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Urbane Mobilität von morgen

"Wir müssen den Autos Verkehrsraum nehmen"

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Leichtfahrzeug-Messe "Micromobility" in Hannover
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Zentrales Thema beim "Kulturwechsel" der Mobilität in den Städten ist das Nebeneinander zwischen Automobilen und Leichtfahrzeugen. Dem Auto wird der Platz auf den Straßen zunehmend streitig gemacht.

Von Ralf E. Krüger, dpa

Mehr als ein Jahrhundert nach der Erfindung des Automobils steht die Mobilität vor neuen Herausforderungen. "Die Konflikte auf Radwegen und Straßen werden zunehmen, da bahnt sich eine zentrale politische Debatte an", ist sich Prof. Stephan Rammler sicher. Denn Leichtfahrzeuge machen heute zunehmend den Autos ihren Platz in den Innenstädten streitig. "Wir haben jahrzehntelang eine Welt der Mobilität gebaut, bei der das Auto dominant ist – das ändert sich", sagte der Berliner Professor zur Eröffnung der erstmals veranstalteten Messe "Micromobility Expo" am Donnerstag in Hannover.

Für den wissenschaftlichen Direktor vom Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung ist klar: "Wir müssen Funktionsräume schaffen und den Autos Verkehrsraum nehmen." Er hofft dabei auch auf die Kommunen. Die sehen die Debatte um die Integration von E-Bikes und Lastenrädern mit gemischten Gefühlen. Der Niedersächsische Städte- und Gemeindebund (NSGB) etwa befürwortet sie als Chance für den Klimaschutz, fordert aber neben der Pflicht für einen "Führerschein light" auch Mittel für den Umbau der Städte und Gemeinden.

Während sich E-Autos fast problemlos in den normalen Verkehr integrieren wird es für die Kleinfahrzeuge nämlich schwierig. "Für Fußgänger sind sie zu schnell und auf den Straßen schwer zu integrieren; wir müssen daher handeln, bevor es kracht", erklärte NSGB-Sprecher Thorsten Bullerdiek auf der Messe und betonte: "Diese Straßen und Fußwege wurden in den 50er Jahren erdacht und ausschließlich auf Fußgänger und Autos ausgelegt; den Radverkehr zu integrieren ist noch heute schwierig und nicht abgeschlossen."

Kluge Vernetzung

Eine kluge Regulierung sei nötig fürs Miteinander der Verkehrsträger – das fordern auch Aussteller wie der E-Bike-Hersteller Joern Stadtlander. Umweltfreundliche Lösungen für den Verkehr vor allem in Großstädten sollten nach Möglichkeit kluge Vernetzungen der Transportmittel sicherstellen. Für denkbar hält er es, mit einer Fahrkarte die Nutzung verschiedener Verkehrsmittel sicherzustellen. "Die Fahrzeugbreite der Autos muss zudem begrenzt werden – wir brauchen in den Innenstädten nicht so breite Autos", meint er.

Zum Auftakt der künftig jährlich stattfindenden Messe herrschte Konsens: Neue Transportmittel wie E-Tretroller, E-Skateboards, E-Bikes oder E-Kleinstwagen sind nicht die Lösung für alle urbanen Mobilitätsprobleme, aber ein wichtiger Baustein für die integrierte, neue Mobilität von morgen. Unter den Ausstellern ist auch Volkswagen Nutzfahrzeuge mit der Serienversion seines Cargo e-Bikes – einem Lastenrad, das bald auf den Markt kommt. "Es gilt, die urbane Mobilität zu verändern und die Emissionen dabei signifikant zu reduzieren", sagte Thomas Ludewig von der Projektleitung.

Die Branche sieht sich selbst noch eher als hochinnovativen Nischenmarkt – und schielt dabei auch aufs Ausland, in dem die Integration dieser Leichtfahrzeuge in den innerstädtischen Verkehr deutlich fortgeschrittener ist. Denn Deutschland gilt bei dem Thema im Vergleich zu Ländern wie etwa Frankreich noch als eine Art Nachzügler. Interesse an den Fahrzeugen wecken und auch die Hürde senken, diese Fahrzeuge mal zu testen: das ist daher das Ziel der neuen Messe für E-Tretroller, E-Skateboards, E-Bikes oder E-Kleinstwagen. Viele der gezeigten Modelle sind faltbar und wiegen zwischen zwölf und 15 Kilogramm und gelten als ideal für die Überbrückung des Weges zwischen Wohnung und öffentlichem Nahverkehr.

E-Scooter sind in vielen europäischen Metropolen schon im Einsatz. In Deutschland hat die geplante Zulassung der E-Tretroller auf Gehwegen auch zu Sicherheitsbedenken geführt. Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) will die Zulassung der E-Scooter in diesem Frühjahr durchsetzen, am 17. Mai soll der Bundesrat darüber abstimmen.

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