Ein Kompakter mit viel Platz, Temperament und sportlichem Touch, der zudem Reisekomfort bietet und dabei für sehr niedrige Energiekosten sorgt: Der neue MG4 Urban vereint Eigenschaften, die es in dieser Kombination und zu derart schlanken Preisen bis vor wenigen Jahren schlicht nicht gab. Der Chinese mit britischer Markenidentität kostet in der Basisversion regulär rund 25.000 Euro. Für die von uns getestete Topversion Luxury mit großer Batterie werden 31.500 Euro fällig. Aktuelle Rabatte von MG Deutschland drücken die Preise jedoch auf rund 20.000 beziehungsweise 25.000 Euro. Mit staatlicher E-Auto-Förderung wird es noch günstiger.
Mit knapp 4,40 Metern Länge lässt sich der MG4 Urban klar der Kompaktklasse zuordnen, optisch wirkt er jedoch eher wie ein Vertreter der Kleinwagenklasse. Für ein Elektroauto bleibt er zudem vergleichsweise flach. Charakterlinien in den Flanken, schicke 17-Zoll-Leichtmetallräder, Rückleuchten mit Union-Jack-Zitat, Spoiler und ein angedeuteter Diffusor sorgen für einen insgesamt gelungenen Auftritt. Nett gelöst: Das große MG-Logo dient zugleich als Griff für die Heckklappe.
Großer Innenraum mit viel Alltagstauglichkeit
Der Kofferraum dahinter ist üppig bemessen. Ein Zwischenboden erleichtert das Beladen, darunter verbirgt sich ein überraschend tiefer Stauraum, der die Mulde für das nicht vorhandene Ersatzrad nutzt. Nach dem Umlegen der im Verhältnis 60:40 geteilten Rücksitzlehne entsteht eine weitgehend ebene Ladefläche. Dabei wächst das Gepäckabteil von 470 auf 1.362 Liter.
Der Sparwille zeigt sich etwa an den Textilschlaufen zur Lehnenentriegelung oder an einer zwar ausreichend stabilen, aber dennoch sehr dünnwandigen Kofferraumabdeckung. Trotz des freien Raums unter der kurzen Fronthaube verzichtet der Urban auf einen Frunk.
Für einen Wow-Moment sorgt der Einstieg in den Fond. Bein- und Kniefreiheit sind ausgesprochen großzügig, der Boden ist durchgehend flach, während sich die Füße entspannt unter die Vordersitze schieben lassen. Große Türtaschen, ein USB-Anschluss und eine kleine Ablage an der Mittelkonsole erhöhen den Alltagsnutzen. Selbst der mittlere Platz ist nutzbar, allerdings ist seine Lehne hart und die Kopfstütze fest integriert.
Wertiger Eindruck im Cockpit
Vorne präsentiert sich der MG wertiger, als wir erwartet hätten. Unterschiedlich strukturierte Oberflächen sowie Zierelemente in Aluoptik, darunter eine schick hinterleuchtete Dekorleiste auf dem Armaturenbrett, lockern das überwiegend schwarze Cockpit auf.
Die angenehm konturierten Sitze bieten etwas Seitenhalt und erwiesen sich auch auf mehrstündigen Etappen als bequem. Dazu passend verleiht das griffige Lederlenkrad mit diversen Bedientasten dem Innenraum eine sportliche Note. Der Fahrersitz lässt sich elektrisch einstellen, die in die Lehnen integrierten Kopfstützen jedoch nicht. Dank mehrerer Ablagen, einer großen Smartphone-Ladeschale, USB-Anschlüssen und einer 12-Volt-Steckdose ist der Arbeitsplatz praxisgerecht gestaltet.
Das kompakte Fahrerdisplay hinter dem Lenkrad zeigt die wichtigsten Informationen übersichtlich an. Der zentrale XL-Touchscreen bietet ebenfalls eine bedienfreundliche Oberfläche und reagiert meist ausreichend schnell. Das kabellose Android Auto funktionierte im Test tadellos, weshalb wir auf die Nutzung von Bordnavi und Radio verzichtet haben. Für Klima und Warnblinker gibt es unterhalb des Displays eine kleine Bedienleiste mit physischen Tasten. Besonders unkompliziert ist die Startlogik: einsteigen, Bremspedal treten, Fahrstufe D am rechten Lenkstockhebel wählen und losfahren. Einen Startknopf gibt es nicht.
