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Fahrbericht Opel Crossland X

Der größte Kleine

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Der neue Opel Crossland X fährt als erstes Modell eines französisch-deutschen Dreigestirns zu den Kunden.
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Kaum hat sich der französische PSA-Konzern mit Opel-Noch-Mutter GM auf eine Übernahme der deutschen Tochter geeinigt, da rollt schon das erste Modell der neuen Kooperation auf die Straße. Das ersetzt den Meriva und ist schon länger geplant.

Von Peter Maahn/SP-X

Der neue Opel Crossland X fährt als erstes Modell eines französisch-deutschen Dreigestirns zu den Kunden. Der hochbeinige Crossover ist eine gelungene Mixtur aus Kombi, Familien-Van und SUV und ersetzt den inzwischen nicht mehr gebauten Meriva. Die Netto-Preise starten bei 14.159 Euro.

Erst vor wenigen Wochen wurde verkündet, dass der französische PSA-Konzern (Peugeot, Citroën) die deutsche Traditionsmarke Opel unter seine Fittiche nehmen will. Und jetzt schon startet das erste gemeinsame Baby der Rivalen von einst, noch bevor die Verträge unterzeichnet sind. Wie geht das denn? Des Rätsels Lösung ist simpel. Schon vor gut fünf Jahren vereinbarten PSA und Opel die gemeinsame Produktion von kompakten Crossover-Modellen. Da war noch nicht die Rede davon, dass der Crossland X genannte Opel bald ein Mitglied der PSA-Familie werden könnte.

Das Timing für die ersten Testfahrten im ersten "Peugopel" könnte also nicht besser sein, liefert der Crossland X doch einen deutlichen Hinweis darauf, was da in Zukunft auf uns zurollt. Ein schmucker Fünftürer mit Opel-Blitz im Kühler, der auf einer Peugeot-Plattform fährt und auch von französischen Motoren bewegt wird. Bei alledem klar als ein typischer Opel der Neuzeit zu erkennen, der Innenraum orientiert sich am Erfolgsmodell Mokka X, der auch für die Gestaltung des Cockpits Pate stand. Ansonsten hat der Neuling allerdings nichts mit dem nur um sieben Zentimeter längeren Mokka zu tun, auch wenn er ebenfalls das magische "X" im Namen trägt.

Denn im Opel-Typenalphabet steht das "X" nicht für Allradantrieb, den es beim Mokka immerhin gegen Aufpreis gibt. Der Crossland X wird nur von den Vorderrädern gezogen, will auch nicht gegen die in jedem Schaufenster präsenten SUV-Modelle antreten. Ein Crossover eben, der das jeweils Beste aus der Welt der Kombis und kleinen Vans mit der Optik eines höher gebauten SUV kombiniert. Wer sich vor dem Start zur ersten Crossland-Runde im Innenraum umschaut und nacheinander alle Plätze ausprobiert, kommt ins Grübeln. Wirklich nur 4,21 Meter lang, dieser Opel? Und dann dieser üppige Kofferraum, der 410 Liter einladen kann. Das sind 40 Liter mehr als beim um 16 Zentimeter längeren Astra. Die Designer schafften das Raumwunder, indem die beiden Achsen so weit wie möglich an die Ränder der Karosse gerückt wurden.  Zudem ist der Motorraum recht kurz geraten.

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Im Test-Crossland meldet sich nach dem Druck auf den Startknopf ein Dreizylinder-Turbobenziner, der zum Beispiel auch im Peugeot 308 Dienst tut. Schon nach wenigen Kilometern wird klar, dass der 1,2-Liter mit dem 1,27 Tonnen schweren Opel wenig Mühe hat. Auf den engen Serpentinen zwischen venezianischen Weinbergen kommt sogar ein Hauch von Sportlichkeit auf, auch wenn das von dieser Art Autos nun gar nicht erwartet wird. Dazu muss allerdings das Sechsgang-Schaltgetriebe eifrig genutzt werden, dessen recht lange Schaltwege gewöhnungsbedürftig sind. Wenn der Direkteinspritzer mit seinen 96 kW / 130 PS samt Turbo bei Laune gehalten wird, tobt er in weniger als 10 Sekunden auf Tempo 100. Die Spitze von 206 km/h wird sich erst später auf deutschen Autobahnen beweisen müssen, wenn's denn mal flott gehen muss.

Straffe, aber komfortable Abstimmung

Gute Noten verdienen sich die Opel-Fahrwerksingenieure auf jeden Fall für die straffe, aber dennoch komfortable Abstimmung von Dämpfern und Federn, die alles andere als typisch französisch ist. Obwohl der Crossland X zehn Zentimeter höher als ein Astra ist, hält sich auch die Seitenneigung in erfreulichen Grenzen. Unterm Strich ein richtig erwachsenes Auto, das aber vor allem beim gelassenen Gleiten seine Trümpfe ausspielt. Hier kann die Schalthand Pause machen, die gute Dämmung sorgt ebenso für Behaglichkeit wie das in dieser Klasse nicht branchenübliche Ambiente. Natürlich viel Kunststoff, der aber recht sorgsam aufbereitet wurde. Wer sich für die Opel-typischen rückenschonenden Vordersitze entscheidet (415 Euro netto) bleibt dabei auch auf Langstrecken schmerzfrei.

Bei Studium der dicken Preisliste, die eine Fülle von Ausstattungspaketen bietet, fällt zuerst die großzügige Serienausstattung auf, die schon in den Basismodellen lockt. Müdigkeitswarner, Spurassistent, LED-Tagfahrlicht, Verkehrsschilderkennung, Tempomat und vieles mehr sind im Grundpreis immer mit drin. Wer mehr Geld ausgeben will, kann u.a. LED-Scheinwerfer mit Fernlichtassistent, Head-Up-Display, Toter-Winkel-Warner, Rückfahrkamera, Einparkautomatik, Internet-Anbindung oder um 15 Zentimeter verschiebbare Rücksitze bestellen. Viele dieser Schmankerln sind in miteinander mehr oder weniger kombinierbaren Paketen versteckt, die nur mit Hilfe eines Opel-Gelehrten durchschaubar werden. Der eifrige Verkäufer im Autohaus wird's schon richten.

Opel-Chef Karl-Thomas Neumann hofft zu Recht auf viele neue Kunden, die sich vom Crossland X trotz fehlendem Allradantrieb anlocken lassen. Und natürlich auf ehemalige Meriva-Käufer, die jetzt ja heimatlos sind. Und Neumann hat noch einen Trumpf im Crossover-Ärmel: Im Herbst erscheint der größere Grandland X, der mit seinen 4,48 Metern bei den Maßen des Innenraums noch mal mehr bietet. Auch dieser Opel, ein Schwestermodell des Peugeot 3008, wird zusammen mit dem PSA-Konzern produziert. Er soll es mit dem Branchenprimus VW Tiguan aufnehmen – allerdings wieder ohne Allrad.

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