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Eigene Glücksquelle

Auf der Happy Farm, einem Bio-Bauernhof im Schwarzwald, fährt bald der gesamte kleine Vierer-Fuhrpark vollelektrisch mit dem eigenproduzierten Strom. Diese Stromer sind dabei durchaus Exoten.


Datum:
16.08.2021
Autor:
Paul-Janosch Ersing
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"In gewisser Weise hat die UN-Konferenz von Rio den Anstoß dafür gegeben, dass wir heute mit unserem eigenen Solarstrom fahren", erinnert sich Gerald Noack an das Jahr 1992. "Damals kamen Elektro-Pioniere wie der kleine Hotzenblitz auf den Markt - seit diesem Zeitpunkt habe ich die Szene genauer beobachtet." Bis zum ersten eigenen E-Auto vergingen dann aber noch einige Jahre. 2016 war es endlich so weit: Auf der Suche nach einem leistungsfähigen Energiespeicher für den Strom aus der Photovoltaik-Anlage (20 kW) auf dem Scheunendach kamen Gerald und seine Partnerin Barbara Thoennes auf die Idee, ein gebrauchtes Elektrofahrzeug zu kaufen. "Wir haben uns für einen von der Firma Karabag umgebauten Fiat 500 entschieden. Das Angebot war wirklich sehr attraktiv, und mit 8.500 Euro lagen die Kosten weit unter denen von stationären Stromspeichern", berichtet Gerald. Außerdem sei es doch eine absolut bestechende Idee, mit dem eigenen Hausspeicher auch durch die Gegend fahren zu können.

Warten auf Bidirektionalität

Was die beiden zu dem Zeitpunkt nicht wussten: Die Zusage des beauftragten Elektroinstallateurs, den elektrischen 500er mit seinem 11-kWh-Akku für bidirektionales Laden fit zu machen, wurde bis heute nicht eingehalten. "Weil das leider nicht geklappt hat, haben wir ihn eben für unsere kürzeren Fahrten hier in der Ortenau genutzt", berichtet Barbara. Auf die begrenzte Reichweite von rund 100 Kilometern habe man sich eben entsprechend einstellen müssen. Bei Fahrten ins 80 Kilometer entfernte Freiburg sei es schon immer ein kleines Abenteuer gewesen, weil die beiden spätestens vor der Rückfahrt immer zum Nachladen gezwungen waren.

US-Import als Schnäppchen

Die Happy Farm bei Oberkirch ist ein Bio-Hof, auf dem auch Gäste willkommen sind. Um den Urlaubern am Rande des Schwarzwalds ein Angebot für emissionsfreies Fahren machen zu können, wurde 2018 ein zweiter gebrauchter Fiat 500 angeschafft.

"Dieses Mal haben wir ein aus den USA importiertes Fahrzeug genommen - mit mehr als doppelt so großem Akku", verrät Gerald. "Wir haben das Auto direkt beim Importeur in den Niederlanden geholt. Dadurch haben wir rund 3.000 Euro gespart." Inklusive TÜV-Eintragungen und kleineren Umbauten wie einer Nebelschlussleuchte lagen die Investitionen für den Italiener, der zuvor unter der kalifornischen Sonne stromerte, bei rund 14.000 Euro (brutto).

Als drittes Mitglied der kleinen E-Flotte kam im Sommer 2019 ein echter Exot dazu: ein Elektrofrosch. Das höchstens 30 km/h schnelle Lastendreirad stammt aus China und wird für den deutschen Markt beim Produzenten Volta in der Türkei montiert. Die Happy-Farmer nutzen das sympathische Gefährt für ihre Fahrten auf den Oberkicher Wochenmarkt. "Die Ladefläche haben wir uns als Marktstand umgebaut, das ist natürlich ein echter Hingucker", gibt Barbara schmunzelnd zu. "Wir haben ganz klein angefangen, mit einem Klapptisch, zwei Eierkartons und ein paar Gänseeiern. Mit dem roten Elektrofrosch fallen wir natürlich auf!" Als Alternative wäre eine italienische Ape von Piaggio in Frage gekommen, aber sowohl der Lärm als auch die blaue Zweitakter-Wolke sei für den auf Nachhaltigkeit achtenden Bio-Hof nicht so richtig passend gewesen. "Mit dem Elektrofrosch kann ich morgens vom Hof rollen, ohne dass die Gäste geweckt werden", sieht Gerald einen klaren Pluspunkt für das China-Dreirad aus der Türkei.

E-Transporter von Opel

Der Fuhrpark der Happy Farm wird so gut wie immer mit dem eigenen Solarstrom geladen. Damit dieser mit der Flotte wächst, wird derzeit die Photovoltaik-Anlage um nochmal 10 kW vergrößert. Diese Erweiterung kann als Vorbote eines in Kürze erwarteten Zuwachses interpretiert werden: Denn da die Jahre des alten Diesel-Hochdachkombis, der meist hinter der Scheune parkt, gezählt sind, wird im Spätsommer ein roter Opel Vivaro-e vom Händler abgeholt. "Wir hätten uns auch wieder für einen gebrauchten Elektro-Transporter entschieden, aber es gibt einfach noch keine Angebote mit der von uns benötigten Nutzlast", beantwortet Gerald die Frage, warum es im vierten Anlauf erstmals ein elektrisches Neufahrzeug werden wird.

Die Hoffnung auf eine Nutzung als Stromspeicher haben die beiden noch nicht aufgegeben - im Gegenteil: Der Akku des Vivaro-e (75 kWh) wäre groß genug, um die Happy Farm im Winter eine ganze Woche mit Strom zu versorgen. Jetzt muss sich nur noch ein fähiger Elektroinstallateur finden.

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