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Ausgabe 01/02/2021

Anders. Auch gut.

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© AUTOFLOTTE

Cadillac spielt in Deutschland keine Rolle. Ein Grund: kein Diesel. Mit dem XT4 wird das Problem gelöst. Doch das Kompakt-SUV fährt nicht nur damit gegen den Trend.

Den letzten Diesel bei Cadillac gab es zu Zeiten des BLS. Das Mittelklasse-Fahrzeug basierte auf dem Saab 9-3 und lief auch in Schweden vom Band. Erstmals in der Firmengeschichte gab es damals einen aufgeladenen Turbodiesel. Dieser wurde im GM-Entwicklungszentrum in Turin adaptiert. Denn das Aggregat nutzte nicht nur Cadillac, sondern auch die damaligen GM-Töchter Saab und vor allem Opel. Das Leben des BLS währte jedoch nur kurz: Von 2006 bis 2009 wurde der Wagen als Limousine und von 2007 bis 2009 als Kombi in Westeuropa in homöopathischen Dosen verkauft.

Nach elf Jahren wieder Diesel

Die diesellose Durststrecke für Cadillac ging bis jetzt. Im XT4 kommt wieder ein Selbstzünder zum Zug. Ja, exakt in Zeiten, in denen der "Rest der Welt" auf Plug-in-Hybride (Phev) und Elektroversionen schwört, starten die US-Amerikaner mit dem Selbstzünder. War Europa einst Dieselland, wandelt es sich derzeit - gerade im Flottenmarkt. Zu groß ist der"Ansporn" für Dienstwagenberechtigte und damit der Druck auf Fuhrparkbetreuende - vor allem, wenn es um die Teilzeitstromer geht. Doch die stehen bei Cadillac gar nicht auf der Agenda und der erste elektrische Cadillac wird 2022 die Startlinie überfahren.

XT4 350D heißt nun das Kompakt-SUV mit 174 Diesel-PS. Ein 350T (230 PS Benziner) folgt bald. Beide Aggregate schöpfen die Kraft aus zwei Litern Hubraum, aufgeteilt auf vier Zylinder. Mit knapp 4,60 Metern Länge rangiert der XT4 am oberen Ende des Segments - amitypisch, könnte man meinen. Keineswegs typisch in irgendeiner Weise präsentiert er sich. Typisch Cadillac? Vielleicht. Es ist in jedem Fall anders. Anders als in Europa üblich, anders als in Asien üblich und anders als in den USA üblich. Das ist gut, denn die Differenzierungen im Design, gerade bei den SUV, werden zusehends geringer. Schön, wenn einer mal aus der Reihe tanzt. Ob der XT4 schön ist, bleibt Geschmackssache. Egal aus welcher Perspektive: Verwechslung ausgeschlossen, Wiedererkennung ist hingegen nur von Auto-Nerds zu erwarten. Zu wenige der kantigen, in Michigan, Texas, Kansas und Tennessee hergestellten Fahrzeuge verirr(t)en sich nach Deutschland. Kein Wunder, so gibt es hier elf Händler die Cadillac verkaufen und aktuell ein Modell: den XT4. In Flotten wird sich daher kaum ein XT4 verirren, eher bei der Klientel, die früher mal Saab oder Infiniti kaufte, heute Lexus oder ein skurriles Modell eines "Mainstream-Hersteller".

Zum Deutschland-Start gibt es den XT4 als frontgetriebene Launch Edition (36.983 Euro) und als Launch Edition Sport (FWD: 40.600 Euro, 4x4: 42.328 Euro). Die Topversion sind wir gefahren, im Bug werkelte der Zweiliter-Diesel - hörbar. Das ist auch sein größtes Manko. Denn die Dämmung an der Stirnwand, also dem Bauteil zwischen Motor- und Fahrgastraum, scheint pergamentpapierdünn zu sein. Wer den durchaus drehwilligen Diesel fordert, erntet ab unter 2.000 Touren zwar nachdrückliche Beschleunigung. Begleitet wird es allerdings von hämmerndem Nageln, das die flinke und fast unmerklich schaltende Neungang-Wandlerautomatik kaum übertüncht. Wer in den manuellen Schaltmodus wechselt, fährt trotz Kickdown im Drehzahlkeller oder oben in den Begrenzer. Bei gelassener Fahrweise senkt der XT4 seine Stimme und wirkt: stimmig. Denn obwohl das adaptive Fahrwerk (Serie bei der Launch Edition Sport) durchaus willig durch Kurven pfeilt, ist die lässige Gangart die passendere. Im Tour-Modus schwingt zwar das Heck bei Bodenwellen sanft nach, dafür parieren die Dämpfer Unebenheiten im Asphalt souverän. Lediglich bei Langsamfahrt lassen die 20-Zoll-Reifen Fahrbahnschäden spürbar durchkommen. Wer es gelassen angehen lässt, rollt im Bereich der WLTP-Verbrauchsangabe - also mit knapp sieben Litern. Nicht der Sparsamste der Klasse, aber für ein bis zu 1,9 Tonnen schweres SUV mit Allradantrieb nicht ungewöhnlich. Apropos Tour-Modus: In diesem wurde der XT4 homologiert und startet daher auch stets in ihm. Dann sind Kardanantrieb und damit die Hinterachse komplett entkoppelt, was Sprit sparen soll. Allrad gibt es auf Knopfdruck in jedem der drei weiteren Modi (AWD, Sport, Offroad).

