Christoph von Meyer ist seit über 25 Jahren bei BMW. Nach verschiedenen Stationen als Leiter International Corporate Sales und International Direct and Special Sales, verantwortet er seit 2022 den Bereich Kunde, Marken, Vertrieb bei der BMW-Tochter Alphabet. Der Business-Mobility-Anbieter betreut und berät große DAX-Konzerne, aber auch mittelständische Unternehmen hinsichtlich ihrer Mobilität und Flotten. Am Anfang unseres Gesprächs wollen wir mit Christoph von Meyer also über die Stimmung bei den Fuhrparkleitern reden.
Herr von Meyer, wie blicken Sie aktuell auf die Fuhrparks – auch im Vergleich zu den vergangenen drei Jahren, als wir uns zuletzt trafen?
Christoph von Meyer: Es hat sich einiges getan. Vor drei Jahren ging es vielen Unternehmen vor allem um die Frage: „Wie gelingt es, den Fuhrpark zu elektrifizieren?“ Sie standen zum Teil noch ganz am Anfang der Transformation. Heute ist der Wandel voll im Gange – die Integration alternativer Antriebe mittlerweile fast Standard.
Trifft das auf alle Flottengrößen gleichermaßen zu?
C. von Meyer: Hier würde ich unterscheiden. Einige große Konzerne haben teilweise schon eine reine BEV-Strategie. Andere setzen noch auf hybride Modelle, beziehungsweise integrieren Verbrenner dort, wo es Sinn ergibt. Dabei spielen immer auch Einsatzzweck, Fahrprofile und die Infrastruktur am Unternehmensstandort eine Rolle.
Was sind die Fragen der Unternehmen hinsichtlich der Ladeinfrastruktur?
C. von Meyer: Auch in dieser Hinsicht sehen wir eine deutliche Entwicklung: Viele Unternehmen haben sich in den vergangenen Jahren intensiv mit dem Thema beschäftigt und die notwendigen Strukturen vor Ort geschaffen. Wir beraten natürlich nach wie vor umfassend, wenn der Bedarf besteht.
Was ist aus den früheren Bedenken gegenüber den Stromern geworden?
C. von Meyer: Die oft zitierte Reichweitenangst ist verschwunden. Das liegt auch an den neuen Modellen am Markt, die völlig neue Reichweiten und Ladegeschwindigkeiten ermöglichen – ein ganz prominentes Beispiel ist der neue BMW iX3. Die Nachfrage nach diesem Modell ist wirklich beeindruckend.
Wie groß sind die Fuhrparks der Alphabet-Kunden in der Regel?
C. von Meyer: Wir betreuen Unternehmen mit Fuhrparks ab 50 Fahrzeugen. Im Schnitt haben unsere Kunden rund 300 Einheiten. Aber es gibt auch sehr viel größere Flottenbetreiber.
Generell gefragt: Verschiebt sich der Stellenwert des klassischen Dienstwagens?
C. von Meyer: Keineswegs, der Stellenwert eines Dienstwagens ist nach wie vor sehr hoch. Auch bei den jüngeren Generationen spielt dieses Incentive eine wichtige Rolle. Das Einzige, was wir hier beobachten: Es wird häufig nicht mehr nach dem größten Modell, sondern vielmehr nach einer CO2-optimierten Version gefragt.
Mobilität lässt sich langfristig über Leasing oder kurzfristig über Miete beziehungsweise Auto-Abos darstellen. Sehen Sie hier Veränderungen?
C. von Meyer: Alternative Mobilitätsangebote wie Auto-Abos werden zweifelsohne präsenter, dennoch nicht als Alternative zum Dienstwagen, sondern vielmehr als Ergänzung. Unsere Kunden nutzen entsprechende Angebote immer als Add-on, um von noch mehr Flexibilität zu profitieren.
Es heißt, es gebe ein Revival der Bruttogehaltsumwandlung. Früher gab es im Marktumfeld mehr Ankündigungen als Abschlüsse. Was ist nun anders?
C. von Meyer: Das Motivationsleasing gibt es schon recht lange, aber der administrative Aufwand für die Fuhrparkverantwortlichen ist verhältnismäßig hoch. Auch das Risiko, dass ein Arbeitnehmer frühzeitig das Unternehmen verlässt und das Fahrzeug somit nicht mehr benötigt wird, ist nicht unerheblich. Mittlerweile gibt es aber neue Ansätze am Markt, um das deutlich einfacher und effizienter zu gestalten.
Im Remarketing der Stromer sucht man noch diesen Gamechanger, denn die Raten liegen immer noch deutlich unter jenen der Verbrenner. Wäre ein Auto-Abo mit den jungen Gebrauchten ein Weg für Alphabet?
C. von Meyer: Am Ende eines Leasingzyklus setzen wir alles daran, die beste Möglichkeit zur Vermarktung und damit weiteren Nutzung umzusetzen. Das Gebrauchtwagen-Leasing beziehungsweise ein entsprechendes Auto-Abo hat sich hierbei bisher nicht durchgesetzt. Es gibt aber auch keine entsprechende Nachfrage bei unseren Kunden.
Eine hohe Nachfrage hat das erste Modell der Neuen Klasse, der iX3, generiert. Gibt es hier schon längere Lieferzeiten?
