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Vive la France, in klein und fein

Der Clio ist der beliebteste Kleinwagen Europas. Vor 31 Jahren gestartet, hat er auch in Deutschland eine Fangemeinde. Wir haben uns den starken Turbobenziner genauer angesehen.


Datum:
05.07.2021
Autor:
mb
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140 PS in einem Kleinwagen? Hört sich gewaltig viel an. Doch Renault hat den Clio, der einst als Renault 5 startete, immer schon viele Pferde spendiert - auf Wunsch.

Der Renault 5 Alpine Turbo, der noch bis Mitte der 1980er Jahre produziert wurde, schaffte es bereits auf 108 PS, der Renault 5 Turbo gar auf 160 Pferdestärken. Es ist also keineswegs ungewöhnlich, dass im Kleinwagen von Renault Leistung vorhanden ist. Zumal es immer wieder auch die R.S.-Modelle mit rund 200 PS gab. R.S. - das Sportlogo von Renault - wird demnächst übrigens in eine eigene Marke gewandelt. Alpine gibt es bereits und mit der wiederbelebten Marke einen herrlich ehrlichen Sportwagen. Bislang mit dem A110 aber eben nur das eine Modell. So machen es die Franzosen dann demnächst wie die Spanier. Aus den Seat Cupra-Modellen wurde ja ebenfalls eine eigene Marke - siehe dazu auch Seite 42.

Zahlen lügen nicht - sagt man

7.600 Clio hat Renault von Januar bis einschließlich Mai 2021 in Deutschland über alle Kanäle verkauft. Besser waren nur der Toyota Yaris (erstaunlich, doch von ihm verkauften sich 30 Fahrzeuge mehr), der Polo (12.221) und der Corsa mit satten 21.000 Exemplaren. Ein durchaus erfolgreicher Kleinwagen also, der "kleine Freund" (den Spruch kennen nur die Älteren).

Das liegt sicherlich an der Vielfalt, die der mittlerweile in der fünften Generation erhältliche Franzose bietet - der übrigens im slowenischen Novo Mesto mit dem Renault Twingo vom Band rollt.

Seit Ende 2019 wird die neueste Version angeboten. Derzeit fünf Ausstattungslinien des mit 4,05 Meter perfekt im Kleinwagensegment platzierten Clio versprechen Vielfalt. Allerdings gibt es seit Herbst 2020 - also nur ein Jahr nach Marktstart - ausschließlich Ottomotoren. Anders als die Landsleute bei PSA hat sich Renault beim Kleinwagen vom Diesel verabschiedet. Die Benziner-Riege startet mit schmächtigen 65 PS, geht weiter über 90 bis eben 140. Diese Leistungsstufe gibt es dann in zwei Ausführungen. Die teure Hybridversion mit 1,6-Liter-Ottomotor und die sportliche mit dem 1,3-Liter-Turbo. Wem 100 PS ausreichen, für den käme noch eine LPG-Version, also die mit Flüssiggas, infrage.

Wir konzentrieren uns auf die 140-PS-Version mit klassischem Verbrenner. 260 Newtonmeter versprechen forschen Vortrieb. Das Wissen, dass dieser Antrieb auch von Mercedes übernommen wird und dort in allen A-Klasse-Derivaten zum Einsatz kommt, weckt Vertrauen. Dieses verstärkt sich, wenn man die ersten Meter mit dem Clio unterwegs ist. Anders als andere in diesem Fahrzeug- und Motorsegment setzt Renault weiterhin auf Vierzylinder. Dieser Reihenmotor fühlt sich nicht nur kraftvoll an, er ist im Alltagsgebrauch auch zurückhaltend in seiner akustischen Präsenz. Dass es sich verständlicherweise um einen Direkteinspritzer handelt, merkt man im Stand am ehesten, da kommt fast eine Art Nageln wie beim Diesel durch. Störend ist es nicht.

