Retro kann schnell nach Nostalgie-Falle aussehen. Bei Renault wirkt es derzeit erstaunlich stimmig. Nach Renault 5 und Twingo greift auch der Renault 4 tief in die eigene Markenhistorie - ohne dabei wie ein bloßes Design-Zitat zu wirken. Die Franzosen kombinieren vertraute Formen mit moderner E-Tech-Technik und zeigen damit, dass ein Auto zugleich sympathisch, praktisch und zeitgemäß sein kann.
Der Testwagen tritt in frischem Kumulus-Blau an, das schwarze Dach setzt einen angenehmen Kontrast. Die Zweifarblackierung steht dem nur 4,14 Meter langen Crossover ausgezeichnet, kostet allerdings 630 Euro extra. Vorn blickt der R4 mit markanten, klammerartigen Scheinwerfern in die Welt, dazu kommt das beleuchtete Renault-Logo. Betonte Radkästen, Dachreling und Dachspoiler geben dem kleinen Franzosen einen robusten Auftritt, ohne ihn künstlich auf einen Geländewagen zu trimmen.
Renault R4 E-Tech Test (2026)
Renault R4 E-Tech: Chic und praktisch
Auch im Innenraum darf französische Lebensart nicht fehlen. Besonders augenfällig ist das Rattan-Körbchen auf der Fahrerseite - offiziell als Baguette-Halter gedacht. In der Praxis passt dort allerdings eher ein schmales Flûte hinein als ein klassisches Langbrot. Zudem wirkt die Befestigung nicht sonderlich stabil. Als Gag charmant, als 161-Euro-Extra aber verzichtbar.
Das Cockpit zeigt sich deutlich vernünftiger. In der Ausstattung Iconic 150 wirkt es übersichtlich, modern und erfreulich aufgeräumt. Zwei gut ablesbare 10-Zoll-Bildschirme bilden das OpenR-link-Multimediasystem. Wer den Renault 5 kennt, fühlt sich sofort zuhause, denn das Layout ist nahezu identisch. Dank Google-Navigation inklusive Echtzeit-Routenplanung führt das System zuverlässig zur nächsten Ladesäule. Wer möchte, kann außerdem mit dem virtuellen Assistenten "Reno" sprechen und per Sprachbefehl etwa die Fenster öffnen - oder es sein lassen.
Gut gelöst ist auch die Bedienung der Assistenzsysteme. Statt sich mühsam durch Menüs zu tippen, lassen sich Spurhalteassistent und Tempo-limitwarner über einen Knopf auf der Armaturentafel schnell deaktivieren. Die zusätzlichen Sicherheits- und Fahrassistenten bündelt Renault im "Safety & Advanced Driving Assist Paket", das mit 630 Euro berechnet wird.
Die Revolverschaltung des historischen R4 ist Geschichte. Im neuen Modell übernimmt ein Wählstock die Gangwahl. Der e-Shifter gönnt sich hier allerdings eine kurze Denkpause. Vor dem Losfahren sollte man deshalb genau prüfen, ob der gewünschte Gang wirklich eingelegt ist.
Innen gibt sich der R4 charmant
Vorn bietet der Renault 4 ein angenehm luftiges Raumgefühl. Hinten wird es für Erwachsene dagegen spürbar enger. Das niedrige Dach und die kleinen Fenster schränken das Raumgefühl in Reihe zwei zusätzlich ein. Die Rundumsicht bleibt dennoch ordentlich, weshalb Rangieren im Alltag keine große Herausforderung darstellt.
Der Innenraum ist zwar großflächig mit Kunststoff ausgekleidet, wirkt aber nicht billig. Die Stoffsitze im Hahnentritt-Dessin mit gelben Kontrastnähten machen einen schicken und bequemen Eindruck. Nettes Detail: das eingewebte kleine Trikolore-Fähnchen am Armaturenbrett. Die Lehne des Fahrersitzes wird manuell eingestellt und es gibt Sitzheizung sowie eine elektrisch justierbare Lendenwirbelstütze.
Praktisch zeigt sich der Renault 4 beim Thema Gepäck. Im Kofferraum finden sich Verzurrösen und Kunststoffhaken, die bei der Ladungssicherung helfen. Die elektrisch öffnende Heckklappe schwingt weit genug nach oben, sodass man sich beim Beladen nicht den Kopf stößt. Das Ladevolumen liegt bei respektablen rund 420 bis 1.405 Litern - ein starker Wert für ein Auto dieser Größe.