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Wenn zwei dasselbe tun ...

Kleinstwagen sterben langsam aus. Und gleichzeitig boomen Kleinwagen. Doch wenn das Paket richtig geschnürt ist, funktioniert beides - gerade in der E-Mobilität, wie Fiat 500e und Peugeot e-208 beweisen.


Datum:
07.06.2021
Autor:
mb
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Der Fiat 500 war und ist ein Herzensbrecher - nicht nur bei Frauen. Wer kleine Autos mag, mag den 500er. Punkt. Fiat macht es geschickt, lässt den alten weiterlaufen und gesellt ihm den neuen nebendran - rein elektrisch, versteht sich. Das passt nicht nur perfekt in die Zeit, es passt auch bestens zum kleinen 500e, dem vielleicht klassischsten aller Kleinstwagen. Peugeot macht es eine Nummer größer mit dem 208. Allerdings gehen sie - wie der gesamte PSA-Konzern und künftig vielleicht auch Stellantis - so vor, dass sie alle Pkw als Benziner, Diesel und Elektroversion anbieten - wo es Sinn ergibt. Beim 208 ist das offensichtlich so.

Wieder Italien. Jetzt Slowakei

Der nun wieder in Turin montierte 500er (der "alte" kommt aus Polen) bringt ultrakompakte 3,63 aufs Metermaß. Der e-208 wird - anders als seine Verbrenner - im slowakischen Trnava produziert und misst 42 Zentimeter mehr. Klar, dass der Peugeot mehr Raum zur Verfügung stellt - hinten und ganz hinten. Doch auch bei ihm ist es kein Genuss, sich in den Fond zu winden. Lenkt vorne jemand mit langen Beinen, sitzt dahinter jemand mit ganz kleinen. Im 500e sitzt dann hinten allerdings niemand mehr. Dabei gibt es den Italiener auch als echten Dreitürer. Gegenläufig öffnet dann auf der rechten Seite eine weitere Luke und der Einstieg gelingt ohne B-Säule recht geschmeidig - eng bleibt es freilich trotzdem, denn an der Gesamtkürze ändert sich nichts. Für Kinder oder die kurze Strecke in der Stadt reicht es aus - beim e-208 geht auch mal mehr.

Dass die Paradedisziplin dieser E-Autos nicht die Langstrecke ist, liegt auf der Hand. Der Fiat zeigt nach dem Vollladen der nutzbaren knapp 38 kWh eine Reichweite von 260 Kilometern an. Geht es auf die Autobahn, dezimiert sich diese bei Tempo 115 auf echte 200. Bleibt man in der Stadt, addieren sich aber auch locker 50 Kilometer hinzu. Der Peugeot trumpft zum Start meist mit 320 Kilometern und mehr auf. Auf der Schnellstraße purzeln die Kilometer ähnlich wie im 500e, jedoch sind eher 240 machbar - bei ähnlichem Schneckentempo. Innerstädtisch sind auch spielend 360 möglich. Ein Grund: Der Akku besitzt etwa zehn kWh mehr Kapazität. Beim Verbrauch ist der kleinere und um rund 180 Kilogramm leichtere Fiat im Vorteil. Wer es drauf anlegt, fährt ihn mit 12 kWh. Den Peugeot drückt man nur mit Mühe in Richtung 15 kWh pro 100 Kilometer - innerstädtisch.

One-Pedal-Driving

Ein Vorteil des 500e: Im "Range"-Modus wird automatisch One-Pedal-Driving aktiviert. Das bedeutet in der Praxis, dass man wirklich das Bremspedal vergessen kann, sofern die Verkehrssituation als "normal" durchgeht. Im Peugeot gibt es lediglich den B-Modus, der durch Ziehen des Schalthebels eingelegt wird. Er verstärkt die Rekuperation, bremst aber nur behutsam. Wer dann via Fußbremse stärker verzögert, rekuperiert nochmals in drei Stufen Energie, bevor die Bremsklötze physisch an die Scheiben andocken. Dieser Vorgang gelingt nicht so geschmeidig, wie das "Bremsen" im 500e. Dafür nickt dieser bei fast jedem Ampelstopp auf den letzten Zentimetern.

