Lamborghini-Chef Winkelmann: "Performance ist mehr als null auf 100"

03.11.2026 10:57 Uhr | Lesezeit: 2 min
Stephan Winkelmann Lamborghini 2026
Lamborghini-CEO Stephan Winkelmann für das Ende des Jahrzehnts einen 2+2 Sitzer an.
©Foto: Lamborghini

Mit seinem neuen Hyper-SUV Urus Performante will Lamborghini Super-Sportwagen und Alltagsbegleiter unter einen Hut kriegen. Auch sonst bleiben die Italiener bewusst anders, wie CEO Stephan Winkelmann im Gespräch unter Beweis stellt.

Lamborghini fährt weiter mit Verbrenner – und verschiebt den ursprünglich geplanten Einstieg ins reine Elektrozeitalter. CEO Stephan Winkelmann erklärt im Gespräch mit SP-X, warum die Kunden keinen elektrischen Lamborghini wollen, weshalb Beschleunigung allein noch keine Performance ist und was Ende des Jahrzehnts kommt.

Herr Winkelmann, Lamborghini lebt von Sound, Emotion und großen Motoren. Wie rettet man das in eine weniger benzinschwangere Welt?

Wir haben zunächst die Zeit der reinen Verbrenner genutzt und sind dann auf Hybridfahrzeuge umgestiegen. Unser Versprechen war klar: besseres Design, mehr Performance und weniger CO2. Das haben die Kunden verstanden. Ursprünglich wollten wir Ende des Jahrzehnts unser erstes vollelektrisches Modell bringen. Aber wir stellen weltweit fest, dass die Akzeptanz eines elektrischen Lamborghini nicht steigt, sondern sinkt. Deshalb wird dieses Auto nun ein Hybrid. Gleichzeitig entwickeln wir unsere Elektro-Kompetenz weiter, um reagieren zu können, wenn sich der Markt dreht. Aber momentan sehe ich keinen Grund, die vollständige Elektrifizierung unserer Marke zu beschleunigen. Innovation darf kein Selbstzweck sein.

Ihre Kunden hängen am Verbrenner. Bekommen Sie das tatsächlich so direkt zu hören?

Sehr direkt. Der Kontakt mit unseren Kunden endet nicht mit dem Kauf. Wir veranstalten viele Events und Erlebnisfahrten, bei denen wir unmittelbares Feedback bekommen. Dazu kommen unsere knapp 200 Händler als Antennen in den Märkten und unsere Marktforschung. Wichtig ist aber nicht nur, was unsere Kunden sagen, sondern auch die gesellschaftliche Akzeptanz. Lamborghini ist für viele ein Traum und für wenige Realität. Wenn die Leute einem vorbeifahrenden Lamborghini noch immer zurufen: „Gib mal Gas!“, ist das für mich ein gutes Zeichen.

Heute fährt manchem Lambo an der Ampel ein Mittelklasse-EV davon. Ist das für Sie nicht beinahe eine Beleidigung?

Nein. Auch früher gab es getunte Turbomotoren mit 1.500 PS, die uns bei der Beschleunigung um die Ohren gefahren sind. Performance ist mehr als null auf 100. Es geht um Handling, Leichtfüßigkeit und darum, welche Emotion ein Auto vermittelt. Es gibt Elektroautos, die deutlich unter drei Sekunden auf 100 beschleunigen. Das macht man ein paar Mal, danach fühlt man sich nur noch schlecht. Beschleunigung allein ist keine Emotion. Ein Lamborghini muss als Gesamtpaket funktionieren.

Was kommt als Nächstes? Kehrt der klassische Lamborghini-GT zurück?

Er kommt Ende des Jahrzehnts. Ob ich ihn einen klassischen GT nennen würde, weiß ich nicht. Aber es wird ein großartiger Zweitürer mit 2+2 Sitzen. Das Konzept bleibt also so, wie wir es ursprünglich geplant hatten – nur der Antrieb wird ein anderer sein.


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