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Fahrbericht Bentley Bentayga

Aufgehübscht und abgerüstet

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Mit dem Facelift wird der W12-Motor für den Bentayga in Europa nicht mehr angeboten.
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Bentley bringt den Bentayga auf Kurs. Während die Briten bei Lack und Leder für ihren geländegängigen Bestseller nachlegen, treten sie bei der Leistung auf die Bremse. Zumindest in unseren Breiten.

Von Benjamin Bessinger/SP-X

Von wegen, genug ist nicht genug. Weil offensichtlich selbst Sehr-Viel-Besser-Verdiener so etwas wie ein Gewissen haben und weil sich auch Luxusmarken in Zeiten wie diesen nicht mehr alles leisten können, wird jetzt sogar Bentley vernünftig und fängt damit ausgerechnet beim Bentayga an: Wenn der luxuriöse Geländewagen, der mit über 20.000 Exemplaren in rund vier Jahren zum bis dato größten Erfolg in der Geschichte der VW-Tochter avanciert ist, in diesen Tagen zu Preisen ab 182.000 Euro in die zweite Halbzeit geht, gibt es deshalb zwar noch mehr Lack und Leder und jede Menge neuen Luxus, doch nicht mehr Leistung. Im Gegenteil: Mit Blick auf den ökologischen Fußabdruck, die CO2-Bilanz und die drohende Bußgeld-Rechnung aus Brüssel stecken die Briten unter der Haube sogar zurück und nehmen den konkurrenzlosen W12-Motor aus dem Programm.

550 PS starker V8

Hinter dem noch größeren Grill, der von künftig etwas schnittigeren und vor allem filigraneren Scheinwerfern flankiert ist, gibt es deshalb zunächst nur den V8-Benziner aus dem Vorgänger, der obendrein nahezu unverändert ins Rennen geht. Das mag den Glanz des Bentayga subjektiv ein wenig trüben. Doch objektiv kann man dem Dickschiff auch mit dem Achtzylinder keinerlei Mangel unterstellen. Wie auch, wenn das Triebwerk aus vier Litern Hubraum 550 PS und 770 Nm schöpft? Selbst knapp 2,5 Tonnen fühlen sich dann ganz leicht an, und die linke Spur leert sich wie von selbst, wenn man den Koloss in 4,5 Sekunden von 0 auf 100 katapultiert hat und danach mit bis zu 290 km/h dem Horizont entgegen jagt. Kein Wunder, dass sich die Designer hinten jetzt mehr Mühe gegeben, die Rückleuchten neu modelliert und die Heckklappe geglättet haben – schließlich ist das die Perspektive, aus der man den Bentayga am häufigsten sehen wird.

Dabei gibt der Bentley unabhängig von der Zahl der Zylinder den distinguierten Souverän, der den Kraftakt ausgesprochen stilvoll zelebriert. So protzig der Auftritt des Briten, so vornehm und kultiviert ist sein Antrieb, der wie in Watte gepackt dahin säuselt und sich erst dann ein fernes Knurren entlocken lässt, wenn man das Pedal mit großer Vehemenz tief in den hochflorigen Teppich hämmert. Und egal ob schnelle Kurven oder engagierte Sprints – mit Luftfederung und Wankausgleich bettet der Bentayga seine Insassen wie auf Wolken und gibt ihnen mit jedem Meter das gute Gefühl, mit der Welt da draußen nicht mehr viel zu tun zu haben. So geht Adel im Auto.

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Während das Fahrgefühl absolut vertraut ist, erwartet insbesondere den Fahrer hinter dem Lenkrad eine neue Welt: Bei aller Liebe zur Tradition bricht sich nun auch im Bentayga die Digitalisierung Bahn und beschert dem adeligen Abenteuer animierte Instrumente und ein zeitgemäßes Infotainment mit kabelloser Smartphone-Integration und integrierter SIM-Karte inklusive. Außerdem durften die Kunsthandwerker nochmal ran und haben mit viel Liebe zum Detail neue Lüfter entworfen, neue Nähte ins Leder gesteppt und die Konsolen frisch gestaltet.

Mehr Fußraum im Fond

Auch die Hinterbänkler profitieren von der Modellpflege. Zwar gibt es auch nach vier Jahren keine zweite Karosserievariante und weder der lange Radstand noch das Coupé haben es in die Produktion geschafft. Doch mit neuen Sitzkonsolen haben die Ingenieure immerhin ein paar Zentimeter gutgemacht und so etwas mehr Fußraum für die Passagiere im Fond geschaffen. Erstklassig sitzen vor allem Erwachsene dort noch immer nicht. Das können profane Protz-Geländewagen wie der BMW X7 und der Mercedes GLS besser. Doch ein wenig lässiger lässt es sich dort jetzt allemal lümmeln und man muss nicht mehr in aufrechter und unbequemer Position verharren.

Zwar macht Bentley bei uns auf nachhaltig, verantwortungsvoll und CO2-bewusst. Doch so ganz haben die Briten die Lust an der Leistung noch nicht verloren. Und die Kunden offenbar auch nicht. Denn während sie die Europäer mit der Aussicht auf den Bentayga Hybrid als sparsamsten Bentley aller Zeiten bei der Stange halten, schlagen sie im Rest der Welt ganz andere Töne an: Für die USA, den Nahen und den Fernen Osten wird es auch künftig wieder einen Zwölfzylinder geben, der als Speed mit 635 PS, 900 Nm und einem Spitzentempo von 306 km/h als "ultimativer Bentayga" die Konkurrenz in Grund und Boden fahren will.

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