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Fahrbericht Porsche Macan GTS

Ein SUV, das keins sein will

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Ein SUV mit 19 Zentimetern Bodenfreiheit ist eigentlich nicht wirklich ein SUV.
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Der neue Porsche Macan GTS ist nicht einfach schneller und besser als sein Vorgänger - er tut auch alles, um mehr Sportwagen als SUV zu sein.

Von Stefan Anker/SP-X

Ein reiner Sportwagenhersteller ist Porsche längst nicht mehr, und die beiden SUV-Baureihen haben schon vor Jahren die Oberhand gewonnen im Modellmix. Von den im vergangenen Jahr 280.800 weltweit verkauften Porsche-Fahrzeugen (so viele wie noch nie) trugen gerade noch 34.800 den Namen 911. Das bedeutet Platz drei im markeninternen Wettbewerb, und die Silbermedaille ist unerreichbar, denn dafür müsste der Elfer seine Zahlen fast verdreifachen. Auf Platz zwei liegt der mächtige Cayenne mit 92.055 Einheiten, und knapp davor hält das kompaktere SUV Macan die Pole Position. Sein Ergebnis von 99.944 Stück weltweit wirft die Frage auf, ob nicht noch irgendwo 56 Tageszulassungen möglich gewesen wären.

Wie es aussieht, könnte dieses Jahr die 100.000er-Marke aber auch ohne zusätzliche Vertriebstricks fallen. Denn es wäre ein Wunder, wenn der neue Macan GTS nicht weitere Kundschaft anlockte. Natürlich gab es die GTS-Variante schon, seit 2015 war sie im Programm. Doch 2018 bekam der 2014 eingeführte Macan sein Facelift, und auch für diese überarbeitete Variante steht nun das Modell Gran Turismo Sport, kurz "GTS", zur Verfügung. Wie gehabt, überbrückt es die gedachte oder vielleicht auch existierende Lücke zwischen Macan S und Macan Turbo. Vor allem aber teilt es dem Interessenten genau zwei Kernbotschaften mit.

Erstens: Ich bin zwar ein SUV, aber bitte betrachte mich nicht so. Wie sonst sollte man die Aussage des Baureihenleiters Julian Baumann interpretieren, der stolz verkündet: "Kein Macan ist näher an der Straße als der GTS." Die Tieferlegung, hier um 1,5 Zentimeter, ist zwar eine klassische GTS-Maßnahme, doch ein SUV mit 19 Zentimetern Bodenfreiheit ist eigentlich nicht wirklich ein SUV.

Zweitens: Ich bin zwar auch optisch aufgewertet worden, aber man wird mich niemals in einem Gangsta-Rap-Video sehen. Die einschlägige Branche hat sich mehr auf die ebenfalls schwäbischen Konkurrenten von AMG eingeschossen, und das ist den Porsche-Verantwortlichen auch ganz recht so. Ein Macan GTS trägt den Pelz nach innen, auf den ersten Blick ist er kaum als besondere Version zu identifizieren. Seine dezenten Verbesserungen sind dafür optisch nachhaltig: schwarz lackierte Elemente in der Frontschürze, in den Fassungen der Scheinwerfer und im Rückleuchtenband, schwarze Diffusorblende und Auspuffendrohe, dazu schwarzlackierte Felgen im RS-Spyder-Design – einen Macan GTS wird man nach Jahren noch ansehen können, ohne ihn aufdringlich zu finden.

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Die Eleganz setzt sich im Interieur fort mit Alcantara, Leder und gebürstetem Aluminium. Man steigt hier gern ein und nimmt Platz auf exquisiten Sportsitzen mit extra verstärkten Seitenwangen und acht Verstellmöglichkeiten. Zeit, den Schlüssel von der rechten in die linke Hand zu nehmen, über die Porsche-Marotte mit dem Zündschloss links neben dem Lenkrad zu schmunzeln und den neuen 2,9-Liter-V6 zu starten. 380 PS stehen zur Verfügung, 20 mehr als im alten Macan GTS. Das maximale Drehmoment von 520 statt 500 Newtonmetern liegt schon bei 1.750 Umdrehungen an und bleibt stabil, bis der Drehzahlmesser die 5.000er-Marke passiert.

Auch wenn der Macan GTS mit seinen 1.910 Kilogramm kein Fliegengewicht ist, der Biturbo unter der Motorhaube pustet dieses Gewicht fast weg. Im Sport-Plus-Modus katapultiert sich der Wagen in 4,7 Sekunden auf Tempo 100, was auch Rückschlüsse auf die Qualität der Kraftübertragung und des Allradantriebs zulässt. Ein Geländegänger ist der Macan zwar nicht, aber natürlich sind alle vier Räder am Vortrieb beteiligt. Eine elektronisch geregelte Lamellenkupplung verteilt die Kraft jederzeit variabel zwischen Vorder- und Hinterachse, und wer es beim Kavalierstart darauf ankommen lässt, spürt kaum ein Zucken oder Quietschen von den Reifen. Außerdem muss man nicht befürchten, dass das Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe beim Sortieren der Zahnräder Zehntelsekunden liegen ließe. Mit der Beschleunigungszeit jedenfalls (im Standardmodus sind es 4,9 Sekunden) ist der Macan GTS auf Sportwagen-Niveau – ein weiterer Hinweis darauf, dass das mit dem SUV wohl nicht so ernst gemeint war.

PASM ist serienmäßig

Keine Freude am Motor, wenn das Fahrwerk nicht mitspielt. Tieferlegung und große Räder (serienmäßig 20 Zoll), dazu hinten breitere Reifen als vorn (295 zu 265 Millimeter) legen die Basis für ein dynamisches Handling. Hinzu kommt das serienmäßige PASM (Porsche Active Suspension Management), das jederzeit die Dämpfung für jedes einzelne Rad an die Fahrsituation anpasst. So lässt es sich gut Kurvenräubern mit dem Macan GTS – zumindest so lange, bis man darauf kommt, in was für einem großen und schweren Auto man da unterwegs ist. Die Fliehkraft bei schneller Kurvenfahrt kann der beste Fahrwerksingenieur nicht wegzaubern, und einen höheren Schwerpunkt als ein richtiger Sportwagen hat ein SUV dann doch. Selbst wenn es gar kein SUV sein will.

Der Porsche Macan GTS kommt der Wunschvorstellung vom perfekten Auto schon recht nahe. Er ist attraktiv, schnell, sportlich, leidlich komfortabel, dazu ist er geräumig und kann auch mit praktischen Nutzungsmöglichkeiten aufwarten. Es gibt eigentlich nur einen Haken: Das fast perfekte Auto ist mit 65.378 Euro netto sehr teuer.

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