Alte Schule

Knöpfe gibt es noch im XT4 und damit wirkt er ebenfalls aus der Zeit gefallen - rein optisch. Dennoch gelang es den Designer, das Armaturenbrett übersichtlich zu gestalten und ansehnlich. Die Tasten erschließen sich auf den ersten Blick und navigieren Pilotin und Copilot schnell durch sämtliche Menüs. Der Drehdrücksteller ist zwar kratzempfindlich, aber durchaus sinnvoll, um im zu kleinen (acht Zoll) Infotainment-Display in die Untermenüs zu gelangen - wer touchen will, kann das auch tun und wird schnell fündig. Ebenso ungewöhnlich sind mittlerweile Analoginstrumente. Zwei gibt es im Cadillac, aber auch ein Head-up-Display (in der gefahrenen Topversion). Um sämtliche Instrumente herum schmiegen sich Lederimitat und Kunststoffe an Armaturen und Türverkleidungen. Das fühlt sich gut an, wenngleich es weiter unten eher hartplastikähnlich wird. Die Verarbeitung ist prima, andere können es etwas besser.

Auf den zu kurzen Ledersitzen logiert man komfortabel, elektrisch verstellbare Sitzwangen helfen, die Fauteuils noch körpergerechter zu formen und Kollisionswarnungen werden über Vibrationen in der Sitzfläche mitgeteilt, zusätzlich zu den roten Warnhinweisen im Display - nervige Warntöne gibt es nicht. Eine echte Gurthöhenverstellung darf ebenso Erwähnung finden wie die Innenrückspiegelkamera, die Cadillac als erster Hersteller im Angebot hatte. Auch eher selten ist die Möglichkeit, zwischen einem klassischen Tempomat und dem adaptiven (ACC) zu wechseln.

Kommen wir zu dem, was der Cadillac XT4 typisch "macht". Die Übersicht nach schräg hinten ist - wie bei fast allen SUV - mies. Eine breite C-Säule wird auch hier mit kleinem Heckfenster kombiniert und lässt innerstädtisch den Schulterblick zum Erlebnis werden. Dafür fühlen sich Hinterbänkler gut aufgehoben und finden klassenübliche Platzverhältnisse. Das Kofferraumvolumen gibt Cadillac mit 637 Litern an. Das ist der Wert für die dachhohe Beladung. Wie viel unter die Ablage passt, konnte niemand sagen. Hundefreunde dürfen sich freuen. So gibt es für den XT4 eine spezielle Hundebox für den Kofferraum, die "crashoptimiert" sein soll.

Für die Mehrheit ist die klug angebrachte induktive Handylademöglichkeit nützlicher. Schön wäre Matrixlicht. Doch das gibt es beim XT4 nicht, eigentlich üblich in diesem Segment - im XT4 eben anders.

Cadillac XT4 350D Launch Edition Sport AWD

Preis ab: 40.600 EuroR4/1.995 | 128 kW/174 PS | 381 Nm ab 1.500 U/min. | 10,6 s 200 km/h 9-Gang-AT | WLTP: 6,9 D | 180 g/km 4.593 x 1.881 x 1.612 mm 637 - 1.385 (jeweils dachhoch)HK: 19 | VK: 27 | TK: 24Wartung: jährlich/30.000 kmGarantie: 3 Jahre/100.000 kmAlle Preise netto zzgl. Umsatzsteuer

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