Angenehmer Antrieb und ausgewogenes Fahrverhalten
Den Vortrieb übernimmt ein 118 kW (160 PS) starker Elektromotor an der Vorderachse. Seine 250 Nm Drehmoment bringen den rund 1,6 Tonnen schweren Fünftürer aus dem Stand lebhaft in Schwung. Auch oberhalb des Landstraßentempos lässt der Schub nicht nach. Selbst zwischen 130 und 160 km/h kann sich die Elastizität sehen lassen.
Die Traktion ist gut, die Lenkung spricht homogen an und vermittelt durchaus Rückmeldung. Auch in Kurven fühlt sich der MG leichter und beweglicher an, als man es von den meist schweren Stromern erwarten würde. Das ausgewogene Fahrwerk ist weder unnötig straff noch betont weich. Erst auf Querverwerfungen und komplexeren Unebenheiten reagiert der Unterbau mitunter etwas unwirsch. Insgesamt bleibt der Urban jedoch angenehm vorhersehbar und spurstabil. Längere Autobahnetappen lassen sich entspannt zurücklegen, zumal der Wagen stets angenehm leise bleibt.
Assistenzsysteme mit Nachholbedarf
Störend können dagegen die Assistenzsysteme wirken. Der Abstandstempomat reagierte einige Male mit heftigen Bremseingriffen, etwa auf Fahrzeuge in der Nachbarspur oder auf einscherende Überholer. Auch der Spurhalteassistent und vor allem der Müdigkeitswarner agieren etwas zu sensibel. Gähnt der Fahrer mehrfach hintereinander, mahnt das System über längere Zeit optisch und akustisch zu einer Pause.
Niedriger Verbrauch als große Stärke
Eine große Stärke des MG4 Urban ist sein niedriger Verbrauch und die damit verbundenen Energiekosten. Nach 1.310 Kilometern wies der Bordcomputer 16,4 kWh je 100 Kilometer als Durchschnittsverbrauch aus. Mit Hausstrom geladen, entspricht das rund fünf Euro pro 100 Kilometer.
Die meisten Kilometer entfielen auf Autobahntouren bei sommerlichen Temperaturen, aktiver Klimaanlage und überwiegend Tempo 130. Für einen Kompakt-Stromer mit 160 PS ist das ein guter Wert. Dank der 54-kWh-Batterie sind im Langstreckeneinsatz bis zu 300 Kilometer am Stück realistisch.
Laden eher durchschnittlich
Ein Sprinter ist der MG4 Urban am Hypercharger nicht. Wer mit niedrigem Akkustand andockt, kann zwischenzeitlich immerhin bis zu 88 kW Ladeleistung abrufen. Bei einem Ladestopp flossen in 21 Minuten rund 30 kWh in den Akku, was einer durchschnittlichen Ladeleistung von etwa 85 kW entspricht. Für eine 500-Kilometer-Reise reicht damit in der Regel ein Zwischenstopp von 20 bis 25 Minuten.
Fazit
Obwohl der Beiname Urban ein vor allem auf den Stadtverkehr zugeschnittenes Einsatzspektrum vermuten lässt, erwies sich der Chinese zumindest mit dem größeren Akku als durchaus langstreckentauglich.
Insgesamt wirkte der MG4 Urban in vielen Disziplinen erwachsener, als wir es angesichts seiner Preise erwartet hätten. Er bietet viel Platz, bequeme Sitze, einen temperamentvollen Antrieb und eine erfreulich gute Effizienz. Gespart wurde zwar an einigen Details, jedoch nie so drastisch, dass der Gesamteindruck ins Billige kippt. Den größten Nachholbedarf hat MG nicht bei den mechanischen Grundqualitäten, sondern bei der Feinabstimmung der elektronischen Helfer.
MG4 EV Urban: Kurzcharakteristik
- Warum: Sehr gute Ausstattung, sehr gutes Raumangebot, sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis
- Warum nicht: Nervige Assistenzsysteme, mäßiges Ladetempo
- Was sonst: Citroën ë-C3, Renault 5 E-Tech, VW ID. Polo.