In die andere Richtung geht es bei beiden fix. 118 PS leistet der Elektro-Frontmotor im Fiat kurzzeitig, 136 der des Peugeot, der in allen PSA-Elektrofahrzeugen exakt so zum Einsatz kommt. Skaleneffekte nennt man das, funktioniert bislang auch tadellos, wenngleich etwas Differenzierung wünschenswert wäre. Aber wahrscheinlich können wir uns diese bei der E-Mobilität mehr denn je abschminken. Glatt neun Sekunden dauert der Spurt im Italiener, neun Zehntel weniger im Franzosen. Mit beiden ist es ein Genuss durch den Großstadtdschungel zu zirkeln, wenngleich der Fiat leicht im Vorteil ist und sein Fahrwerk weniger poltrig rüberkommt als das des e-208. Beide Testwagen waren mit 17-Zoll-Alus und identischer Reifengröße ausgerüstet. Die Kurvendynamik überzeugt auch deswegen in beiden Fällen, wenngleich der Peugeot zwar zielgenauer einlenkt, dafür aber stets etwas mit dem Heck nachwippt. Die Lenkung des Fiat fühlt sich eckig an und zuckt hin und wieder unwirsch in den Händen.

Nervöse Zuckungen könnte man wegen der Übersichtlichkeit bekommen. Dicke A- und C-Säulen und kleine Heckscheiben verschlucken schnell mal den einen oder anderen Zweiradfahrer. Beim Fiat suggeriert das Panoramaglasdach Leichtigkeit und lässt den Innenraum freundlich hell erscheinen. Wir empfehlen jedoch eindeutig das Glasschiebedach. Es kostet zwar 1.260 Euro im Vergleich zum Glasdach ohne Öffnungsfunktion, ist aber jeden Cent wert. Oder man greift direkt zum lediglich 420 Euro teureren Cabriolet. Das ist die Vollendung der E-Mobilität. Nicht nur, dass dann auch die leider nur beim ersten Motorstart für ein paar Sekunden für alle hörbare Melodie "Amarcord" von Nino Rota zu hören ist. Dolce Vita? Exakt so geht das. Fiat, warum macht Ihr das nicht auf Knopfdruck, immer und immer wieder? Denn nach dem kurzen Hörerlebnis summt der 500e wie ein Elektroauto - ebenso der e-208, langweilig eben, aber zum Glück nicht nervig wie Renaults Zoe.

Tolle Interieurs

Innen begeistert das Design des 500e, das zudem einigermaßen durchdacht erscheint und wohl meistens gefällt. Der Peugeot spaltet in dieser Disziplin eher die Meinungen. Manchen gefällt es, anderen weniger. Gut bedienbar sind die Touchflächen in Anlehnung an eine Klavieranordnung in jedem Fall nicht. Zudem sind beispielsweise die Felder für die Sitzheizung so schwach beleuchtet, dass man es tagsüber nur spürt, welche Stufe aktiviert ist. Im 500e ist das jedoch noch schlechter gelöst, denn hier muss man ins Infotainmentmenü einsteigen und es gibt hier nur eine Stufe. Beiden E-Autos fehlt die Lenkradheizung - immer. Gerade in der kalten Jahreszeit wärmt es zuverlässig die Hände und der Einsatz der energiefressenden Heizung fällt sparsamer aus. Das Fehlen ärgert alle E-Mobilisten.

Durch die Touchflächen und den Klavierlack-Anteil finden sich dann bei beiden schon nach dem ersten Fingertipp unschöne Überbleibsel im Cockpit und nach wenigen Tausend Kilometern kommen Mikrokratzer hinzu. Ein sanftweiches Putztuch gehört zur Grundausrüstung. Selbst dann, wenn die Materialien und die Verarbeitung des e-208 über der des 500ers liegt. In Italien sind Passgenauigkeiten nicht so wichtig. Ebenso ist die Fahrerfußmatte zu klein. Der Teppich wird nach einiger Zeit alles andere als einladend aussehen.

