Eine Wallbox zu Hause verändert, wie Beschäftigte ihren Plug-in-Hybrid nutzen – und welchen Dienstwagen sie als Nächstes wählen. Prof. Wolfgang Habla von der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) Villingen-Schwenningen hat diese Zusammenhänge gemeinsam mit Johannes Gessner, Benjamin Rübenacker und Ulrich J. Wagner anhand von Unternehmensdaten untersucht.
Auf der Nationalen Konferenz für betriebliche Mobilität 2026 wird der Experte über "Die strategische Rolle des Heimladens für Flotten mit PHEV-Anteil" sprechen. Im Autoflotte-Interview erklärt er vorab, warum kostenloser Ladestrom allein nicht genügt und weshalb Unternehmen Ladeinfrastruktur über den nächsten Leasingwechsel hinaus planen sollten.
Ihre Studie zeigt: Mit einer eigenen Wallbox fahren Beschäftigte ihren Plug-in-Hybrid deutlich häufiger elektrisch. Was verändert das Heimladen im Alltag – und warum reicht es nicht, dass der Arbeitgeber Strom und Kraftstoff bezahlt?
Prof. Wolfgang Habla: Gerade weil der Arbeitgeber ohnehin alles bezahlt, gibt es keinen finanziellen Grund zu laden – und Laden unterwegs kostet Zeit und Planung, während Tanken schnell nebenbei geht. Vor der Wallbox-Installation wurden die Plug-in-Hybride in unserer Studie deshalb nur rund fünf Prozent ihrer Kilometer elektrisch gefahren, obwohl das Laden auf dem Firmenparkplatz und an öffentlichen Säulen für die Beschäftigten kostenlos war. Mit der Wallbox wird Laden zur Routine: abends einstecken, morgens mit vollem Akku los. Die geladene Strommenge hat sich fast verfünffacht. Für Unternehmen heißt das: Laden muss so einfach sein wie Tanken.
Sie ermitteln eine CO2-Minderung von rund 13 Prozent. Unter welchen Voraussetzungen lässt sich der CO2-Effekt auf andere Flotten übertragen – und wo liegen die Grenzen?
Prof. Wolfgang Habla: Der CO2-Ausstoß sinkt um gut 120 Kilogramm CO2 pro Fahrzeug und Quartal, also etwa eine halbe Tonne im Jahr. Übertragbar ist das vor allem auf Flotten, deren Plug-in-Hybride bisher selten geladen werden und deren Beschäftigte zu Hause eine Wallbox installieren können; wo schon viel geladen wird, ist weniger zu holen, und in Mietwohnungen oder ohne eigenen Stellplatz fehlt oft schlicht die Möglichkeit. Der größere Hebel liegt ohnehin beim nächsten Dienstwagen: Über die Lebensdauer einer Wallbox stammen mehr als 80 Prozent der CO2-Einsparung daraus, dass Beschäftigte beim nächsten Dienstwagen auf ein reines Elektroauto umsteigen. Mein Rat wäre deshalb: erstmal die Datengrundlage schaffen, wie viel die eigenen Plug-in-Hybride tatsächlich elektrisch fahren – die Tank- und Ladedaten dafür liegen in vielen Fuhrparks bereits vor.
Eine Wallbox kostet zunächst Geld. Wann lohnt sich die Investition in eine Wallbox – auch mit Blick auf den späteren Wechsel zu vollelektrischen Dienstwagen?
Prof. Wolfgang Habla: Die Wallbox rechnet sich vor allem über den nächsten Dienstwagen: Wer zu Hause laden kann, bestellt beim Leasingwechsel etwa doppelt so häufig ein reines Elektroauto. Mit diesem Effekt amortisiert sich eine Wallbox innerhalb von zwölf Jahren; über ihre Lebensdauer von rund 20 Jahren spart sie im Schnitt 14 Tonnen CO₂ und unterm Strich auch Geld. Allein über die Zeit, in der ein Plug-in-Hybrid gefahren wird, rechnet sie sich dagegen nicht, weil die Einsparung beim Sprit durch die zusätzlichen Stromkosten aufgezehrt wird. Unternehmen sollten die Wallbox deshalb als Investition in die Elektrifizierung ihrer Flotte verstehen und sie früh bereitstellen – lange vor dem nächsten Leasingwechsel.
Welche konkrete Konsequenz sollten Fuhrparkverantwortliche aus Ihren Ergebnissen ziehen: Sollte ein Plug-in-Hybrid nur dann als Dienstwagen angeboten werden, wenn regelmäßiges Laden gesichert ist?
Prof. Wolfgang Habla: Ja – Plug-in-Hybrid und Heimladen gehören zusammen. Ohne regelmäßiges Laden fährt ein Plug-in-Hybrid fast nur mit Benzin oder Diesel und ist fürs Klima dann kaum besser als ein Verbrenner – in unserer Studie lag der elektrische Fahranteil vor der Wallbox bei gerade einmal fünf Prozent. Fuhrparkverantwortliche sollten Plug-in-Hybride deshalb an eine Lademöglichkeit zu Hause koppeln, die Wallbox gleich mit dem Fahrzeug bestellen und zügig installieren lassen. Dasselbe Prinzip empfehlen wir übrigens der Politik: Kaufprämien für Plug-in-Hybride sollten an eine Lademöglichkeit gebunden sein.