TCE nur noch als Handschalter

Kombiniert wurde unser Testwagen, der noch die "ältere" Ausbaustufe mit 130 PS und 240 Newtonmeter beinhaltete mit dem Doppelkupplungsgetriebe, das sich selbstständig die passende der sieben Übersetzungen aussucht. Vor allem beim Anfahren gelingt das nicht immer elegant, manchmal sogar ruppig. Die Schaltvorgänge sind hingegen nicht spürbar und tragen zur entspannten Fahrcharakteristik bei. Dennoch hat Renault offensichtlich Ähnliches bemerkt und bietet den TCe 140 nunmehr ausschließlich mit Handschaltung an - ganz ehrlich, das passt besser.

Wer flott unterwegs ist, wird mit dem Aggregat bei rund sieben Litern Verbrauch landen, neun sind ebenfalls machbar, fünfeinhalb aber auch. Der Gasfuß ist hier sehr entscheidend. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei echten 200+. Ein Tempo, das sich durchaus flott erreichen lässt und auch gut fahrbar ist und zumindest theoretisch gut zur sportlichen R.S.-Ausstattung passt. Ebenso wie die Feder-Dämpfer-Elemente, die stets straff und - kleinwagentypisch - vor allem beim Langsamfahren durchaus Bewegung und Geräusche ins Gesamtkonstrukt bringen. Verstärkt wird das durch die 17-Zoll-Bereifung, die allerdings optisch gut passt. An der recht exakten Lenkung, die hilft, einen sauberen Kurvenstrich zu fahren, ändern sicherlich dennoch auch 16-Zöller nichts - am Gesamtkomforteindruck hingegen schon.

Anteil am Komforterlebnis haben auch die weichen Sitzmöbel. Im R.S.-Paket (mittlerweile eine eigene Ausstattungslinie) sind diese eng geschnitten mit hohen Seitenwangen, die bei der Kurvenhatz durchaus helfen, den Körper an Ort und Stelle zu halten. Dass sie dennoch nicht unkomfortabel sind, zeigt, wie ein Spagat aussehen kann. Ebenso erfreut einen die Gurtverstellung - keine Selbstverständlichkeit mehr. Vorne gibt es ausreichend Platz, auch für Personen über 1,90 Meter. Hinten wird es gemütlich - ab 1,80 Metern in etwa. Der Einstieg gelingt, nachdem man den Türgriff gefunden und sich selbst hineingewunden hat. Sollten die Knie bereits die Vordersitze küssen, wird der Kopf erstaunlicherweise noch etwas Luft nach oben haben. Die gibt es im Kofferraum in überdurchschnittlichem Ausmaß, der echte Griff an der Innenseite vereinfacht das Zuziehen, die Lampe rechts an der Seite das Finden von Dingen im Dunkeln. So sollen Kofferräume aussehen. Und nicht nur diese. Denn auch das Interieur präsentiert sich keineswegs kleinwagentypisch.

Die Verarbeitung ist für diese Preisklasse sehr gut, die Materialauswahl fein, wenngleich es nur beim Topmodell Ledersitze gibt. Mit dem Komfort-Paket Plus entsteht ein schönes und hochwertiges Interieur, das sich im Falle des Clio mit seinem Hochkant-Display sogar noch prima bedienen lässt. Wer ein Navi wählt, bekommt die aktuellen Spritpreise der Tankstellen in der Umgebung angezeigt und Software-Neuerungen könnten zum Teil sogar Over- The-Air implementiert werden.

So fühlt sich der Kleinwagen nicht mehr an wie ein Kleinwagen, fährt sich erwachsen und die Frage muss mal wieder gestellt werden: Wie viel Auto benötigt man? Blickt man ins europäische Ausland, wird die Frage selbst bei den Firmenfahrzeugen schnell beantwortet: Weniger als in Deutschland üblich. Der Clio ist so ein Kandidat.

Von Autoflotte getestet

+Schöne MaterialienStarker MotorEinfache Bedienung-Wenig Platz im FondKein DieselMotoren an Ausstattung gebunden

Renault Clio Intens TCe 130 AT

Testwagenpreis: 20.412 EuroR4/1.332 cm³ | 96 kW/130 PS 240 Nm ab 1.600 U/min 7-Gang-DKG 200 km/h | 9 s 5,6 S | 128 g/kmEffizienz: C 4.050 x 1.798 x 1.440 mm 340 - 1.069 lHK: 18 | VK: 21 | TK: 21Wartung: 30.000/jährlichGarantie: 2 Jahre

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