Digitaltachos gibt es in beiden Fällen. Das im e-208 besitzt zudem einen 3D- Effekt. Nette Spielerei, an die man sich gewöhnen kann, ebenso an das kleine Lenkrad. Die Informationsfülle im Fiat ist indes besser dargestellt und gibt jederzeit Auskunft über Restreichweite in Kilometern und den Batteriezustand in Prozent - so gehört sich das. Das ist umso hilfreicher, wenn - wie beim Peugeot - die Restreichweite gerne mal hektische Sprünge von zehn und mehr Kilometern macht. Wahrlich feinfühlig ist hier die Anzeige oder der Algorithmus dahinter nicht und erschwert eine Punktlandung beim Laden und am Zielort ankommen. Schön gelöst ist indes die Ablage zum Induktivladen. Ist diese geschlossen, ist es "clean". Aufgeklappt kann das Smartphone in eine Art Stütze gestellt werden. Beim Fiat ist die Ladefunktion des Handys ebenfalls gut gelöst und die Übertragung von Apple Carplay erfolgt kabellos. Im Peugeot stehen fürs Koppeln ein USB- und ein USB-C-Anschluss parat.

Bei den Sitzen ist der Peugeot klar im Vorteil. Sie sind in der GT-Version zwar für einige Insassen zu eng, können aber gut justiert werden, lediglich die Kopfstütze hängt bei "Aufrechtsitzenden" zu dicht am Hinterkopf. Im 500e sitzt man eher oben drauf. Dafür bestehen seine Sitzbezüge laut Fiat aus recyceltem Plastik.

Ähnliche Ladegeschwindigkeit

Um zur Überschrift zurückzukommen: Dasselbe tun Fiat 500e und Peugeot e-208 lediglich beim Antrieb, der ist elektrisch, und beim Preis. Der startet jeweils bei rund 25.000 Euro netto vor Förderung. Die Ausstattungsumfänge sind in beiden Fällen ähnlich und so ist es eine Frage des persönlichen Geschmacks und ob man hin und wieder doch mit mehreren Personen unterwegs ist.

Denn das Laden an der 11-kW-Wallbox erledigen beide serienmäßig und in identisch kurzer Zeit. Das Schnellladen am CCS-Ladepunkt soll dann beim Fiat mit bis zu 85 kW gelingen, der Peugeot setzt 15 kW Ladetempo oben drauf. Dass beides Theorieangaben sind, dürfte mittlerweile hinlänglich bekannt sein. Zu viele Einflussfaktoren wie Batteriezustand, zuvor gefahrene Strecke und Gangart sowie die Ladesäule und das Wetter (Außentemperatur) können eine entscheidende Rolle spielen.

Für den 500e spricht, dass er effizienter mit der Energie umgeht und spitzer auf E-Mobilität ausgelegt ist. Der Peugeot ist vor allem größer - aber doch nicht groß genug, um vier Personen komfortabel zu tansportieren. Als Poolfahrzeug taugen beide vielleicht dennoch. Als Symapthieträger der eine in jedem Fall mehr.

Fiat 500e Icon

Testwagenpreis: 28.752 EuroE-Motor | 87 kW/118 PS | 220 Nm 150 km/h | 9 s | WLTP 14 kWh/100 kmReichweite: 321 kmLadeleistung: 11 kW/85 kWBatteriekapazität: 42 kWh (brutto) 3.632 x 1.683 x 1.527 mm 180 - 550 LiterHK: 13 | VK: 18 | TK: 16Wartung: 15.000 km/jährlichGarantie: 2 Jahre/8 Jahre/100.000 kmAlle Preise netto zzgl. Umsatzsteuer

Peugeot e-208 GT

Testwagenpreis: 29.202 EuroE-Motor | 100 kW/136 PS | 260 Nm 150 km/h | 8,1 s | WLTP 17,6 kWhReichweite: 340 kmLadeleistung: 11 kW/100 kWBatteriekapazität: 50 kWh (brutto) 4.055 x 1.765 x 1.430 mm 265 - 960 LiterHK: 14 | VK: 22 | TK: 15Wartung: 25.000 km/2 JahreGarantie: 2 Jahre/8 Jahre/160.000 kmAlle Preise netto zzgl. Umsatzsteuer

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