile macht die in historisch korrekter Bezeichnung A110 getaufte Neuzeit-Alpine im Retrolook exakt die Kunden glücklich, die einfach ohne Schnickschnack schnell in jeder Lebenslage fahren möchten. Keine übermäßige Motorleistung, aber auch keine übermäßige Leermasse – darin besteht der Zauber des Franzosen aus dem Alpine-Traditionswerk Dieppe.

Doch offenbar gilt auch hier, dass es gut und gerne noch ein bisschen stärker geht, weshalb die Alpine-Ingenieure nun aufrüsten und das 4,18 Meter-Sportgerät um 40 PS erstarken lassen auf nunmehr ansehnliche 215 kW / 292 PS. Freilich bleibt das Leergewicht mit 1.114 Kilogramm moderat, was schon auf dem Papier nach einer launigen Angelegenheit klingt. Mit einem Grundpreis von 55.462 Euro netto beweisen die Franzosen zwar ein gewisses Selbstbewusstsein, dafür ist die Alpine mit dem serienmäßigen Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe aber nicht so kompromisslos wie ein Lotus-Modell oder beispielsweise der Alfa Romeo 4C und eben entsprechend alltagstauglicher. Erkennen kann man die "S"-Version übrigens an den orangefarbenen Bremssätteln sowie der modifizierten, im Karbonlook an den B-Säulen prangenden Trikolore.

Die Alpine zu entern, gelingt im Gegensatz zu manchem Wettbewerber recht mühelos, und die Schalensitze präsentieren sich in einer Beschaffenheit, dass man den Puristen kurzerhand auch mal auf die längere Reise mitnehmen würde, sofern man mit leichtem Gepäck unterwegs ist. Denn die diesbezügliche Mitnahmefähigkeit des Mittelmotor-Sportlers ist mit insgesamt 196 Litern kumuliertes Gepäckraumvolumen durchaus begrenzt.

Ausdrucksstark, aber kein Schreihals

Doch über solche Unzulänglichkeiten darf man sich hier keine Gedanken machen, und es ist davon auszugehen, dass die anvisierte Klientel das auch nicht tut. Also, bitte den 1,8 Liter-Turbomotor per Startknopf zum Erwachen bringen und glücklich sein. Wütend schnaubt der aufgeladene Vierzylinder los, hat noch genug Abgasdruck, um trotz dämpfender Turbinen im klappengesteuerten Auspuffstrang mächtig zu trompeten. Aber all das passiert in einer irgendwie vornehmen, glattgestrichenen Art. Die Alpine präsentiert sich ausdrucksstark, ist aber kein Schreihals. Zu diesem Charakter passt ihr Blechkleid ebenfalls ziemlich gut, das mit zurückhaltender Eleganz punktet – daran ändert auch der im Heckstoßfänger eingearbeitete Diffusor nichts.

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Doch wehe, das rechte Pedal neigt sich gen Bodenblech. Dann wird die kleine Alpine zum wilden Racer, lässt sich dank Hinterradantrieb und perfekt austarierter Gewichtsverteilung (44 Prozent vorn und 56 Prozent auf der Hinterachse) jederzeit per Gaspedalbefehl zum Drift überreden. Qua Mehrleistung geht es jetzt noch bissiger aus der Kehre – wenn der mit 0,4 bar höherem Ladedruck operierende Turbo zupackt, wird der Druck im Kreuz schon drastisch. Nur 4,4 Sekunden gönnt der Hersteller seinem Athleten bis zur 100 km/h-Marke, die Topspeed fällt mit 260 Sachen ordentlich aus. Hat man sich erst einmal eingewöhnt und kennt die rote Linie, wird es schon recht zügig auf der windungsreichen Landstraße. Dann erkennt man die Daseinsberechtigung des Mobiliars mit den betont breiten Wangen, zumal die Techniker das nachgeschärfte Modell einen Tick straffer als die Basis ausgerichtet haben. Um das Repertoire für flinkes Kurvenwieseln vollständig zu machen, spendieren sie der Alpine außerdem eine ultrapräzise Servolenkung, der man stets mit Konzentration begegnen sollte ob ihrer Direktheit.

Doch die Alpine geht auch diesseits des Grenzbereichs ganz gut und beeindruckt abermals mit ihrem Fahrwerk: Auf schlechten Straßen zeigt sich der Sportler nämlich von einer äußerst sanften Seite und überrollt sogar aggressive Querfugen denkbar geschmeidig. Wer die ungefederten Massen weiter reduzieren möchte, investiert 1.000 Euro extra für die geschmiedeten Fuchs-Räder im 18 Zoll-Format.

Mit Digital-Cockpit

Zur Alltagstauglichkeit der Alpine A110 gehören denn auch die serienmäßigen Parksensoren, und die Infotainment-Fraktion wird mit großem Touchscreen in der Mittelkonsole sowie einem Instrumentarium belohnt, das aus purer Anzeigefläche besteht. Im Normal-Modus bildet der Monitor klassische Rundskalen nach, damit auch Traditionalisten auf ihre Kosten kommen. Aktiviert der Fahrer per Tastendruck den Sport- oder gar den Track-Mode, verändert sich die Grafik im Tachobereich – hier ist digital dann Trumpf.

Zu guter Letzt sei erwähnt, dass Alpine für Karbon-Freunde noch manches Schmankerl bereithält. Das teuerste davon ist sicherlich das Dach aus dem Kohlenstoff-Material, es schlägt mit 2.380 Euro zu Buche. Dagegen sind die 1.785 Euro extra kostenden Ledersitze mit Karbon-Verkleidung ein echtes Schnäppchen. Aber wer die Alpine A110 S so ordert, wie man sie in Dieppe standardmäßig ausliefert macht nichts falsch. Die schönste Option ist ohnehin die tolle Mischung aus Fahraktivität und einer frappierend guten Alltagstauglichkeit. Und Navigations- wie Soundsystem sind ja auch inklusive.

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