C. von Meyer: Uns freut das wirklich außergewöhnliche Feedback und die große Nachfrage nach dem BMW iX3 sehr. Man merkt, dass von Anfang an transportiert werden konnte, welcher Fortschritt durch die Neue Klasse erreicht wurde. Mittlerweile ist auch der BMW iX3 40 auf dem Markt, was gerade für Flottenkunden ein sehr interessantes Modell ist.
Da die Nachfrage lokal variiert, kann es zu unterschiedlichen Lieferzeiten kommen. Wir setzen alles daran, unsere Kunden durchgehend mobil zu halten. Sollte es doch einmal zu längeren Lieferzeiten kommen – egal bei welchem Modell – finden wir für unsere Kunden Wege, diese Lieferfristen einfach zu überbrücken, zum Beispiel mit flexiblen Angeboten oder Vertragsverlängerungen bestehender Fahrzeuge.
Zum Produkt Auto gehört heutzutage auch eine App. Welche Rolle spielt die Alphabet-App für Fahrer und Fuhrparkmanager?
C. von Meyer: Es gibt zum einen die BMW-App, die sehr fahrzeugbezogen ist, und diverse Services rund ums Fahrzeug abbildet. Unsere Alphabet App ist nutzerbasiert und ermöglicht den Dienstwagenfahrern eine Reihe von Self-Services. Darunter fallen beispielsweise: Servicetermine vereinbaren, Schadenmeldungen abwickeln, usw.
Wie viele Nutzer verwenden dann die Alphabet App?
C. von Meyer: Wir haben aktuell rund 174.000 Einheiten im Bestand, davon sind rund 150.000 Fahrzeuge bei Großkunden im Einsatz. Darunter fallen wiederum 25.000 leichte Nutzfahrzeuge, so dass wir eine Grundgesamtheit an Dienstwagen von gut 125.000 Fahrzeugen haben. Parallel gibt es rund 55.000 App-Nutzer, was bei der Bezugsgröße ein wirklich guter Wert ist.
Bekommt auch der Fuhrparkmanager über die App zusätzliche Daten geliefert?
C. von Meyer: Die Alphabet App richtet sich an die Dienstwagenfahrer. Alle Daten werden natürlich DSGVO-konform behandelt, sodass kein automatischer Transfer in andere Alphabet Applikationen erfolgt. Sämtliche für ihre Arbeit relevanten Daten erhalten die Fuhrparkverantwortlichen über unser webbasiertes 360 Fleet Portal. Unser Ziel war es, somit ein digitales Ökosystem zu schaffen, das die Bedürfnisse der Fahrer bestmöglich mit denen der Fuhrparkverantwortlichen vereint.
Was leistet die Alphabet-eigene KI-Lösung im Fleet Reporting heute schon?
C. von Meyer: Der Alphabet AI Assistant kann als Large Language Model sämtliche Daten, die im Fleet-Reporting vorhanden sind, sprachgesteuert analysieren, aufbereiten und auswerten. So beantwortet das KI-gestützte Tool Fragen nach Kilometerausreißern, ungewöhnlichen Tankabrechnungen oder auch Verträgen, die in Kürze auslaufen.
In welchen Punkten entscheiden sich die Fuhrparkleiter dafür, diese von Alphabet erledigen zu lassen, um sich selbst Freiräume im Tagesgeschäft zu ermöglichen?
C. von Meyer: Es gibt kaum Alphabet-Kunden, die reines Finanzleasing nutzen. Mehr als 70 Prozent buchen beispielsweise das Wartungs- und Reparatur-Paket dazu. Auch das Reifenmanagement erfährt eine hohe Penetration, da es einen großen organisatorischen Aufwand bedeutet. Gleiches gilt für den Servicebaustein Schadenmanagement. Tendenziell kann man sagen: Je größer die Flotte, desto mehr ist das Bedürfnis da, viele Dienstleistungen zu externalisieren.
Bieten Sie Risk-Management als Teil des Schadenmanagements an?
C. von Meyer: Im Bereich Schadenmanagement haben wir ein Beraterteam, das sich auf Wunsch mit den Kunden Auswertungen anschaut, eruiert, wie die Schäden entstanden sind und wie sie zu vermeiden sind.
Gibt es ein Produkt für Ordnungswidrigkeiten?
C. von Meyer: Ja, das Strafzettelmanagement. Da gibt es zwei Varianten. Die eine ist, dass Fahrzeuge auf uns zugelassen sind. In diesem Fall ist der Service inkludiert. Aber es gibt auch Kunden, die diesen Service für ihre Fahrzeuge entsprechend hinzubuchen.
Wie gehen Sie mit Blockiergebühren im Auftrag des Kunden um?
C. von Meyer: Wir unterstützen bei entsprechenden Anfragen individuell und prüfen aktuell, inwiefern wir diesen Support auch standardisiert anbieten können.
Alphabet agiert markenunabhängig. Spüren Sie mehr Anfragen von chinesischen Herstellern, die Leasing in Deutschland anbieten wollen?
C. von Meyer: Auch hier agieren wir immer im Sinne unserer Kunden. Wenn eine Nachfrage besteht – ein Beispiel war damals Tesla – prüfen wir die Möglichkeiten. Natürlich haben wir auch eine Einkaufsabteilung, die mit den großen OEMs kontinuierlich im Austausch ist. Momentan ist die Nachfrage nach Marken aus dem asiatischen Raum aber noch sehr begrenzt.
Herzlichen Dank, Herr von Meyer, für das Gespräch.