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Fahrbericht Kia Stinger

Der Stachel der Emotion

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Der neue Kia Stinger im Fahrbericht.
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Kia lässt die Muskeln spielen. Mit dem Stinger bietet der koreanische Autobauer jetzt ein viertüriges Coupé mit beeindruckendem Auftritt an. Das Leistungsangebot der Sportlimousine reicht bis 370 PS.

Von Wolfgang Schäffer/SP-X

Eines steht fest – mit diesem Auto setzt Kia voll auf die Karte Emotion. Ein solches Fahrzeug hat es bislang von dem koreanischen Hersteller nicht gegeben. Vor allem die Spitzenmotorisierung, der 3,3-Liter-V6-Twin-Turbo mit 272 kW / 370 PS soll die Etablierten in diesem Segment, Audi A5 Sportback und BMW 4er Gran Coupé, ein wenig pieksen. Dafür sprechen neben der gelungenen Optik der 4,83 Meter langen, 1,87 Meter breiten und nur 1,40 Meter hohen Sportlimousine auch Ausstattung und Preise. Die beginnen bei 36.966 Euro netto für den Zweiliter-Benziner mit 188 kW / 255 PS sowie Heckantrieb und reichen bis 46.134 Euro netto für den V6 mit Allradantrieb. Angeboten wird auch ein 147 kW / 200 PS starker 2,2-Liter-Diesel, der seine Kraft wahlweise über alle vier Räder (39.487 Euro netto) oder über die Hinterachse (37.806 Euro netto) auf die Straße bringt. Alle Motoren sind mit einer von Kia selbst entwickelten Achtgangautomatik kombiniert. Schaltcharakteristik, Lenkung, Fahrwerk und ESP-Eingriff lassen sich in fünf unterschiedlichen Stufen einstellen – von Smart über Eco, Comfort, Sport bis Sport+.

Das Getriebe wechselt zwar unmerklich und ohne jede Zugkraftunterbrechung die Fahrstufen, nimmt dem Einstiegsbenziner aber doch ein wenig seines Kraftpotenzials. Der Zweiliter benötigt trotz eines Drehmoments von 353 Newtonmetern (Nm) bereits bei 1.400 Touren doch höhere Drehzahlen, um sich so richtig entfalten zu können. Erst oberhalb von 3.500 Touren geht es so voran, wie man es bei diesem Leistungsangebot erwartet. Dabei bläst er akustisch bereits deutlich die Backen auf. Der Normverbrauch ist mit 7,9 Litern angegeben. Der Bordcomputer zeigte nach eher gelassener Fahrt mit ein paar Zwischenspurts 9,8 Liter an.

Ein Wert, auf den der Sechszylinder nur schwerlich kommt. Schon laut Norm sind es 10,8 Liter. Nach einer Ausfahrt mit sportlich-dynamischen aber auch ruhigen Abschnitten lag der Durchschnitt bei 16,2 Litern. Das ist dann schon reichlich. Allerdings geht schon beim kleinen Druck aufs Gaspedal mächtig die Post ab. Das gilt für den Antritt ebenso wie für den Zwischensprint aus jedem Tempo- oder Drehzahlbereich. Begleitet wird das mit einem sonoren Sound, der den souveränen Eindruck des Triebwerks (510 Nm bei 1.300 Touren) noch unterstreicht.

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Auch einen Diesel im Angebot

Als Alternative zu den beiden Benziner hat Kia auch einen durchzugsstarken und leise arbeitenden Diesel mit ins Programm genommen. Der Selbstzünder überzeugt zudem mit Laufruhe und kann beim Verbrauch mit erfahrenen 7,8 Litern (Norm 5,6/Heckantrieb) im Vergleich zu den Benzinern punkten.

