Renault Duster: Für Indien neu erfunden

28.01.2026 10:19 Uhr | Lesezeit: 2 min
Wer "Duster" hört, denkt an Dacia. International ist das anders.
© Foto: Renault

Wer "Duster" hört, denkt an Dacia. International ist das anders. In vielen Märkten tritt der Erfolgs-SUV als Renault auf. In Indien jetzt in einer komplett neu entwickelten, größeren und deutlich hochwertigeren Version.

Moment mal, Duster ist doch das Erfolgsmodell von Dacia. Tatsächlich kennt man in Europa den Namen nur in Verbindung mit der rumänischen Billigmarke. Doch global hat der Duster ein besseres Image, fährt in etlichen Ländern auch als Renault. Tatsächlich gehört er zu den erfolgreichsten SUV-Konzepten der vergangenen 15 Jahre. Knapp zwei Millionen Exemplare wurden weltweit verkauft, in Russland, Südamerika, Afrika und auch in Indien, wohin bisher zehn Prozent aller gebauten Duster gingen. Dort ist der Duster sogar eine Art Gattungsbegriff. Als Renault ihn 2012 auf den Markt brachte, war er der erste SUV und Gründer eines Segments, das heute mehr als die Hälfte des Marktes stellt. 

Kein Wunder also, dass Renault den Duster für Indien nicht einfach als Dacia-Ableger weiterlaufen lässt, sondern ihn komplett neu denkt. Der Subkontinent ist mittlerweile der drittgrößte Automarkt der Welt, wächst stabil um fünf bis zehn Prozent pro Jahr und dürfte bis 2030 bei rund sechs Millionen Pkw jährlich liegen. "Mit über 1,4 Milliarden Bewohnern wird Indien demnächst sogar China als bevölkerungsreichstes Land überholen", sagt Produktvorstand Bruno Vanel. "Für uns ist das ein Markt mit sehr großem Potenzial."  

Unterschiede: Steuerregeln, Infrastruktur, Nutzungsprofile

Allerdings auch ein sehr spezieller. Steuerregeln, Infrastruktur, Nutzungsprofile und Erwartungen unterscheiden sich fundamental von Europa. Familien können sich, wenn überhaupt, meist nur ein kleines Auto leisten. Auch weil Motoren unter 1,2 Liter Hubraum sowie kleine Fahrzeuge unter vier Metern Länge steuerlich stark begünstig werden. Pkw über 4,50 Meter sind dagegen im Unterhalt vergleichsweise teuer. Deshalb tummelt sich das Gros der Modelle irgendwo dazwischen im stark wachsenden B-Segment. Genau hier setzt der auch neue Renault Duster an.  


Renault Duster

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Technisch basiert er zwar auf der bekannten Duster-Architektur, ist genauso lang und breit wie der Dacia. Da in Indien selbst kleine Fahrzeuge als vollwertige Familienfahrzeuge verwendet werden, ist aber er vier Zentimeter höher. Das macht den Innenraum spürbar luftiger, vor allem für die hinten sitzenden Passagiere.

Optisch tritt er selbstbewusster auf als sein rumänischer Bruder, wirkt hochwertiger mit bis zu 18 Zoll großen Rädern und optional schwarz abgesetztem Dach. Der Name Duster prangt groß im Kühlergrill, flankiert von einer neuen LED-Lichtsignatur. Renault verzichtet bewusst auf das Markenlogo an der Front, weil der Name in Indien stärker zieht als jedes Emblem. Breite Radhäuser, Unterfahrschutz, Dachreling und eine horizontale Lichtleiste am Heck unterstreichen den robusten Anspruch. Obwohl ein Allradantrieb künftig fehlt. „4x4-Fahrzeuge sind in dieser Klasse nicht gefragt, der Anteil beim bisherigen Modell lag gerade mal bei drei Prozent“, sagt Vanel. Als Ausgleich erhöhen die Franzosen die Bodenfreiheit um ein paar Millimeter und mit bis zu 29 Grad Böschungswinkel wird er zum Alltagstools für schlechte Straßen und soll auch dort funktionieren, wo der Asphalt endet. 

Innen wird klar, dass dieser Duster nichts mehr mit dem rustikalen Image früherer Generationen und wenig mit dem aktuellen Dacia zu tun hat. Indische Käufer bekommen ein Auto mit modernem Cockpit, das von zwei bis zu 10,25 Zoll großen und zu einem Großbildschirm zusammengefassten Displays dominiert wird. Bei den Tech-affinen indischen Kunden dürfte auch die Google-basierte Fahrzeugsteuerung gut ankommen. Navigation, Sprachsteuerung, Apps, alles funktioniert wie auf dem Smartphone, inklusive Google Maps und Play Store. Ambientebeleuchtung mit bis zu 48 Farben, belüftete Sitze und ein großes Glasdach lassen den Wagen zudem wertig auftreten. 

Technisch greift Renault in Indien ebenfalls inzwischen in die Vollen. Zum Marktstart gibt es zwei Turbobenziner, später folgt der eigentliche Trumpf. Der neue Duster wird als erster Renault in Indien mit einem 160 PS starken Hybridmotor angeboten, wie ihn die Franzosen in Europa beispielsweise im Symbioz oder dem kleinen SUV Captur einsetzen. Dessen 1,8 Liter große Benziner wird mit zwei Elektromotoren und einem Multimode-Getriebe kombiniert. In der Stadt soll der Duster bis zu 80 Prozent der Zeit elektrisch unterwegs sein, der Verbrauch sinkt im Alltag um bis zu 40 Prozent. Für einen Markt, in dem Effizienz in Kilometern pro Liter gerechnet wird und wo Mega-Citys wie Mumbai oder Delhi unter extrem schlechter Luft leiden, ist das ein starkes Argument. 

Außerdem sind bis zu 17 Assistenzsysteme an Bord, von adaptivem Tempomat über 360-Grad-Kamera bis zu automatischem Fernlicht. Sicherheit entwickelt sich in Indien zu einem zentralen Thema, gerade bei Nachtverkehr und dichtem Stadtbetrieb. Renault positioniert den Duster deshalb bewusst oberhalb vieler lokaler Wettbewerber. 

Dieser Renault ist damit kein einfacher Dacia mit anderem Logo, sondern ein eigenständig entwickeltes SUV für einen Markt mit enormem Potenzial, entwickelt in Indien und für Indien. Und wer demnächst wieder irgendwo in Afrika einen Renault Duster übernimmt, wird möglicherweise etwas enttäuscht einsteigen. Denn dort bleibt er weiterhin nur ein umgelabelter Dacia. 

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