Fahrwerkstechnisch haben die Ingenieure gute Arbeit geleistet. Federung, Dämpfung und auch die Lenkung sind so abgestimmt, dass der Stinger mit hohem Tempo um die Ecken bewegt werden kann. Die Modelle mit Heckantrieb haben ein mechanisches Sperrdifferenzial. Allerdings greift die Stabilitätskontrolle schon recht früh ein, wenn nach einer Kurve zu früh wieder aufs Gaspedal getreten wird und das Heck ein wenig tänzelt. Gleichwohl lässt es sich mit dem viertürigen Coupé aber auch genussvoll cruisen. "Im Stinger geht es nicht darum, als erster am Ziel zu sein, sondern das Fahren zu genießen", sagt Gregory Guillaume, Designchef von Kia Europa. Er hat die Sportlimousine unter Aufsicht von Chefdesigner Peter Schreyer in europäischen Designzentrum in Frankfurt entworfen und auf die Straße gebracht. "Bei einem echten Gran Turismo dürfen Leistung, Dynamik und Styling nicht kompromisslos realisiert werden", betont Guillaume. Luxus, Komfort und ausgewogene Optik hätten hier einen hohen Stellenwert.

Das zeigt sich in der für einen Sportwagen typischen langen Motorhaube, dem kurzen Überhang (8,3 Zentimeter) vorn, einem langen Radstand (2,91 Meter) sowie einem größeren Überhang (elf Zentimeter) am Heck. Die Schultern sind breit ausgestellt, die Schulterlinie weit nach oben gezogen, so dass bis zum Coupédach nur wenig Platz für Fensterflächen bleibt. Die Idee der Designer war, dass sich Fahrer und Beifahrer wie in einem Kokon fühlen. Markant sind die seitlichen Lufteinlässe im Frontstoßfänger, die Kiemen an den vorderen Kotflügeln sowie der Heckdiffusor. Im Innenraum hingegen mangelt es an kaum etwas. Lederausstattung, elektrisch verstellbare, beheizbare und guten Halt gebende Vordersitze, Klimaautomatik, Navigation mit einem mittig auf dem Armaturenträger angesiedelten Acht-Zoll-Bildschirm, Soundsystem, Head-up-Display, Dreispeichen-Lenkrad mit Schaltwippen und eine Reihe von Assistenzsystemen sind serienmäßig. Der Sechszylinder als GT bietet von allem noch ein wenig mehr, hat beispielsweise 19- statt 18-Zoll-Räder, eine Brembo-Hochleistungsbremsanlage, Launch Control und LED-Scheinwerfer.

Gutes Platzangebot

Auch in Sachen Platzangebot gibt es nichts zu mäkeln. Bei einer Körpergröße von 1,85 Meter kann man auf der Rückbank noch bequem sitzen und hat ausreichend Bein- und Kopffreiheit. Fürs Gepäck steht ein Ladeabteil unter einer großen Klappe mit einem Volumen von immerhin 406 Litern zur Verfügung, dass bei umgeklappten hinteren Lehnen bis auf 1.114 Liter erweitert werden kann. Die Heckscheibe steht aufgrund der Coupéform jedoch sehr schräg. Obwohl die Heckscheibe eine große Fläche einnimmt, ist der Blick durch den Rückspiegel deshalb beeinträchtigt.

Blickt Steffen Cost, Geschäftsführer Kia Deutschland, auf den Stinger, sieht er ein neues Highlight im Programm der Marke. "Durch sein markantes Design wird der Wagen seinem Namen gerecht und sticht im Straßenbild ins Auge. Fahrerlebnis, Komfort, neueste Technologien und unsere Sieben-Jahres-Herstellergarantie machen das Sportcoupé zu einem Aushängeschild." Cost ist sich mit Peter Schreyer einig, dass der Stinger so etwas wie ein Wendepunkt für Kia ist. Mit diesem Auto würden Menschen auf den koreanischen Hersteller aufmerksam, die bislang noch nie über ein Fahrzeug der Marke nachgedacht hätten.

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